Gelungene Hörbuchpremiere für »Isar 2066 – Jimmy der Mops«

Miriam Pharo - „Isar 2066“Hörbucher – die einen verziehen schon bei dem Wort das Gesicht, die anderen, zu denen ich gehöre, wissen Hörbücher zu schätzen. Zwar ist es wenig schmeichelhaft, wenn das Hauptargument pro Hörbuch letztendlich „die kann man so schön nebenbei hören“ lautet.
Aber genau dieses Argument trifft den Kern eines Hörbuchs. Ungeliebte, meist stupide Tätigkeiten werden oft durch Hörbücher versüßt. Denn wer denkt denn schon beim Bügeln über den Weltfrieden nach und philosophiert über die Frage nach dem Sinn des Lebens? Die Wenigsten. Allerdings sind Hörbücher nicht nur Lückenfüller für diese Tätigkeiten. Sie entspannen auch. Wer fühlt sich beim Zuhören schließlich nicht an die Kindheit erinnert, in der eine Hörspielkassette zum Einschlafen ein liebgewonnenes Ritual war?

Miriam Pharo ist dafür bekannt, dass sie gerne Klischees bricht. Eine Frau, die sich erfolgreich im Science-Fiction-Genre behaupten kann, ist immerhin nicht allzu häufig anzutreffen. Wenn dann zu einem eBook ein Hörbuch erscheint, ist dies ebenfalls ungewöhnlich. Miriam Pharo hat diesen Schritt gewagt und damit ein gelungenes Hörbuch präsentiert.

Wir befinden uns im München der Zukunft. Exakt 44 Jahre in der Zukunft. Den Detektiv Lucio Verdict hat es von Hamburg nach München verschlagen. Gerade packt er seine Habseligkeiten in seinem Büro aus, als Jimmy der Mops in sein Büro poltert. „So a bleeds Oaschloch!“, brüllt es aus den Lautsprechern im tiefsten bayerischen Dialekt. Ein Mops, der sprechen kann? Auch wenn wir uns in der Zukunft befinden? Keine Sorge, Miriam Pharo präsentiert uns auch in der Zukunft keine Tiere, die Widerworte geben können. Vielmehr ist Jimmy der Mops ein Coiffeur in München und wird lediglich wegen seiner äußeren Erscheinung so genannt. Und Jimmy hat ein Problem: In seiner Brust steckt ein Bolzen, der explodieren wird, sobald Jimmy versuchen sollte, ihn zu entfernen oder seine Stimme zu senken. Er bittet den Detektiv, ihm bei der Suche nach demjenigen zu helfen, dem er den Bolzen in der Brust zu verdanken hat …

Wie lässt sich diese Geschichte nun gut in ein Hörbuch umsetzen? Indem man den facettenreichen Sprecher Christian Hanreich dafür gewinnt. Hanreich spielt mit den verschiedenen Elementen der Geschichte und entführt den Hörer mit seiner Stimme in Pharos Welt. Der stets ironisch auftretende Lucio Verdict, aus dessen Perspektive Isar 2066 erzählt wird, erhält, so wie es die Geschichte verlangt, einen leicht spöttischen Unterton.

Hanreichs stimmliche Bandbreite wird besonders dadurch deutlich, dass er Jimmys lautes Organ inklusive Dialekt konsequent das gesamte Hörbuch über beibehält und dadurch den Charakter erst so richtig zum Leben erweckt. Liebevolle Details sind die geschäftsmäßigen Stimmen des Intercom, die den Hörer endgültig davon überzeugen, dass für Isar 2066 in Christian Hanreich der perfekte Sprecher gefunden wurde.

Das Hörbuch für „Isar 2066 – Jimmy der Mops“ zeigt, dass auch Vorlesen lassen eine Option ist, wenn man süchtig nach guten Geschichten ist. Dass Miriam Pharo gute Geschichten schreiben kann, ist bekannt. Wenn sie dann noch so gut eingelesen werden wie von Christan Hanreich, ist es ideal. Und das nicht nur zum reinen nebenbei Hören…

KATRIN HEMMERLING

Miriam Pharo – »Isar 2066 – Jimmy der Mops«
Gelesen von Christan Hanreich, Dauer: 55:58
 

Das könnte Dich auch interessieren:

Abgelegt unter Hörbücher und getaggt mit , , , . Setz ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten auf Gelungene Hörbuchpremiere für »Isar 2066 – Jimmy der Mops«

  1. RoM sagt:

    Ein gutes Hörbuch ist ganz gewiß dem geklonten Null-Hirn-Radio-Geknödel unserer Zeit vorzuziehen. Obschon es nur der richtigen Senderwahl bedarf, um beim Staubwischen über die Dinge des Lebens angeregt zu werden.

  2. Pingback: Wilde Zeiten | Christian Hanreich