Spaß! Spaß! Spaß! – Hal Duncan, »Signum«

Hal Duncan - „Signum“

„Wer innerhalb im Rahmen des Genres nach Erstaunlichem, Außergewöhnlichen sucht, wird nägelkauend auf die Fortschreibung warten. FreundInnen konventionellerer Unterhaltung dagegen sei von „Vellum“ eher abgeraten.“

So beendete ich vor knapp vier Jahren meine Besprechung des ersten Bandes eines ambitionierten Werkes, dessen Abschluss und Finale jetzt endlich auch als Taschenbuch erhältlich ist. Wieder verlangt der 1971 in Schottland geborene Hal Duncan seinem Publikum ein hohes Maß an Konzentration und Durchhaltewillen ab. Denn immer noch wütet im Multiversum ein erbittert geführter Krieg, während einzelne Mächtige in den Falten des Vellum ihre privaten Herzogtümer errichtet haben. Aber eine verschworene Gruppe umherziehender Gaukler benutzt die Aufführung einer Harlekinade zu weit aufrührerischen Zwecken.

Dies ist nur einer von mehreren, in verschiedenen parallelen Realitäten angesiedelten Handlungssträngen, zwischen denen der Autor in einer Schnelligkeit hin- und wieder herspringt, dass es alles andere als einfach ist, mit ihm Schritt zu halten. Am besten überlässt man sich ohnehin dem geradezu zwingenden Sog von Duncans ebenso anspielungsreicher wie achtionlastiger Schreibe.

Hal Duncan

Hal Duncan

Der Mann scheint beim Verfassen seines wuchtigen Buches allerdings durchaus unter Problemen mit der schriftstellerischen Selbstkontrolle gelitten zu haben, gewisse Kürzungen hätten „Signum“ möglicherweise gut getan, andererseits hätte das den Spaß, den man bei der rasanten Abfahrt haben kann, die das Buch über weite Strecken darstellt, wohl auch gemindert.
Und so schlagen sich Jack Flash, der ewige Rebell, Jack Carter, sein ebenso ewiger Gegenspieler und/oder Verbündeter, Phreedom Messenger, die verlorene Schwester, und ihre weiteren Verbündeten in ihren jeweiligen Inkarnationen durch die Falten der Realität(en). Ganz nebenbei geht es natürlich auch immer noch um das mysteriöse ewige Stundenbuch, das nicht nur alle vorstellbaren Vergangenheiten und Zukünfte enthält, sondern sie auch kontrollier- und vor allem beherrschbar macht.

Duncan lädt uns jedenfalls ein, erneut dem Kampf der Rebellen gegen die finsteren Mächte, die im Multiversum bestimmen, zu folgen und dabei jede Menge Spaß, Spaß, Spaß zu haben. Die Vorkenntnis von „Vellum“ ist übrigens nicht zwingend notwendig, kann aber nicht schaden. (Und erwähnte ich eigentlich schon Duncans vielgelobtes Blog „Notes from the Geek Show“?)

PETER HERFURTH-JESSE

Hal Duncan, »Signum«
Roman, Heyne TB 62219, München 2011 (erstmals auf Deutsch 2010 im Golkonda Verlag)
„Ink – The Book of All Hours 2“ (2007), aus dem Englischen von Hannes Riffel
Umschlaggestaltung: Animagic, Bielefeld
Taschenbuchausgabe, 644 Seiten, € 9,99, ISBN 3-453-53273-X
 

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