Dunkel und blutig:
Groß & Schultes – »Im Schatten des Blutmondes«

Groß & Schultes - „Im Schatten des Blutmondes“Gainas, ein Krieger aus dem Stamm der Gutani, erreicht Skiluros, die größte Stadt der bekannten Welt, die vom Glanz ihrer Vergangenheit lebt, einst Hauptstadt eines mächtigen Imperiums, das schon lange untergegangen ist. Nun beherrschen die wilden Ah’tain des Uldin Skeidh die Stadt. Auf die Nachricht, daß Schiffe sich der Küste nähern, verlassen die Ah’tain Skiluros und überlassen die Bewohner ihrem Schicksal, denn ihr Herrscher Uldin weiß, da segeln die Nachtschatten heran und sie tragen die Gier nach Blut in ihren Herzen. Gainas aber kann die Stadt nicht mehr rechtzeitig verlassen. In den Wirren der Invasion rettet er dem Hauptmann Kraton das Leben und beide verstecken sich vor den Nachtschatten.
Nachdem die Nachtschatten die Stadt erobert haben, ziehen sie und ihre Schergen sich in den alten Kaiserpalast und die Katakomben unter der Stadt zurück. Gainas und Kraton begeben sich in die Tiefe der Stadt und gehen dem auf den Grund. Sie finden heraus, daß die Nachtschatten auf der Suche nach einem uralten Relikt sind, einem schwarzen Ei, das sich in der Stadt befinden soll. Gainas gerät in die Gefangenschaft der Nachtschatten und erfährt von Nardya, einer Nachtschattenkriegerin von der Suche ihres Volkes und der großen Gefahr, die von dem schwarzen Ei ausgeht. Einst wurde es den Nachtschatten gestohlen und es beherbergt ein Wesen, das selbst für die Nachtschatten eine große Bedrohung darstellt …

So liest sich die kürzestmögliche Zusammenfassung des Romans „Im Schatten des Blutmondes“ von Andreas Groß und Hans-Peter Schultes, der zum Jahreswechsel in Erik Schreibers Verlag Saphir im Stahl erschienen ist. Ich stelle den Titel hier ungelesen vor, weil ich das Werk beider Autoren und die Vorlagen für diese Geschichte gut kenne. Groß und Schultes sind langjährige Mitglieder von Follow, der „Fellowship Of the Lords of the Lands Of Wonder“, und gestalten den Hintergrund der Welt Magira seit Jahrzehnten mit. Für „Im Schatten des Blutmondes“ haben sie eine Handlung gewählt, die sich ergab, als sie beide auf verschiedenen Seiten am Ewigen Spiel teilnahmen. Im Kern ging es um die Eroberung der alten Kaiserstadt Magramor, die hier in Skiluros umbenannt wurde.

Besonders Hans-Peter Schultes ist den Mitgliedern von Follow seit vielen Jahren als Autor umfangreicher Geschichtenzyklen um das Volk der Ah’tain bekannt. Das sind wuchtige Sprachgemälde, die – vorsichtig formuliert – den Geschmack des zeitgenössischen, zumeist jugendlichen Fantasypublikums schlicht überfordern. Dabei sind die epischen Gewaltdarstellungen kein Selbstzweck, sondern kulturspezifischer Bestandteil einer Sagenwelt, die sich offen eingestanden großzügig bei romantisierenden Darstellungen der Völkerwanderungszeit bedient. Groß, der lange Jahre in Schultes’ Gruppe wirkte, hat sich vor zehn Jahren davon gelöst und überraschte das Publikum mit der Kultur der W’Ing’tiu, wie sich die Nachtschatten selbst nennen. Es gibt jedoch vielfältige Verbindungen zwischen den lichten Ah’tain und den dunklen W’Ing’Tiu.

So sehr das literarische Follow-Konvolut in 45 Jahren auch gewachsen sein mag, Veröffentlichungen daraus außerhalb von Follow sind aus verschiedenen Gründen schwierig. Zum einen berühren professionelle Veröffentlichungen die Rechte des Magira-Erfinders Hubert Straßl, der in den 70er Jahre eine Reihe von Magira-Romanen bei Terra Fantasy herausbrachte, zum anderen weisen diese shared-world-Geschichten einen Grad an Komplexität und inneren Bezügen auf, der es fast unmöglich macht, sie ohne massives Editieren herauszulösen. Das Rechteproblem haben Groß & Schultes mit einigen Umbenennungen gelöst (doch Uldin Skeidh bleibt natürlich Uldin Skeidh!); ob ihnen das Editieren gelungen ist, muß die Lektüre zeigen.

Ich bin gespannt: Den „reinen“ Schultes halte ich derzeit nicht für marktfähig, das ist „Felix Dahn meets Robert E. Howard“ mit einem Spritzer „Silmarillion“, doch in Zusammenarbeit mit Groß könnte etwas sehr erfrischendes herausgekommen sein.

MANFRED MÜLLER

Über die Autoren

Andreas GroßAndreas Groß wurde 1962 in Kassel geboren, wo er noch heute lebt. Seit seinen Jugendtagen interessiert er sich für Science Fiction, Fantasy und Krimis und las sich quer durch den Bestand der Stadtbibliothek. Schon während der Schulzeit entwickelte er die Leidenschaft, eigene Geschichten zu entwerfen. Sein besonderes Interesse galt dabei schon immer der klassischen Science Fiction.
Neben seinem Studium der Wirtschaftswissenschaften begann er mit dem Verfassen von Kurzgeschichten und Romanen, die er noch semiprofessionell veröffentlichte. Nach dem Ausscheiden aus dem Innendienst einer Versicherungsgesellschaft intensivierte er seine schriftstellerische Tätigkeit und veröffentlichte mehrere Kurzgeschichten in verschiedenen Verlagen.
Zuletzt erschien von ihm die Kurzgeschichte „Nur eine Stunde“ in der Anthologie „Erwachen“ im Sarturia-Verlag, wo er demnächst auch den ersten Band einer SF-Reihe herausbringen wird. Derzeit arbeitet er an der Fortsetzung dieses SF-Romanes.

Hans-Peter Schultes ist Jahrgang ’57, von Beruf Buchhändler und im Einkauf einer großen deutschen Buchhandelskette tätig. Er ist Fan der phantastischen Literatur in all ihren Spielarten seit den frühen 70er Jahren und seit über 30 Jahren in Follow aktiv. Hat in einschlägigen Magazinen wie FOLLOW, MAGIRA und FANTASIA zahlreiche Storys und Gedichte veröffentlicht.
„Im Schatten des Blutmondes“ ist seine erste professionelle Veröffentlichung.

Andreas Groß, Hans-Peter Schultes – »Im Schatten des Blutmondes«
Verlag: Saphir im Stahl, Bickenbach 2012
Roman, Dark Fantasy, mit Illustration von Casandra Krammer
Umfang: 297 Seiten, € 15,95, saphir-im-stahl.de
ISBN: 978-3-9813823-5-8
 

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Über muellermanfred

Manfred schreibt seit 1989 für den Fandom Observer und hat das Heft von 1992 an ein paar Jahre lang als alleiniger Chefredakteur betreut. Kümmert sich heute vor allem um den FO im Internet. Beruf: Grafiker. Fährt gern Rad.
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