Rena Larf – Von der Macht des gesprochenen Wortes

Rena LarfEs gibt nicht viele Vollzeitjobs in der Fantasy. Das ist besonders wahr in Deutschland, und ein Verlust für das Genre. Denn selbst der talentierteste Autor, Künstler oder Darsteller braucht bekanntlich 10.000 Stunden Übung, um sein Potential voll zu entfalten. Ein enthusiastischer Amateur, selbst wenn er jeden Abend nach Büroschluss eine Stunde in seine Kunst investiert und jedes Wochenende noch einmal 10 Stunden, bräuchte also fast 13 Jahre zum höchsten Reifegrad (und er hätte vermutlich zu dem Zeitpunkt keine Freunde und einen ziemlichen Bierbauch).
Es ist also ein Gewinn für uns alle, wenn jemand einen Weg findet, das Hobby dennoch zum Beruf zu machen, und sei es nur zum Teil. Ein gutes Beispiel für diese Strategie ist die Autorin und Literaturinterpretin Rena Larf, die ihr Geld mit einer höchst ehrenhaften und traditionsreichen Profession verdient: dem Geschichtenerzählen – allerdings im Modus 2.0, schließlich ist dies das digitale Zeitalter. Zudem ist sie als Interpretin selbständig mit ihrem Angebot „Fine Dining Stories Hamburg“ tätig.

Rena Larf hatte ihre Laufbahn als Autorin (unter anderem von „Der Sternenprinz: und andere FantasyMärchen“) im Jahr 2008 durch den „Fantasy Channel“ erweitert, einen Genre-Channel des Hamburger Literatur-Radios. Der große Erfolg dieses Online-Podcast-Angebots und drei weiterer Kanäle zu Märchen, Erotik und Krimi führten dazu, dass ihr bald entsprechende Kanäle im GT-Radio, einem weiteren Online-Angebot, angeboten wurden. Die zahlreichen Texte, die sie hier als Podcast veröffentlichte (so etwa auch Wolfgang Hohlbeins „Engel der Nacht“ (hier Teil 1 und Teil 2) brachten ihr 2010 eine Nominierung für den Deutschen Engagementpreis ein.

Doch wie hält man sich mit dem Vorlesen von Texten über Wasser? Was begründet Rena Larfs Vorliebe für ihre vier „Babys“ Fantasy, Märchen, Erotik und Krimi? Ein Auszug aus einem Interview wirft ein wenig Licht auf diese Fragen, enthüllt einiges über die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Genres, und zeigt Rena Larfs Liebe zur Literatur.

FO: Was verbindet Märchen, Fantasy, Erotic und Crime für dich – warum genau diese vier Sparten?

RENA LARF: Erst einmal ist es Ausdruck menschlicher Kreativität im Bereich der Schriftstellerei. Es sind Perlen auf einer Kette oder Hühner auf einer Stange, nimm es wie du willst. Ich muss auch sagen, dass ich die Definition von Genres ziemlich unbefriedigend finde. Denn Übergänge sind oft fließend, Fantasy trifft Erotik, Märchenhaftes wird zum Szenario für Crime. Warum soll man sich als Autor auf eine Gattung festlegen, wenn man sie alle haben kann?
Und das ist der Grund, warum es gerade diese vier Sparten geworden sind: es sind die Genres in denen ich aktiv schreibe und die mir deshalb sehr nahe sind.

Welches der vier Genres kommt am besten an?

RL: Natürlich kommen Sex & Crime besonders gut an. Das zeigen die Zuhörerzahlen im Archiv-Download bei „Crime Time“ und der „Erotic Morning Lounge“ eindeutig. Aus einem undefinierbaren Grunde ist gerade die Fantasy noch hinter den Märchen im Ranking zu finden. Mag dies an der mangelnden Bewerbung durch die Autoren liegen, die ich lese, an den Texten jedenfalls liegt es nicht. Es sind große Namen vertreten, selbst Hohlbein durfte ich schon lesen. Aber gerade der Fantasy-Channel hinkte in den letzten drei Jahren immer irgendwie deutlich hinterher, obwohl wir von Romantic Fantasy, Urban Fantasy, Dark Fantasy, über High and Low Fantasy, Steampunk, Horror und Science Fiction eigentlich alles in der Sendebeschreibung anbieten. Das ist auch Ausdruck des Selbstverständnisses des FC: Phantastik ist fantastisch, egal welcher Couleur! Wir wollen da nicht diese Unterschiede schüren, auf die gerade oftmals Fantasyautoren großen Wert zu legen scheinen.

Gibt es einen Unterschied in Lesungen und Radio?

RL: Lesungen und Radio sind natürlich zwei Paar Schuhe. Bei Live-Auftritten hast du direktes Feedback schon alleine dadurch, dass du in die Gesichter deiner Zuhörer schauen kannst. So entsteht eine ganz andere Symbiose zwischen Lesendem und Hörendem. Bei einem vorproduzierten Podcast musst du auf die Zuhörerreaktionen warten und auf die Downloads, um zu wissen, ob dir ein Coup gelungen ist oder nicht.

Wie unterscheidet sich Fantasy von den anderen Genres – bei Lesungen, im Radio, in Bezug auf die Texte, das Sprechen, die Hörer und ihre Reaktionen?

