Kurd-Laßwitz-Preis 2012:
Wie würdet ihr entscheiden?

Kurd-Laßwitz-PreisAm Sonntag, den 4. März wurden die Nominierungen für den Kurd Laßwitz-Preis 2011 veröffentlicht. Die Wahlunterlagen wurden an 237 Abstimmungsberechtigte versandt, zudem bekamen die Übersetzerjury und die Hörspieljury (hört, hört!) ihre Unterlagen. Die Wahl endet am 30. April, die Preisverleihung findet am 23. Juni statt. Was aber taugt das Votum der „SF-Schaffenden“? Wird wirklich geehrt, wem Ehre gebührt?
Die geringe Dichte an einheimischen SF-Titeln läßt stets genug Raum für Kumpaneien, Florian Breitsameter stellt im Forum von SF-Fan.de die Frage nach dem Wert der Nominierungen in der Kategorie Erzählungen: „14 Nominierungen in dieser Kategorie? Ein echter Spitzenreiter kristallisiert sich zumindest nach der Anzahl der Nominierungen gehend nicht unbedingt heraus …“ – was natürlich den Schluß zuläßt, daß hier vornehmlich im Eigeninteresse nominiert wurde.

Fannische Großtaten

Für vergnügtes Schmunzeln, aber auch für Stirnrunzeln sorgen wieder einmal die Nominierungen in den Sonderpreis-Kategorien: früher undenkbar, haben es diesmal gleich sechs Conventions in die shortlist geschafft, mit dem MucCon sogar eine eher kleine Erstlingsveranstaltung, die noch nichts Großartiges zur Förderung der deutschen Science Fiction beigetragen hat. Der ColoniaCon neuer Zeitrechnung, der zum ersten Mal 1982 veranstaltet wurde (in den 70er Jahren gab es einen Vorgänger gleichen Namens), hat, nach rein fannischen Darbietungen in den 80er und 90er Jahren, im 21. Jahrhundert vor allem die heimische Trivialliteratur abgefeiert und ist sicher unverdächtig, der deutschen SF irgendwelche Impulse zu geben. Dirk Bartholomäs Verdienst mit der FedCon besteht einzig darin, beim Herankarren von TV-Serienstars für kostenintensive Signierstunden den Profit nicht aus den Augen zu verlieren, wohingegen der „Perry Rhodan“-Weltcon als Verlagsveranstaltung ehrlicherweise gar nicht verhehlen will, vornehmlich ein Produkt zu vermarkten.

Am Ende ist einzig der Buchmessecon mit seinem Schwerpunkt auf Autoren im Programm ein wirklich ernsthafter Kandidat für die Würdigung einer fannischen Leistung – „herausragende Leistungen im Bereich der deutschsprachigen Science Fiction“, wie sie die KLP-Statuten als preiswürdig erachten, lassen sich aber auch dort nur mit großer Anstrengung ausmachen.

Warum erspart man den Veranstaltern nicht die Peinlichkeit, sich Begründungen für Sonderpreiswürdigkeit aus den Fingern zu saugen und richtet stattdessen einfach eine reguläre Kategorie für Conventions ein? Angenehmer Nebeneffekt könnte sein, daß die Veranstalter fortan mehr Kreativität bei der Planung von richtungsweisenden Science-Fiction-Programmpunkten beweisen, anstatt einfach nur ihr Programmheft mit Namen zu füllen.

Es wäre übrigens nur gerecht, das Team von scifinet.org zu ehren und sei es als Schmerzensgeld für all die Pein, die die Forenmitglieder sich, dem Team und arglosen Neulingen bereiten, indem sie in nicht endenwollenden Tiraden übereinander herziehen. „Die beste Plattform für alles und jedes in der Science Fiction“ – ein Zyniker muß sich diese Nominierungsbegründung ausgedacht haben – kann das „SF-Netzwerk“ so leider nie werden, aber es gibt ja immer noch den User Jorge: Reisender, kommst Du ins SF-Netzwerk, frag nach Jorge und dir wird Antwort zuteil werden. Abgesehen davon sollte man diesen internetgewordenen Rest des deutschen SF-Fandoms hinter Glas den Nachkommen zur Warnung vorführen.

Überflüssig, überfällig

Hans Joachim Alpers

Hans Joachim Alpers *1943 †2011

Seine sechs Kurd-Laßwitz-Preise, drei für Erzählungen, zwei für Sekundärwerke, einen als Übersetzer, kann man Ronald M. Hahn nicht mehr nehmen, wofür braucht er einen siebten? Als Sahnehäubchen für gelungene Publikumsbeschimpfung? Die Hälfte seiner Preise errang er zusammen mit dem 2011 verstorbenen Hans-Joachim Alpers, der nun für eine posthume Ehrung vorgeschlagen wurde. Dessen Lebenswerk war schon zeitlebens sechs Ehrungen wert, zuletzt 1996 für einen Shadowrun-Roman. In den 15 Jahren bis zu seinem Tod ist es den Kollegen jedoch nicht eingefallen, sein Lebenswerk zu würdigen, jetzt ist das Versäumnis wohl jemandem aufgefallen …

Lassen wir das alles also beiseite und kümmern wir uns wieder um die deutsche Science Fiction: Wie unterschiedlich die Wahrnehmung der SF-Schaffenden von der des Publikums ausfällt, zeigt der alljährliche Vergleich mit dem Deutschen Phantastik-Preis – seine Ergebnisse decken sich selten mit den KLP-Siegerlisten. Wie also würden die Leser entscheiden? Wie würdest DU Dich entscheiden, wenn Du mit abstimmen dürftest?

Wie im Vorjahr nehmen wir als Beispiel die Kategorie „Bester deutschsprachiger SF-Roman“ – mach mit bei unserer Test-Abstimmung! Und sag uns, welcher Roman in der Liste fehlt!

MANFRED MÜLLER

KLP-Test 2012: Bester deutschsprachiger SF-Roman mit Erstausgabe von 2011?

  • Myra Çakan - „Dreimal Proxima Centauri und zurück“ (25%, 94 Votes)
  • Thomas Elbel - „Asylon“ (24%, 88 Votes)
  • Andreas Eschbach - „Der Herr aller Dinge“ (23%, 87 Votes)
  • Annette John - „Deadline 24“ (13%, 50 Votes)
  • – kein Preis – (6%, 21 Votes)
  • Dieter W. Schmitt - „Der graue Berg“ (Perlamith, Band 1) (4%, 15 Votes)
  • Karsten Kruschel - „Galdäa - Der ungeschlagene Krieg“ (4%, 13 Votes)
  • Simon Urban - „Plan D“ (1%, 3 Votes)

Total Voters: 371

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(Die Abstimmung läuft wie das Original bis zum 30. April. Hier gibt es jedoch kein Punktesystem, jeder hat nur eine Stimme.)

Im Fandom Observer besprochen:

 

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Über muellermanfred

Manfred schreibt seit 1989 für den Fandom Observer und hat das Heft von 1992 an ein paar Jahre lang als alleiniger Chefredakteur betreut. Kümmert sich heute vor allem um den FO im Internet. Beruf: Grafiker. Fährt gern Rad.
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