Emotionale Tiefe – »Hugo Cabret«

»Hugo Cabret« PosterOhne seine Nominierung als Bester Film und die fünf Oscars, die der Streifen schließlich gewonnen hat (Beste Kamera, Bestes Szenenbild, Bester Tonschnitt, Beste Tonmischung und Beste visuelle Effekte), hätte ich mir »Hugo Cabret« wohl eher nicht angesehen. Es ist schon schwer genug, allein im Phantastik-Genre einigermaßen auf dem Laufenden zu bleiben und sich dort zumindest die wichtigsten Veröffentlichungen anzusehen. Eine über zwei Stunden lange Literaturverfilmung nach einem Kinderbuch von Brian Selznick, auch wenn ein Martin Scorcese Regie führt, fällt da so sehr aus dem Rahmen, dass sie es wohl nicht auf meinem Merkzettel für die nächsten Kinobesuche geschafft hätte.

Die Handlung spielt in den frühen 1930er Jahren in Frankreich. Dort lebt der zwölfjährige Waisenjunge Hugo Cabret in einer Dachgeschosswohnung des Pariser Bahnhofs Gare Montparnasse. Er bastelt an einem mechanischen Menschen, den sein bei einem Feuer umgekommener Vater, ein Uhrmacher, einst auf dem Speicher eines Museums fand. Als Hugo die gleichaltrige Isabelle kennenlernt, die Nichte eines Spielwarenladenbesitzers, entwickelt sich eine Freundschaft, die die beiden Kinder Stück für Stück in ein faszinierendes Abenteuer führt.

»Hugo Cabret« ist einer dieser wenigen Filme, in die man förmlich hineingezogen wird. Die märchenhaft überzeichnete Kulisse erinnert eher an eine Schaufensterdekoration, als an die schnöde Realität eines Bahnhofs. Doch das ist gewollt, denn die einzelnen Elemente fügen sich perfekt ineinander und man wird als Zuschauer selbst zu einem Teil der Welt, wie der kleine Hugo sie sieht und erlebt. Mit emotionaler Tiefe, aber ohne übertriebenes Pathos, wird eine Geschichte erzählt, die verzaubert und durch ihr eindringliches Finale die Endorphine nur so strömen lässt.

Wer diesen wunderbaren Streifen im Kino versäumt hat, sollte sich die ab dem 23. August erhältliche DVD/Blu-ray auf keinen Fall entgegen lassen. Dieses sowohl optische als auch erzählerische Meisterwerk gehört in die Sammlung jedes halbwegs ernst zu nehmenden Filmfreunds.

RÜDIGER SCHÄFER

»Hugo Cabret«, 2012, Kino, 127 min., FSK 6
 

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Eine Antwort auf Emotionale Tiefe – »Hugo Cabret«

  1. RoM sagt:

    Eigentlich können wir uns nicht beklagen, wenn das Phantastische seinen reichen Niederschlag im Film findet. Hier & jetzt kann sich jeder seine Steckenpferde aussuchen. Ein wunderbarer Luxus wenn man/frau nur in die Achtziger zurück denkt.
    Damals hätten wir im Observer die wenigen Titel eines Jahrgangs auswürfeln müssen ;-)