Bernd Perplies: Der Unsterbliche
und der Sternenkrieger

Bernd PerpliesBernd Perplies gibt mit Band 15 von „Perry Rhodan NEO“ sein Perry-Debüt. Er berichtet im FANDOM OBSERVER, wie es dazu kam:

Ich gestehe es gleich rundweg heraus. Ich wurde 1977 geboren. Wenn man in diesem Jahr das Licht der Welt erblickt hat, männlich ist und eine grundsätzliche Affinität zur Science-Fiction entwickelt, wird man fast zwangsläufig ein „Star Wars“-Fan. Genau so erging es mir. Kleine Actionfiguren von Luke Skywalker, Darth Vader und Konsorten prägten meine Kindheit mit. Im Garten wurde der Kampf um Endor nachgestellt und im Winter spielten wir die Schlacht um Hoth in so epischer Länge nach, dass uns danach die Glieder halb abgefroren waren. Ich wuchs zum Sternenkrieger heran.

Mit etwa zwölf oder dreizehn Jahren begann ein zweites Science-Fiction-Franchise meine Neugierde zu wecken. Es trat in Form von Silberbänden mit lustigem Hologrammcover in mein Leben. Ich weiß gar nicht mehr, wer mir damals meinen ersten „Perry“-Silberband schenkte, denn es gibt eigentlich niemanden in meiner Familie, der meine Leidenschaft für alles, was den Weltraum betrifft, teilt. Vermutlich bekam ich ihn von meinen Eltern, die der Ansicht waren, das Buch würde irgendwie zu dem Poster mit unserem Sonnensystem, dem Revell-Modell des „Millennium Falken“ und der Time-Life-Reihe „Reise durch das Universum“ passen, die bereits mein Zimmer zierten. Knappe zehn Bände stieß ich mit Perry Rhodan und seinen Mutanten ins All vor, bekämpfte Individualformer, Topsider und Springer und lernte ES kennen.

Dann wurde meine Aufmerksamkeit durch die Erstausstrahlung von „Star Trek – The Next Generation“ im ZDF abgelenkt. Irgendwie wirkten die Bilder auf meinen jungen Verstand mächtiger als das geschriebene Wort. Picard, Worf und Data – und praktisch gleichzeitig Kirk, Spock und Pille – wurden meine neuen Helden.

Rückkehr ins Perryversum

Etwa zwölf Jahre lang, bis zum Ende meines Studiums, sollte Perry Rhodan für mich nicht mehr als ein Spieler auf der Ersatzbank des galaktischen Geschehens sein. Andere Science-Fiction-Universen hatten mich im Griff. „Star Wars“, „Star Trek“, „Babylon 5“, „BattleTech“ – um nur ein paar zu nennen. Doch dann erschien beim Heyne-Verlag der erste Band des „Odyssee“-Sechsteilers, „Die Kolonisten der Zukunft“ von Hubert Haensel, und parallel dazu startete mit „Der Sternenozean“ ein neuer Zyklus, dessen Auftaktband 2200 mit diesem schurkisch aussehenden Burschen auf dem Cover nach guter Unterhaltung aussah. Auf einmal war meine Neugierde auf „Perry“ wieder da. Mir wurde klar, wie gewaltig das Universum im Grunde war. Und wie vielseitig. Und wie erfolgreich.

Ich begann, die Heftromane zu sammeln (und geriet nach zwanzig Ausgaben mit dem Lesen bereits heillos ins Hintertreffen). Ich verfolgte alle Taschenbuch-Projekte bei Heyne – „Lemuria“, „Pan-Thau-Ra“, „Der Posbi-Krieg“ usw. –, die mir wegen der Überschaubarkeit ihrer Geschichten leichter zugänglich waren. Ich kaufte mir das „Perry Rhodan“-Computerspiel und unternahm später sogar noch einmal einen zweiten Versuch mit dem „Sternenozean“, als er von Luebbe Audio als Mammuthörspielprojekt neu aufgelegt wurde.

Etwa zum Zeitpunkt der „Ara-Toxin“-Hexalogie endete meine zweite Phase „Perry Rhodan“, diesmal allerdings aus anderen Gründen als zuvor. Ich begann selbst zu schreiben und meine Freizeit nahm dadurch rapide ab. Darunter litt allerdings nicht nur der Unsterbliche. Auch die Sternenkrieger und alle anderen Universen, die bis dahin mein Leben begleitet hatten, mussten kürzer treten. Nichtsdestoweniger blieb ich diesmal näher am Franchise dran, denn mit meinem Eintritt den Kreis derer, die phantastische Geschichten produzieren, lernte ich natürlich auch die Macher von „Perry Rhodan“ kennen – und sie mich.

Bernd Perplies - Fantasynacht

Juli 2011: Bernd Perplies liest bei der Neunkircher Fantasy-Nacht

Aller guten Dinge sind drei

Und schließlich kam im Herbst 2011 das Wochenende, das mich dorthin bringen sollte, wo ich mich im Augenblick befinde: vor dem Rechner, um eine Kolumne zu schreiben, wie ich ein Autor für „Perry Rhodan“ wurde. Auf dem „Perry Rhodan WeltCon“ in Mannheim wurde „Perry Rhodan NEO“ enthüllt, der Neustart des Perryversums, ein mutiger Reboot für eine junge Generation von Lesern, denen Perrys erste Mondlandung aus dem Jahr 1961 vielleicht doch etwas zu sehr nach Papas oder sogar Opas alter Heftromansammlung im Keller roch.

