Eigener Charme:
Sean O’Connell – »Tír na nÓg 1 – Der Auserwählte«

Sean O’Connell - „Tir na Nog 1“

„Tausend Jahre in der Zukunft, tausend Jahre nach der Katastrophe: Meister Aki und sein Schüler Cornelis begeben sich auf die Suche nach der geheimnisvollen Insel Tír na nÓg, einem unzugänglichen Bollwerk der gottgleichen Älteren.
Auf ihrer abenteuerlichen Reise treffen sie auf kleine schwarze Puppen, die den Verstand ihrer Wirte beherrschen, auf Metamorphen, die die Gestalt ihrer Opfer annehmen und auf riesige Gottesanbeterinnen, die den beiden nach dem Leben trachten. Und langsam aber sicher muss Cornelis erkennen, dass ausgerechnet er der seit Generationen ersehnte Auserwählte ist, dessen Aufgabe darin besteht, die Welt vor ihrer Vernichtung zu retten.“

Der Rückentext macht Lust auf mehr, weswegen ich mich auf die Lektüre gefreut habe. Aber ich denke, ich sollte mit den negativen Sachen anfangen, die mir aufgefallen sind.
Zuerst einmal, das Buch ist instabil. Da ich während der Lektüre mit einer Erkältung zu kämpfen hatte, wollte ich das Buch auf meinem Oberschenkel ablegen, um mir die Nase zu putzen. Leider hat das Buch diesen Test nicht bestanden, es fiel zu Boden. Der zweite Punkt ist aber noch viel gravierender in meinen Augen. Wie der Titel schon sagt, ist es der erste Band, ein weiterer ist voraussichtlich im Frühjahr 2012 erhältlich, in der Verlagsvorschau wird März genannt. Und genau da liegt das Problem. Ich möchte jetzt wissen, wie es weitergeht, da mir der erste Band extrem gut gefallen hat. Wartezeiten bei spannender Lektüre sind hochgradig unfair. Ich fürchte, das muss Abzüge in der B-Note geben.

Aber Spaß beiseite, das Buch hat mir sehr gefallen. Ich war etwas misstrauisch beim Betrachten der Karte am Anfang des Buches. Handwerklich gut gemacht, aber die Mischung der Namen irritierte mich etwas. Begriffe unterschiedlicher Kulturen auf recht engem Raum zusammengepfercht, das sah künstlich und unglaubwürdig aus. Doch schon nach kurzer Zeit sah ich mich korrigiert, der Autor schafft es, einen stimmigen und dichten Hintergrund zu schaffen, vor dem er seine Geschichte webt. Lebendige Charaktere, die trotz des augenzwinkernden Einsatzes von Klischees glaubwürdig und voller Tiefe sind, wenn ich auch denke, dass oftmals gerade mal an der Oberfläche gekratzt wurde. Meister Aki, Cornelis, Raggah, die Bruderschaft der Archivare, die geheimnisvollen Älteren, sie alle bringen Leben und Farbe in die Handlung durch viele Details.

Doch worum geht es eigentlich? In einer postapokalyptischen Welt, die aber scheinbar nicht die unsere ist, teilen sich die Menschen mit verschiedenen anderen Völkern den verfügbaren Platz. Kleine Reiche existieren neben sogenannten Labyrinthos, großen, zusammengewürfelten Siedlungsmolochen mit anarchischer Struktur. Vor langer Zeit scheint eine Katastrophe passiert zu sein, jedoch weiß niemand außer den verehrten Älteren, was damals vor sich ging. Diese unsterblichen Menschen jedoch behalten ihr Wissen für sich. Die Bruderschaft der Archivare versucht, das Wissen zu bewahren, wenn auch ein Schisma die Organisation zu spalten droht. Der Kern dieser Unstimmigkeiten ist die Frage, was die Katastrophe auslöste. Während vor allem die Jüngeren der Meinung sind, ein kosmisches Ereignis wäre der Auslöser gewesen, glauben die anderen, das Große Tier, To mega Therion hätte das Verderben ausgelöst.

Und so bekommt Meister Aki den Auftrag, Beweise für To mega Therion zu finden. Als Begleitung wählt er den jungen Cornelis, welcher gerade seine Ausbildung zum Archivar abgeschlossen hat und macht ihn zu seinem Schüler. Doch nicht alles ist so, wie es anfangs schien und so muss Cornelis nach und nach feststellen, dass sein Meister nicht ganz ehrlich zu ihm war. Er ist der Auserwählte, welcher den Weg nach Tír na nÓg finden und die Welt retten wird. Doch es gibt Kräfte, die genau dies verhindern wollen. Trotzdem tauchen sie ein in die Wirren einer Welt, die im Umbruch befindlich ist. Auf ihrer Spur ein Jäger, um sie herum Intrigen und Verrat, suchen sie ihren Weg durch Dunkelheit und Gefahr.

Sean O’Connell mischt in seinem Werk verschiedene Kulturen und Mythen, doch nirgendwo wirkt etwas aufgesetzt oder unrund. Keltische, indianische, christliche und andere Elemente ergeben einen faszinierenden Hintergrund. Die Mischung aus den Resten der Technik und eher rustikal wirkender Methoden und Hilfsmittel entwickelt ihren eigenen Charme und so taucht man schnell in eine fremdartige Welt ein, die aber trotzdem vertraut wirkt. Und je weiter man in die Geschichte vordringt, in die Intrigen und Wirren, je mehr man von der Vorgeschichte erfährt, desto spannender und mitreißender wird es.
Wobei O’Connell die moralische Keule weitgehend vermeidet, die sonst oftmals bei postapokalyptischen Szenarien geschwungen wird.

Alles in allem ein angenehm spannender und runder Lesegenuss, den man ohne Bedenken weiterempfehlen kann. Auch wenn es noch viel zu lange dauert, bis die Fortsetzung erscheint.

BERND MEYER

Sean O’Connell – „Tír na nÓg 1 – Der Auserwählte“
Acabus Verlag, 2011, 232 S., Paperback
ISBN: 978-3-86282-039-9, € 13,90, acabus-verlag.de
 

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