RL: Fantasy unterscheidet sich gar nicht von den anderen Genres, außer von den Zuhörerzahlen, wie ich vorhin schon sagte. Die Arbeit ist identisch, es wird vorbereitet, markiert, gesprochen, geschnitten, mit GEMA-freier Musik versehen. Und schon hast du einen Fantasy-Podcast, der über alle gängigen Audio-Portale zu hören ist, wie Podster, Podcast.de, radio.de, Phonostar, iTunes und promotet wird über soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter. Im Vortrag, sowohl bei Lesungen als auch im Radio unterscheidet sich Fantasy höchstens vom Spannungsbogen her. Oft hast du viele unterschiedliche Stimmen am Start, die dir und deinen Stimmbändern viel abverlangen.
Die Reaktionen der Hörer sind, wie gesagt, eher verhalten: wenige Mails, wenige Kommentare. Da könnte sich in der Zukunft noch etwas positiv steuern lassen, wenn alle Fantasyautoren, die ich lese, da aktiver werden. Denn Fantasy ist eines der beliebtesten Genres. Aber manchmal habe ich das persönliche Empfinden, dass man schwer in diese Enklave reinkommt.

Inwieweit steht die Autorin Rena Larf hinter der Sprecherin zurück? Hast Du hier einen Karrierewandel vollzogen, oder zeichnet er sich vielleicht ab?

Rena Larf

Rena Larf bei einer Lesung im Rahmen des Nordcon 2006

RL: Als ich 2008 dem innovativen Projekt „1000Mikes“ [der Basis des Hamburger Literatur–Radios, Anm. der Red.] beitrat, wusste ich eigentlich gar nicht, was ich da tat. Alles steckte noch in den Kinderschuhen, alles war neu und nahm aber genauso schnell unglaublich Fahrt auf von den Hörerzahlen her. Ich muss dazu aber auch sagen, dass ich damals sehr viel Öffentlichkeitsarbeit geleistet habe, was Interviews und Zeitungsartikel sowie Artikel in Fanzines nach sich zog. Mit der Zeit entwickelte sich ein großartiges und großzügiges Hörarchiv von Literatur-Podcasts, das völlig kostenfrei für den Hörer ist. Das war ein Anliegen von mir, das Kulturgut Literatur für jedermann unabhängig vom Geldbeutel zugänglich zu machen. Dafür wurde ich 2010 mit einer Nominierung für den Deutschen Engagementpreis belohnt.

Das aufgrund des Erfolges immer mehr Verlage auf mich zukamen, war ein erstes Indiz dafür, dass ich das, was ich da tat, wohl ganz gut machte. Und plötzlich war nicht mehr das Schreiben das Erste, woran ich dachte, sondern auf einmal war die Sprache im Vordergrund, die Literaturinterpretation. Deswegen nenne ich mich auch nicht Rezitatorin, Sprecherin oder Vorleserin – nein, ich interpretiere Literatur von anderen Schriftstellern in der mir eigenen Art, die ich beim Lesen der Texte empfinde.

Bestätigt wurde ich in meinem Engagement auch dadurch, dass ich im November 2011 die Sendeleitung von GT-Radio angeboten bekam, wodurch ich mit meiner Arbeit als Leiterin meiner eigenen Radio-Kanäle im Magazin GT-Worldwide die Plattform für die Veröffentlichung meiner Podcasts auf mehr als 130 Länder erweitert habe, in denen GT von mehr als 500.000 zumeist deutschsprachigen Lesern monatlich regelmäßig genutzt wird. In dieser Funktion bin ich auch Stellvertreterin von GT-Chefredakteur Norbert Gisder. Jetzt können die Leser in GT auch hören. Rund um die Welt, rund um die Uhr. Ja, ich kann heute sagen nach fast vier Jahren Podcasting in vier Genres: Ich verdiene mein Geld mit Sprechen – nicht mit Schreiben.

Angespornt von diesem Erfolg – was sind deine Ziele, sowohl beruflich als auch künstlerisch?

RL: Natürlich liegen mir sehr daran, meine Live-Lesungen weiter auszubauen und neben Auftritten in Hotels und Restaurants in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein auch in den Raum Nordrhein-Westfalen einzutauchen. Denn von da komme ich ursprünglich. Ein erster Kontakt ist hergestellt.
Dann möchte ich den Fantasy-Channel pushen, damit die Zahlen sich nicht mehr hinter denen der anderen Genre-Channel zu verstecken brauchen. Durch die Übernahme der Sendeleitung auch auf GT-Radio ist damit ein erster wichtiger Schritt in die richtige Richtung getan. Zudem stehen gute Autoren am Start für kommende Podcasts. Auch möchte ich verstärkt in diesem Bereich mit Verlagen zusammenarbeiten, die dieses Podcast-Angebot im Literatur-Radio nutzen möchten, um ihren Lesern etwas zum hören anzubieten. Audio-Leseproben aus belletristischen Werken sind gerade sehr gut im Kommen und ich bin mit meinen unschlagbar fairen Konditionen da auch für kleinere Verlage sehr interessant.

Wir hoffen natürlich, dass das klappt. Zumindest was die noch bessere Bekanntheit des Fantasy-Channels angeht, dürfte unser Gespräch ja einen Beitrag leisten. Wir wünschen viel Erfolg.

RL: Ich danke für eure Unterstützung und für das Gespräch.

INTERVIEW: MICHAEL ERLE

 

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Über Michael Erle

Autor von Fiction (Fantasy, SciFi, Thriller) und Non-Fiction-Texten. In viele von meinen Werken spielt Musik eine wichtige Rolle, was sicher auch daran liegt, dass ich mich auch zum Musiker berufen fühle. Im bürgerlichen Leben verdiene ich mein Geld mit Pressearbeit für IT- und Hightechfirmen. Nein, ich kann eure Computer trotzdem nicht reparieren.
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