Dieser Neustart faszinierte mich außerordentlich. Ich sah, dass sich mir hier eine Chance bot, die sich vielleicht so schnell nicht wieder bieten würde: meine Liebe für die Science-Fiction, meine Hochachtung vor diesem gewaltigen Genre-Projekt „Perry Rhodan“ und meine Begeisterung fürs Fabulieren zu verbinden. Ich fing an die ersten Bände der ersten Staffel zu lesen. Die Art des neuen Erzählens gefiel mir sehr. Charakterzeichnung statt datentechnischem Overkill. Das war genau mein Ding. (Jeder, der meine Romane kennt, weiß, dass mir meine Figuren stets besonders am Herzen liegen.)

Als sich die zweiten Staffel am Horizont abzuzeichnen begann, nahm ich daher Kontakt zur Redaktion auf. Ich argumentierte, drohte, bettelte, schickte Präsentkörbe … nein, kleiner Scherz. Im Grunde hatte ich wohl vor allem Glück: Man suchte noch nach einem Autor. Womöglich half es auch, dass ich bereits seit fünf Jahren „im Geschäft“ war und eine Reihe Veröffentlichungen vorzuweisen hatte. Danke Tarean, danke Jonathan Kentham. Jedenfalls wurde ich engagiert. Band 15 der zweiten Staffel sollte mein Debüt in der Welt von „Perry Rhodan“ sein.

Alles neu bei NEO?

Ich möchte nicht verhehlen, dass ich das Projekt mit gemischten Gefühlen anging. Denn bei aller Begeisterung schwang natürlich ein Hauch Sorge mit. Ich hatte bisher immer nur meine eigenen Ideen verwirklicht, bestenfalls mit meinem Autorenkollegen Christian Humberg im Team. An einem Vielautorenwerk und nach dem Exposé eines anderen zu schreiben, bedeutete für mich, Neuland zu betreten. Würde ich die Figuren so treffen, wie die anderen Autoren sie vor mir charakterisiert haben? Würden die Inhaltsvorgaben so genau sein, dass sich beim Schreiben keine Dopplungen oder Brüche einschleichen würden?

Ich sprach mit Exposéautor Frank Borsch darüber und mit Christian Montillon, den ich schon länger kenne, und beide beruhigten mich, das seien typische Anfängersorgen. Ich solle einfach mal die erste Staffel „Perry NEO“ lesen und mir danach die Expos zur zweiten Staffel genau anschauen und bei Fragen seien sie alle ja auch nur eine Email entfernt. Und so war es tatsächlich. Frank stellte mich dem Autorenteam der zweiten Staffel vor – und fortan konnte ich mich bei jeder Unklarheit an meine Mitstreiter wenden. Obendrein merkte ich, wie meine Unsicherheit mit jeder geschriebenen Zeile abnahm, mein Gefühl für die Figuren und das Universum besser wurde.

Im Prinzip war es ein wenig, wie wenn man als Autofahrer einen neuen Wagen bekommt. Man weiß eigentlich, wie das Ding läuft, man hat auch eine Gebrauchsanweisung – aber erst nach ein paar Fahrten fühlt man sich hinter dem Lenkrad wirklich sicher. Jetzt, da der Band gut unter Dach und Fach ist, fühle ich mich jedenfalls fit. Und unterm Strich hat es wirklich Riesenspaß gemacht, die Geschichte zu schreiben. Das Exposé bot mir viel Abwechslung und auch diverse Freiheiten, die ich gerne ausgenutzt habe. Nun ist alles drin: Action, Drama, Liebe, Zorn, galaktische Wunder und irdische Lässigkeit. Bleibt mir nur zu hoffen, dass euch mein Ausflug mit Perry auch gut unterhält.

In diesem Sinne ende ich mit „Möge die Macht …“ Nein, halt. „Lebt lange und …“ Auch falsch. Hat „Perry Rhodan“ eigentlich keine eigene berühmte Grußfloskel? Wie wäre es damit: Wir sehen uns sicher wieder … irgendwo dort draußen im All!

BERND PERPLIES

Bernd PerpliesBernd Perplies

  • geboren am 28. Februar 1977 in Wiesbaden
  • Studium der Filmwissenschaft, Germanistik, Buchwissenschaft und Psychologie in Mainz
  • Redakteur bei filmportal.de und SPACE VIEW
  • Übersetzer für den Heel Verlag, Pegasus Spiele und Cross Cult

Sein Debütroman „Tarean – Sohn des Fluchbringers“, Teil 1 einer Trilogie, erschien im August 2008 bei Egmont LYX. Der Roman erreichte den 3. Platz beim Deutschen Phantastik-Preis 2009 in der Kategorie „Bestes deutschsprachiges Romandebüt“.
Der Auftaktroman der „Magierdämmerung“-Trilogie, „Für die Krone“ (ebenfalls Egmont LYX) belegte 2011 auf der Role Play Convention den 2. Platz beim RPC Fantasy Award in der Kategorie „Literatur & Comics“.
Bei SchneiderBuch erscheint die gemeinsam mit Christian Humberg verfaßte Jugendbuch-Reihe „Drachengasse 13“.

Bernd Perplies’ erster Roman für „Perry Rhodan NEO“ erscheint im 13. April 2012 als Band 15 mit dem Titel „Schritt in die Zukunft“.

Wikipedia: Bernd Perplies
Homepage: bernd-perplies.de

 

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2 Antworten auf Bernd Perplies: Der Unsterbliche
und der Sternenkrieger

  1. Oliver Möller sagt:

    Wie wäre es denn mit “Werde satt und dick”. Das ist sowieso besser als “Live long and prosper”.