„Star Wars“ in Farbe und bunt –
Journal of the Whills 63

Journal of the Whills 63Meinem Gefühl nach sind gedruckte Magazine insbesondere im populärkulturellen Bereich inzwischen fast schon etwas Exotisches. Warum? Einfach: angesichts der überbordenden Informationsfülle, die ich im Internet finden kann, sehe ich normalerweise kaum noch einen Grund, ein – aufgrund der Lizenzen oft überteuertes – Printmagazin zu erwerben. Eine Ausnahme ist es natürlich, wenn solche Magazine einen echten Mehrwert liefern, also Informationen die ich so an anderer Stelle nicht bekommen kann, oder die zumindest redaktionell gekonnt zusammen gestellt sind. Ist das beim »Journal Of The Whills«, dem »Star Wars«-Magazin, so? Die Antwort muss lauten: durchwachsen.

Im Prinzip erhält man gleich zwei Hefte: zum einen Informationen aus dem offiziellen (ich befürchte, dass ich dieses Wort noch ein paar Mal werde bemühen müssen) Fanclub, zum anderen das offizielle »Star Wars«-Magazin. Die Inhalte unterscheiden sich auf den ersten Blick dadurch, dass der Vereinsteil in Graustufen gedruckt wurde, der Magazinteil jedoch vierfarbig.

Einschub für Unwissende:
Herkunft des Namens »Journal Of The Whills«

»The Ancient Order Of The Whills« war im »Star Wars«-Universum ein uralter Orden einer mysteriösen Rasse, die über besondere Einblicke in die Macht verfügten. Laut einer Aussage von Qui-Gon Jinn gegenüber Yoda gehörten Schamanen der Whill zu den ersten Kundigen der Macht, denen es gelang, den Tod zu überwinden. Das »Journal Of The Whills« war eine epische Aufzeichnung dieser Rasse, die die Geschichte der Galaxie ebenso enthält wie Prophezeihungen, beispielsweise über »den Einen, der der Macht Ausgleich bringt« oder »den Erretter, den Sohn der Sonnen«.
Von George Lucas war ursprünglich geplant gewesen, die Saga durch einen externen Beobachter erzählen zu lassen, hierbei sollte es sich um einen Whill handeln, der aus den uralten Aufzeichnungen zitiert. Damit wäre das »Journal der Whills« ein sogenanntes »Plot Device« gewesen; dieser Ansatz wurde jedoch verworfen.

Gleich zu Anfang: das Layout ist nicht lesefreundlich. Die verwendete augenpulverige Schriftgröße würde ich nahe an einer Unverschämtheit gegenüber dem Leser ansiedeln und kann sie mir auch nicht wirklich erklären. Es sei denn, man möchte aus Kostengründen Seiten sparen, aber selbst das ist keine hinreichende Entschuldigung.
Im Clubmagazin findet man als erstes sagenhafte vier Seiten Leserbriefe, das sei damit entschuldigt, dass es sich eben auch um ein Kommunikationsmedium für einen Verein handelt, meiner Ansicht nach hätte man den Platz allerdings deutlich sinnvoller füllen können.

Unter dem Titel »Cosmic Wars« beleuchtet gleich danach ein Artikel (es handelt sich bereits um den zweiten Teil) in akribischer Weise, in welchen Episoden der Kultserie »The Simpsons« Bezug auf »Star Wars« genommen wird. Das ist mal ganz interessant zu lesen und war mit Sicherheit auch ein Heidenaufwand, da sogar auf Folgen Bezug genommen wird, in denen nur einzelne Sätze genannt wurden.

»Cosmic Wars« Teil zwei kommt bis zur Staffel 14. Da die gelbe Familie bislang mit 23 Seasons aufwarten kann, dürfte es vermutlich noch für ein bis zwei weitere Artikel der Serie ­reichen …

Heft im Heft

Man stößt gleich danach auf das »Heft im Heft«, also auf »Star Wars – Das offizielle Magazin«, auf dessen Cover man gleich von Anakin im CLONE WARS-Stil begrüßt wird.

Im ersten Artikel bleibt es auch bei CLONE WARS, denn es berichtet der Chefautor der Serie, Christian Taylor (»Lost«, »Six Feet Under«), über seine Arbeit am epischen »Mortis«-Dreiteiler.
CLONE WARS ist insbesondere aufgrund des Stils der Charaktere nun nicht so mein Ding, aber ich bin natürlich immer daran interessiert, über Hintergrundarbeit beim Erschaffen von Phantastik-Fernsehserien zu lesen. Wer so etwas ebenfalls mag, ist mit diesem Artikel ganz gut bedient, auch wenn zumindest mir der Hintergrund ein wenig fehlt, da ich eben die Serie nicht sah.

