In Memoriam Robert James Gilbert Anderson
(15. September 1922 – 1. Januar 2012)

Bob AndersonFilm ist in der Regel der Publicity ein personenfixiertes Unternehmen. Ein Name steht für das um Renomee buhlende Projekt und zieht den Fokus des allgemeinen Interesses im Ideal der Fälle auf sich. Der neue Film von Tom Cruise, respektive einer von Michael Bay? Die Erwartungsdominos klicken um und die PR-Offensive kann in den Kahlschlag einher preschen. Dabei ist Filmerei ein Gesamtwerk aus vielen Händen, die ihren Beitrag leisten. Weil die Menschen ihren Beruf darin sehen, oder weil eine Leidenschaft sie antreibt. Die Spreu trennt sich in der Regel vom Weizen, die Cashnapper von den Machern, die eine offene Liebe zum Metier beibehalten haben.
Um nicht impressiv einseitig zu wirken – es sind Leute wie James Cameron, die ordentlich den Greenback ins Business spülen und damit über Umwege dem Interessant(er)en den Weg ebnen. Es ist allerdings ein Terry Gilliam, dem die Seele der Kunstform nicht egal bleibt. Alternativen wären Namen wie Joe Wright, Richard Linklater bis Miranda July.
Allen gemeinsam ist ohne Frage aber ein (!) Finale – Bruder & Schwester Tod.

David Prowse ist in den Fan-Kreisen dafür bekannt, daß er dem Erzbösewicht einer weit, weit entfernten Galaxie Statur verlieh. Sein ausgeprägter Akzent verhinderte jedoch, daß seine Dialoge bis in die Endfassung von „Star Wars“, „Empire“ und „Jedi“ gelangten. Der Ruhm des Darth Vader schwappte einmal um den westlich fixierten Globus und gelegentlich ist eine Spur von Häme im Spiel, wenn die Sprache auf seine Nachsynchronisierung kommt. Dabei dürfte Prowse weniger wegen seiner darstellerischen Qualitäten die Rolle von George bekommen haben, als aufgrund seiner schieren Größe. Ähnlich wie Peter Mayhew, dem im Gegensatz noch nie jemand vorgeworfen hat, daß Chewbaccas Kommunikation der Arbeit des Toningenieurs entstammt.
Irgendwann danach legte Mark Hamil offen, daß David Prowse auch in den Kämpfen mit den Lichtschwertern gedoubelt werden mußte – eine der vielen Arbeiten, die der ehemalige Sportfechter Bob Anderson im Verlauf von fünf Jahrzehnten im Filmgeschäft übernahm.

Robert Anderson hatte bereits seit frühen Jahren ein inniges Verhältnis zur Kunst des eleganten Aufeinandereinstechens. Der Engländer nahm in den frühen 1950ern an diversen internationalen Sportfestivitäten teil, um später als Trainer und Verbandsoffizieller für die Kunstfertigkeit mit Florett & Co. in Großbritannien wie Kanada einzutreten. Bereit zu diesem Zeitpunkt konnte Anderson seine Erfahrungen und Talente in Film- und TV-Produktionen einbringen. Er wurde als Lehrer, als Kampfchoreograph, Stuntdouble und gar als Kleinstdarsteller engagiert. Robert legte dabei im Verlauf der Jahre einen hohen Wert auf die Präzision seiner Schüler, jede Bewegung auch so aus dem EffEff abrufen zu können, wie er es ihnen beigebracht hat. Ein Beharren, das ihm gelegentlich den Ruf eines Pedanten einbrachte. Aber Bob Anderson wußte um die Gefährlichkeit selbst stumpfer Waffen und war versucht, durch genaues Einarbeiten das Risiko für alle Beteiligten so gering wie möglich zu halten.

Mark Hamill & Bob Anderson

Bob Anderson mit Mark Hamill in „The Empire Strikes Back“

Im Verlauf der Jahrzehnte machte sich der Engländer einen respektierten Namen. Die Produktionen wurden renommierter. So arbeitete Anderson für diverse Bond-Filme, die erwähnten „Star Wars“-Titel oder die „Highlander“-Serie, zeichnete für die kuriosen Duelle in „The Princess Bride“ verantwortlich und brachte Johnny Depp aka. Captain Jack Sparrow das tuntige Säbelrasseln bei. Einem breiterem Publikum wurde Anderson durch seine beeindruckende Arbeit an den Tolkien-Adaptionen von Peter Jackson bekannt. Zumindest ist seine Leistung gebührend in den Extras der DVD-Veröffentlichungen dokumentiert. Gern wird die Story kolportiert, als Viggo Mortensen an seinem ersten Tag in die Halle trat, in der Anderson eine Gruppe von Stuntleuten auf die Uruk-Hai-Rolle einschwor. Mit einem wütenden Aufschrei stürmten die Neuseeländer auf den Darsteller des Aragorn zu. Mortensen hatte sich allerdings in seine Figur eingelesen und reagierte entsprechend auf den Empfang. Bob zeigte sich mit der spontanen Bereitschaft Viggos zum „Kampf“ zufrieden.

Eine Geste des Lebens könnte man es nennen, daß Robert Andersons letzte Arbeit der Vor-Produktion des „Hobbit“ zugute kam. Der Mann, dessen Leidenschaft nahezu neun Jahrzehnte der Kunst des Fechtens galt, verstarb an Neujahr in West Sussex.

Robert Musa

Bob Anderson

 

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