Damien Walter: »Autoren müssen ihre Fans respektieren, oder sie werden scheitern«

Damien WalterWas für ein schönes Fundstück im Onlineangebot des GUARDIAN: »Fandom matters: writers must respect their followers or pay with their careers«. Kolumnist Damien Walter wirft einen Blick auf das Fandom im Netz und konstatiert, daß schon im frühen Web, als die eine Hälfte Porno-Content war, die andere Hälfte aus »Star Trek«-Fanseiten bestand. Seiner Meinung nach sind gerade Science-Fiction-Leser oft vorne dabei, wenn es um technische Entwicklung geht, „weil das zu ihrer DNS gehört“.

Ein SF-Autor werden zu wollen ohne die Fanszene gut zu kennen ist ungefähr so, als wollte man katholischer Priester werden ohne den Vatikan zu fragen. Den meisten Phantastikautoren ist dieses Wissen angeboren; sie waren selbst Fans und das Geflecht aus Conventions, Clubs, kleinen Verlagen und Communities, aus denen das Fandom besteht, war für ein Gutteil ihres Lebens ihr sicherer Hafen, der sie vor dem erschreckend nüchternen Rest der Welt schützte. Sogar Autoren, die nicht viel vom Fandom halten, wie Harlan Ellison, lehnen es nur ab, weil sie wissen, worüber sie reden.

Harlan Ellison beobachtet in der Tat präzise und ist in der Lage, Fandom in wenigen Sätzen zu demontieren, aber was Walter schlußfolgert, ist genauso richtig und er schließt mit der simplen Erkenntnis, daß ein Autor sein Publikum kennen muß – Bestsellerautoren müssen sich darum sicher keine Gedanken machen, aber die eifrigen Selbstvermarkter von heute werden innerlich oft fluchen, wenn sie ein ums andere Mal vor uns schöntun müssen …

Jeder Autor, der die Frage „Für welches Fandom schreibe ich?“ nicht beantworten kann, sollte Stift und Papier wegpacken und sich einen Job im Callcenter suchen.

 

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Über muellermanfred

Manfred schreibt seit 1989 für den Fandom Observer und hat das Heft von 1992 an ein paar Jahre lang als alleiniger Chefredakteur betreut. Kümmert sich heute vor allem um den FO im Internet. Beruf: Grafiker. Fährt gern Rad.
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3 Antworten auf Damien Walter: »Autoren müssen ihre Fans respektieren, oder sie werden scheitern«

  1. RoM sagt:

    Die Argumentation des Zitierten ist mir in der Tendenz zu einfältig. Gut, wenn man die Schreiberei als Fließband ansieht, das beschriebene Blätter ausstößt, mag es angehen. Aber Schreiben im literarischen Sinne definiert sich nach dem Bedürfnis etwas aus sich Selbst heraus festzuhalten. Banaler: Das Gefühl eine Story erzählen zu wollen.
    Und wenn ich einen flachen Spruch wie “weil es in ihrer DNS liegt” schon lese – demnach wäre ich kein SF-Fan!
    Heilige Plattheit…

  2. merkator sagt:

    Man muss nicht im geringsten in der Fanszene aktiv sein um gute Fiktion schreiben zu können (science fiction oder jede andere, es ist egal). Im Gegenteil: Würde jeder Autor auf die Fanbase hören, wären alle science fiction Romane exakte Klone voneinander, ein Konglomerat aus den Wünschen der Allgemeinheit.
    Neues, experimentelle Ansätze, Phantasie oder auch nur kantige, kontroverse Charaktere würden damit nie in Erscheinung treten, und die Romanwelt wäre öde wie ein Wüste und so einfallsreich wie ein B-Movie.

  3. Digger sagt:

    Das Fandom wird allenthalben bei weitem überschätzt.
    Es dreht sich um sich selber, ist sich selbt der Nabel der Welt und bekommt nicht mit, was außerhalb seiner kleinen Welt passiert.
    Am schlimmsten ist aber, dass oftmals die Propheten aus dem eigenen Land weniger zählen, als die ach so großen angloamerikanischen Autoren, über deren Übermacht immer wieder gejammert wird, während aber gleichzeitig jeder neue Ausstoß aus Übersee mit ellenlangen Leserunden und etlichen Kritiken gewürdigt wird.
    Neues wird argwöhnisch beäugt, das Alte war ja schon immer besser und Veränderungen sind viel zu gefährlich, als dass man ihnen auch noch Beachtung schenken sollte.

    Bei aller Liebe zum Fandom, aber es überlebt sich allmählich selber und kapselt sich vor frischem Blut und Neuerungen ab.
    Ein Autor sollte es nur oberflächlich kennen, denn die wahren Fans sind nicht in derartig starren Organisationen vereint, sondern gehen mit offenen Augen durch die Buchhandlungen und durch die Angebote im Netz.
    Was gefällt wird gekauft, wird im kleinen Kreis weiterempfohlen und fertig ist.
    Kein abgehobenes Gewese, keine Jammertäler und keine hahnebüchenen und künstlich auf intellektuell getrimmten Interpretationen über die die sozialen oder politschen Aspekte in der letzten Space Opera von Heinlein & Co.
    Science Fiction soll in erster Linie unterhalten.
    Erst in zweiter Instanz soll sie, wenn überhaupt, den mahnenden Zeigefinger erheben.