Gleich danach wird der Leser mit einem vierseitigen Elaborat konfrontiert, der einen offenbar zum Erwerb der »Star Wars«-Filme auf Blu-Ray animieren soll. Anders als »offensichtliche Werbung« für die Silberscheibe kann man das wirklich nicht bezeichnen. Zudem versuchen die Macher, ihre erneuten Änderungen am Material zu begründen, oder vielleicht eher zu rechtfertigen. Wie bekannt, ändert Onkel George die Filme mit jeder neuen Verkaufs-Version (und davon gibt es inzwischen einige). Dabei entstehen Entgleisungen wie ein »Nooo« brüllender Vader oder ein Han Solo, der erst abdrückt, nachdem Greedo damit angefangen hat. In der Urfassung schießt der Schmuggler bekanntermaßen einfach.

Na gut, es handelt sich um das offizielle Magazin und es ist streng genommen eigentlich von vorne bis hinten nichts anderes als Werbung für Franchise (die man schlauerweise bezahlen muss), aber diese plumpe Art und Weise ging mir ein wenig auf die Nerven. Auf der Plusseite weiß man danach aber auch wirklich alles über die Blu-Ray-Fassung, inklusive aller neuen Gimmicks. Neben den Filmen erhält man auf den Scheiben einen Sack voll Dokumentationen, Parodien Interviews, 360°-Ansichten von Modellen und Konzeptzeichnungen.

Kann sich noch jemand an die Zeichentrick-Serie »Droids« erinnern? Man muss dafür schon ein wenig zurück denken, denn die lief in den 1980ern und wir hatten hier ja damals nichts. Zumindest waren wir hier in Deutschland damals vom Merchandising ebenso weitestgehend abgeschnitten, wie von Ausstrahlungen der US-Serien.
»Droids« wurde 1985 in den USA erstmalig ausgestrahlt und trug bei seiner Premiere 1989 bei Pro7 den beknackten Namen »Freunde im All«. Die Serie handelt von den Abenteuern der beiden Roboter R2D2 und C3PO. Wie auch CLONE WARS spielt ­»Droids« zwischen den Episoden III und IV.
Der Artikel beleuchtet Merchandise-Material wie Actionfiguren oder Bausätze, die damals (hauptsächlich in den USA) erschienen sind, und ist somit hauptsächlich für Sammler interessant. Man kann sich zudem noch ein wenig spätärgern, was uns damals hierzulande alles vorenthalten wurde …

Es folgt ein wirklich nettes, aber leider viel zu kurzes, Interview mit Peter Mayhem, den Darsteller unter der Chewbacca-Maske, das in Sachen Fragen allerdings ein wenig den Anschein macht, als seien sie von einem Fan und nicht von einem Redakteur gestellt worden, aber das ist wahrscheinlich zielgruppenorientiert. Wenn ich mir bei einem Beitrags des Heftes gewünscht hätte, dass er länger und ausführlicher hätte sein dürfen, dann wohl – neben dem Bericht über Rick Baker – bei diesem.

In »Die Geschichte einer Autorin« wird schon wieder eine Verfasserin von CLONE WARS-Episoden vorgestellt. Na gut, es gibt im Moment nichts anderes Aktuelles aus dem Franchise, worüber man berichten könnte. Vielleicht muss ich mir die Serie doch mal ansehen, um wenigstens mitreden zu können. Und auch hierbei handelt es sich schon wieder um eins der überwiegenden Interviews.

Im weiteren Verlauf liefert das Magazin dem wissenshungrigen Fan eine eher schwache Story über »Medstar«-Ärzte in der »Star Wars«-Galaxie, man findet einen zweiseitigen Bericht über ein Topps-Sammelkartenspiel (gähn) und ein Treffen von Fanclubs im deutschen Legoland (wahrscheinlich interessant für die Teilnehmer) und nochmal zwei Seiten Leserbriefe.

Es werden sodann auf vier Seiten Neuerscheinungen aus dem Bereich Comic und Taschenbuch vorgestellt; das ist zumindest für mich in so weit interessant, dass ich Inhaltsangaben lesen kann und mir dann überlege, ob ich das englischsprachige Original bestellen soll. Den Versuch, »Star Wars«-Bücher auf Deutsch zu lesen, habe ich aufgrund mangelhafter Qualiät der Übersetzungen bereits vor vielen Jahren als sinnlos aufgegeben. Dennoch findet der an Lesestoff aus dem Franchise Interessierte hier durchaus viele Anregungen, wie man seine mühsam erworbenen Credits an Meister Lucas bringen kann.

