Ungewöhnlich tief: Greg F. Gifune – „Die Einsamkeit des Todbringers“

Greg F. Gifune - „Die Einsamkeit des Todbringers“Der Romantitel beschreibt das Leben von Dignon Malloy sehr genau. Er führt ein sehr einsames Dasein, in dem es neben seinem Kater nur noch seinen Bruder William gibt. William ist in jugendlichen Jahren zu Wilma geworden und führt ein Leben als Transsexueller. Mit dieser lauten, schrillen und bunten Welt kann Dignon wenig anfangen. Nachdem er seine langjährige berufliche Tätigkeit verloren hat, lebt er nur noch in den Tag hinein und weiß nichts mit seiner Zeit und seinem Leben anzufangen.

In seiner Freizeit hat Dignon schon immer viel gelesen und so durchstreift er regel­mäßig die Antiquariate seiner Stadt nach neuem Lesestoff. Bei einem Besuch in seinem Lieblingsantiquariat wird er auf ein Buch aufmerksam, in dem mystische Wesen beschrieben werden. Dieses Buch spricht ihn an und er nimmt es mit nach Hause. Hier stellt er fest, dass auf dem Buch jemand den Namen „Bree Harper“ und eine Telefonnummer geschrieben hat. Eigentlich nichts Ungewöhnliches und Dignon hätte darüber hinwegsehen können, aber der Name und die Nummer gehen ihm nicht mehr aus dem Kopf. Immer intensiver beschäftigt er sich damit, bis er die Telefonnummer wählt und sich mit Bree Harper verabredet.

Er trifft auf eine junge, gutaussehende und gebildete Frau, die ähnlich wie er ein wenig einsam ist. Grund hierfür ist ihre berufliche Tätigkeit, die einen häufigen Wohnortwechsel mit sich bringt. Dignon fühlt sich angezogen von dieser jungen Frau, die ihn ebenfalls als sympathisch hält, was er so gar nicht nachvollziehen kann. Was findet eine solch hübsche Frau an jemanden, der von Albträumen geplagt wird, der nicht beziehungsfähig ist und weder gut aus­schaut noch Geld hat?

Zuerst ist Dignon dies ziemlich egal, denn er ist einfach geblendet von dem Zuspruch, den er von Bree erfährt. Nach und nach macht er sich aber doch Gedanken über das Zustandekommen seiner neuen Beziehung, denn es erscheint ihm mehr als merkwürdig, wie er auf die Telefonnummer auf diesem Buch und auf Bree selbst anspricht. Angestachelt wird sein Misstrauen vor allem durch die Begegnungen mit einem Ex-Freund Brees, der ihn ausdrücklich vor einer Beziehung mit ihr warnt. Er sei im Verlaufe dieser mehr und mehr besessen von Bree gewesen, hätte an nichts anderes mehr denken können und sie hätte sein ganzes Handeln bestimmt. Nun, da Bree ihn abgewiesen und jemand neues gefunden habe, fiele es ihm zunehmend schwerer, klarzukommen. Als Dignon dann von dem Freitod dieses Mannes erfährt, überdenkt er seine Beziehung noch intensiver.

Dass beide Personen ein Geheimnis vereint, erschließt sich für Dignon erst nach und nach. Dabei hat er die Hinweise bereits vor Augen gehabt. Sie stehen nämlich in dem Buch, welches Bree absichtlich hinterlassen hat. Bree und er sind zwei Wesen, die es eigentlich nur in der Mythologie geben dürfte und deren Zusammentreffen mit dem Tod des einen enden wird. Wen dieses Schicksal ereilen wird, kann man wieder dem Titel entnehmen, den ich für überaus gelungen halte.

Obwohl der Roman in einer neuen Taschenbuchreihe des Festa Verlags erschienen ist, in der vor allem Thriller verlegt werden, hält sich Gifune in diesem Werk mit der Darstellung von Gewalt sehr zurück. Er arbeitet mit Andeutungen und überlässt den Rest der Fantasie seiner Leser. Ungewöhnlich in einer Zeit, in der die Darstellung von Gewalt nicht drastisch und plastisch genug erfolgen kann.

Die Charakterisierungen der Haupt- und Nebenfiguren sind ungewöhnlich tief. Man spürt direkt die Einsamkeit Dignons und seine seelische Wunden, die er aus seiner Kindheit zurückbehalten hat. Gerade seine Kindheitserfahrungen haben ihn entscheidend geprägt und er konnte sich nicht wie sein Bruder davon loslösen.

Greg F. Gifunes Stil ist anscheinend so einprägsam, dass er hierzulande bereits nach zwei veröffentlichten Romanen eine Stammleserschaft sich erarbeiten konnte. Bei der Durchsicht einschlägiger Internetforen fallen die durchweg positiven Besprechungen zu seinen Romanen auf. Für den ganz großen verlegerischen Durchbruch hat es noch nicht gereicht, aber Frank Festa hat einmal mehr ein gutes Gespür für begabte Autoren gezeigt. Mein Interesse an weiteren Werken dieses Autors ist jedenfalls geweckt.

Andreas Nordiek

Greg F. Gifune
„Die Einsamkeit des Todbringers“
Festa Verlag
Originaltitel: „Blood in Electric Blue“
Übersetzung: Michael Weh
USA: 2009; BRD: 2011
Taschenbuch, 251 Seiten

 

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