Schwer verdaulich: „Krieg der Götter“

„Krieg der Götter“Er hieß zunächst »Dawn Of War«, dann »War Of The Gods«, bevor er schließlich im November unter dem Titel »Immortals« in die US-Kinos kam. In Deutschland lief er unter dem schlichten Namen »Krieg der Götter« und neben einem normalen Release auch in einer 3D-Fassung.

Der indische Regisseur Tarsem Singh fiel bisher nicht unbedingt durch erfolgreiche Blockbuster auf. »The Cell« (2000) und »The Fall« (2006) mögen manchen noch in Erinnerung sein. Nun wagt er sich mit »Krieg der Götter« an die griechische Mythologie, auch wenn er dabei nicht allzu große Werktreue an den Tag legt.

Letztendlich ist es die übliche Geschichte von Helden und Schurken, von Menschen und Göttern, von Gesetzen und jenen, die sie übertreten. Hyperion, König von Kreta und gespielt von einem wie immer brillanten Mickey Rourke, plant Vergeltung an den Göttern des Olymp, weil diese seine Gebete nicht erhört und seine Familie nicht vor schwerer Krankheit bewahrt haben. Mit einer gewaltigen Armee macht er sich deshalb auf die Suche nach dem legendären Epeiros-Bogen, der einzigen Waffe, mit der man die seit Äonen verbannten Titanen befreien kann. Diese, so sein Kalkül, würden dann ihr Mütchen an den verhassten Göttern kühlen und damit auch seine Rache vollenden. Da die Götter nicht persönlich in die Geschicke der Menschen eingreifen dürfen, schicken sie den tapferen Krieger Theseus (Henry Cavill) los, um Hyperion aufzuhalten.

Das ist im Groben die Story, die man zwischen all den Kampfszenen und den oft nur schwer erträglichen und vor Pathos triefenden Dialogen mit etwas Mühe heraushören kann. Singh startet den hehren Versuch, antikes griechisches Theater mit modernem Kino zu verquicken – und scheitert kläglich. Die Figuren wirken von Beginn an starr und wie Fremdkörper in einer bis ins Detail durchgestylten Kunstwelt, die zwar bildgewaltig, jedoch auch kalt und unnahbar daher kommt. Die Action-Sequenzen entlarven sich mit ihren Zeitlupen und expressiven Kamerafahrten zu schnell als Selbstzweck und der Epeiros-Bogen sieht aus, wie ein besonders innovativer X-Box-Controller mit Kinect-Anbindung.

Alles in allem ist »Krieg der Götter« zu schwer verdaulich, um das Massenpublikum anzusprechen und zu geschwollen inszeniert, um künstlerisch zu überzeugen. Ich habe mich in der letzten halben Stunde nur noch gelangweilt, denn bei den Griechen geht es zwar selten ohne Massen von Toten ab, aber am Ende gewinnen eben immer die Götter.

Rüdiger Schäfer

»Krieg der Götter«
Kino, 110 min.
FSK 16

 

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