Zum Abschluss folgt nochmal ein längeres Traktat über Rick Baker, einen den Schöpfer der zahllosen Kreaturen in Episode IV, dessen Wirken man insbesondere in der Mos-Eisley-Cantina bewundern durfte – und damals kamen die alle nicht aus dem Computer! Hier handelt es sich mal nicht um ein Interview, leider ist der Bericht dominiert von den Bildern der Cantina-Kreaturen (die man alle schon häufig anderswo sehen konnte) und dem Text wurde nur vergleichsweise wenig Platz gegönnt. Das ist schade, weil Baker aus dem Nähkästchen plaudert, unter welch widrigen Bedingungen die Szene in der Mos-Eisley-Kneipe realisiert werden musste, zurückzuführen aufs knappe Budget. Und so sind einige der Vollmasken dann auch nicht speziell für »A New Hope« gemacht worden, sondern stammen aus dem Fundus des Kreaturen-Künstler. Hier hätte ich mir einen deutlich textlastigeren Artikel gewünscht.

Man blättert sich dann noch durch den Rest des Clubmagazins, mit einem Bericht über die SF-Tage Grünstadt – wohl auch eher interessant für Anwesende – einer Übersicht über »Star Wars«-Süßigkeiten (im Ernst!), einer Liste von Fandinnern (erwartungsgemäß keins wirklich in der Nähe) und nochmals einem Überblick über neu erscheinende Merchandising-Artikel wie Actionfiguren, Spiele, Computerspiele, Modelle und Dioramen. Überhaupt nimmt Werbung für Fan-Geraffel nicht nur einen großen Teil des Heftes ein, es ist auch noch ein »Galactic Merchandise«-Katalog von »Shop Service« beigelegt. Ich steh’ ja als Nerd auf so’n Zeug, aber hier ist es zu viel Animation, mein Geld sinnlos auszugeben.

Abschließend muss ich leider feststellen, dass ich dafür am Kiosk nichts investieren würde. Der Clubteil ist für mich weitestgehend uninteressant, die Inhalte des Magazinteils gehen nicht weit genug in die Tiefe oder zeichnen sich durch nur als profan zu bezeichnende Interviewfragen aus. Die durchgehend farbige Aufmachung des offiziellen Magazins ist im Großen und Ganzen okay, nur überwiegen auch hier leider Schriftarten in Augenpulvergröße. Die Illus­trationen in letzterem Heftabschnitt sind natürlich in Ordnung (kein Wunder), die Fanillus im Clubbereich tendieren zwischen wirklich gelungen und höchst gruselig.

Überhaupt nicht nachvollziehen kann ich, dass das bereits im Dezember gestartete MMORPG »Star Wars – The Old Republic« nicht mit einem Wort Erwähnung findet.

Fazit: geht so …

Stefan Holzhauer

Journal Of The Whills 63
Clubmagazin: 24 Seiten
kostenlos für Mitglieder des OSWFC
Herausgeber: Offizieller Star Wars Fanclub
Verleger: Miracle Images GmbH

Offizielles Star Wars-Magazin:
68 Seiten € 3,90
Herausgeber: Miracle Images GmbH
Verlag: OZ-Verlags GmbH

 

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2 Antworten auf „Star Wars“ in Farbe und bunt –
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  1. RoM sagt:

    Die klassischen Magazine können auch durch eine Strukturierung der schieren Fülle an Information ihre Stärken ausspielen. Ganz zu schweigen von der Publikation einer Meinung, die sich nicht wie die Kopie der Presse-Mappe liest. Nicht zu unterschätzen: Ein gedrucktes Magazin schlage ich auf und kann lesen. Bei manchen Genre-Seiten wird der Interessierte durch einen Wust an Info-Häppchen-Seiten geleitet, die den Lesegenuß (!) gekonnt aushebeln.
    Interessante Film-Mags gibt es hierzulande tatsächlich auch noch.

  2. PhantaNews sagt:

    Wenn ein Magazin den gerade angesprochenen Mehrwert bietet, bin ich gern bereit, auch am Kiosk Geld dafür zu bezahlen. Leider sehe ich diesen Mehrwert bei immer weniger Magazinen, zudem haben die den Nachteil gegenüber dem Web, nie aktuell sein zu können. Es bleiben als Alleinstellungsmerkmal gegenüber dem Web also nur gut recherchierte Hintergrundberichte. Die sind hier nicht gegeben. Für mich sah es aus, als sollten mal eben die Fans abgeseiht werden.