»Alcatraz« – Das Geheimnis der Gefängnisinsel

Alcatraz WallpaperAuf diese neue Mystery-Serie war ich doch einigermaßen gespannt. Nicht nur, weil sie aus der Ideenfabrik des »Lost«-, »Alias«- und »Fringe«-Machers J. J. Abrams stammt, sondern auch weil mit Sam Neill einer meiner absoluten Lieblingsschauspieler dabei sein sollte. In den USA lief die Pilotfolge Mitte Januar. Ende März wird die erste Staffel mit ihren 13 Episoden abgeschlossen sein.
Um was geht es? Zu Beginn jeder Folge führt Sam Neill alias FBI-Agent Emerson Hauser ein:

»On March 21, 1963, Alcatraz officially closed. All the prisoners were transferred off the island. Only that’s not what happened. Not at all.«

Und damit ist schon fast alles erklärt. Tatsächlich verschwanden an jenem Tag vor rund 50 Jahren sämtliche Menschen spurlos, rund 300 Häftlinge, darunter einige der übelsten Verbrecher Amerikas, und eine nicht genannte Anzahl Wärter. Nun, im Jahr 2011, kehren sie einer nach dem anderen zurück. Sie sind keine Minute gealtert – und beginnen sofort damit, ihr zumeist kriminelles Werk fortzusetzen.
Einer der Männer, die 1963 das leere Gefängnis als erste betraten, war Emerson Hauser, jetzt FBI-Agent und Leiter einer streng geheimen Regierungstruppe, deren Ziel es ist, die gefährlichen Rückkehrer wieder einzufangen. Die Polizistin Rebecca Madsen (Sarah Jones) und der Alcatraz-Experte, Buchautor und Comic Shop-Besitzer Dr. Diego Soto (Jorge Garcia) werden durch Zufall in die Ereignisse verwickelt und von Hauser angeworben. Fortan sind sie als Team unterwegs und unterstützen die FBI-Männer bei ihrer Arbeit.

Die einzelnen Folgen tragen als Titel jeweils die Namen der betreffenden Rückkehrer. So erschießt »Ernest Cobb« in Episode 2 wahllos Menschen mit einem Scharfschützengewehr, »Kit Nelson« entführt in Episode 3 Kinder und tötet sie, und in Episode 4 betört der Bankräuber »Cal Sweeney« weibliche Bankangestellte, um sich Zugang zu den Schließfächern zu verschaffen.
Um ehrlich zu sein, sind diese Handlungsbögen das mit Abstand unspektakulärste an der neuen Serie, denn sie bieten wenig mehr als zwar solide, aber eben doch altbekannte Actionkrimi-Kost. Auch von Sam Neill bin ich eher enttäuscht, was vor allem daran liegt, dass er in den ersten Folgen wenig mehr tut, als ab und an aufzutauchen und geheimnisvolle Kommentare abzugeben (auch wenn man sofort ahnt, dass er viel mehr weiß, als er sagt).

Interessant ist dagegen die unter der Oberfläche durchscheinende zweite Handlungsebene, die dem Zuschauer unter anderem in Form von Flashbacks in die 1960er Jahre präsentiert wird. Es wird relativ schnell klar, dass die Rückkehrer auf der Suche nach etwas sind – und dass sie nicht selbstbestimmt, sondern im Auftrag eines Dritten handeln. Noch kann man über die Motive und Hintergründe nur Vermutungen anstellen, doch ich hoffe, dass die kommenden Episoden weitere Informationen liefern und die Serie somit an Substanz gewinnt.

Ich will natürlich nicht ausschließen, dass ich meine Erwartungen an »Alcatraz« zu hoch angesetzt habe, und die erste Staffel werde ich mir auf jeden Fall komplett ansehen, denn langweilig oder gar schlecht ist die Serie beileibe nicht. Allerdings fehlt mir nach rund der Hälfte der Folgen noch immer das gewisse Etwas, jene schwer fassbare Faszination, die sich bei »Lost«, »Alias« oder »Fringe« immer sehr schnell eingestellt hat.

Den Fans von Mystery-Serien wie den oben genannten sei »Alcatraz« dennoch wärmstens empfohlen. Auch wenn ich den nächsten Episoden nicht nägelkauend entgegen fiebere, so freue ich mich trotzdem darauf, sie mir anzusehen. Allerdings: Die Quoten für die Serie gehen in den USA stetig nach unten und es ist derzeit fraglich, ob das Projekt überleben wird.

RÜDIGER SCHÄFER

 

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Eine Antwort auf »Alcatraz« – Das Geheimnis der Gefängnisinsel

  1. Stefan sagt:

    Auf Dauer ist das Konzept “Knacki der Woche zieht mordend herum” aber nicht Serientragend. Wenn die nicht bald in Sachen Inhalt/Hintergrund etwas aus dem Quark kommen, werde ich mir das nicht weiter geben.