Kreuzfahrt der besonderen Art
Andreas Dresen, »Freiträumer«

Andreas Dresen - „Freiträumer“Laut landläufiger Meinung sind Träume das, was unser Unterbewusstsein im Schlaf aufarbeitet. Träume sind nicht logisch. Träume sind nicht immer schön. Genau der richtige Ansatz für Andreas Dresen.

Jonathan Paulus ist Regierungsbeamter und wird zu einer Kreuzfahrt der besonderen Art eingeladen. Während einer Reise auf der „Sanfte Träume“ soll er entscheiden, ob die Menschheit kommerziell die sogenannten Traumräume bereisen darf. Mit Hilfe von Langstreckenträumern können die privilegierten Passagiere der „Sanfte Träume“ ihre Träume bereisen.
Mit an Bord befindet sich Burton Blake, der Paulus ein wenig suspekt ist. Denn anscheinend kann Blake – obwohl er kein Langstreckenträumer ist – in die Träume der anderen eingreifen. Und da ist noch der neureiche Josef McNamarra, Geldgeber des Projekts und begierig darauf, den Bericht, den Paulus für das Ministerium schreiben soll, positiv zu beeinflussen.

Es sind nur wenige Elemente, mit denen Andreas Dresen seinen Hauptcharakter Jonathan Paulus in ein Geflecht aus Mystery, Fantasy und Science Fiction schickt. Schnell findet Paulus sich in einem Gewirr aus neuen Erfahrungen, Bedrohungen und Intrigen wieder, dem er auf der „Sanfte Träume“ nicht entkommen kann. Da die Geschichte aus seiner Sicht erzählt wird, erfährt der Leser nur nach und nach, was es mit den einzelnen Mitreisenden auf sich hat. Er muss wie Paulus die einzelnen Puzzleteilchen suchen, die zum Ende hin ein Gesamtbild ergeben, mit dem zu Beginn nicht zu rechnen war.

Andreas Dresen erzählt „Freiträumer“ zügig, aber nicht überhastet. In den richtigen Momenten werden dem Leser Atempausen gegönnt, in denen die Beteiligten der Geschichte geschickt charakterisiert werden, so dass ihr Handeln zu keinem Zeitpunkt unglaubwürdig ist. Die Auflösung des Plots ist nicht komplett überraschend, wenn man der Geschichte aufmerksam folgt. Dresen streut in deren Verlauf ausreichend Hinweise aus, ohne jedoch zu viel vorwegzunehmen und so ist das Ende nicht zu früh vorhersehbar. Die Träume der Mitreisenden greifen zwar auf das eine oder andere Klischee zurück, sind aber für den Verlauf von „Freiträumer“ in dieser Form notwendig. Denn gerade durch die Träume werden die einzelnen Figuren am besten charakterisiert.
Die Welt, in der die Geschichte spielt, ist detailliert beschrieben, lässt dem Leser aber genügend Freiraum für eigene Vorstellungen, so dass er sich nicht eingeengt von der Vorstellung des Autors fühlt.

„Freiträumer“ ist ein kleiner, aber feiner Ausflug in eine andere Welt und gerade für diejenigen geeignet, die einen Genremix nicht scheuen. Nichts für Freunde reiner Fantasy. Nichts für Freunde reiner Science Fiction. Sondern eine schöne Geschichte für die Träumer unter uns.

KATRIN HEMMERLING

Andreas Dresen – »Freiträumer«
Erschienen als eBook im epospresse Verlag, Anzahl der Zeichen: 81.789, Dateigröße: 187 KB, ASIN: B005GTZPRS, 1.Auflage 2011
 

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