Platt und einfallslos – »Der Diktator«

„Der Diktator“ – PosterGestern war ich mal wieder im Kino. Ich habe mir »Der Diktator« angesehen. Nach nur 80 Minuten war der Spuk vorbei, und ich dachte: Wie, das soll es nun gewesen sein? Das war der neue provokative Streifen des britischen Enfant terrible Sacha Baron Cohen? Das war der Film, der die Gewaltherrscher dieser Welt durch den Kakao ziehen und sie dem verdienten Spott der Massen preisgeben wollte? Ich sage es ganz offen: Die im Vorfeld der Premiere gestartete Marketing-Kampagne war um Zehnerpotenzen lustiger und vor allem origineller als diese rundum misslungene Null-acht-fünfzehn-Komödie!

Ich habe mich köstlich amüsiert, als Cohen bei den Oscar-Verleihungen im vergangenen Februar einem US-Moderator Asche aus einer Urne über den Kopf schüttete und behauptete, es seien die sterblichen Überreste Kim Jong Ils. Ich habe herzlich gelacht, als Cohen zu einem Auftritt bei der NBC-Comedy Show »Saturday Night Live« den Regisseur Martin Scorcese mitbrachte – als Geisel und mit einer schwarzen Kapuze über dem Kopf. Selbst das eher geruhsame Interview mit Talk-Legende Larry King war ein gelungener, weil rundum komischer Auftritt.

Dann sah ich den Film. Und der war schlecht. Richtig schlecht! Eine Aneinanderreihung harmloser, ja geradezu beleidigend banaler Zoten ohne jeden Biss. Die wenigen Gags, die wirklich zünden, findet man in den ersten zehn Minuten. Danach herrscht erst die große Sprachlosigkeit. Und am Ende ist ob der vorpubertären Sexual- und Fäkalwitze ausgiebiges Fremdschämen angesagt. Selten haben mich 80 Minuten so tief enttäuscht.

Die Diktatoren unseres Planeten können sich also beruhigt zurücklehnen. Der einzige, den der in der Vergangenheit so oft geniale Komiker Sacha Baron Cohen in diesem Streifen lächerlich macht, ist er selbst. Und das nachhaltig. Ich verzichte an dieser Stelle auf eine Zusammenfassung der Handlung, die ebenso platt und einfallslos wie das gesamte Machwerk ist. Wenn in diesem Film Grenzen überschritten werden, sind es allenfalls die Geduldsgrenzen des Zuschauers. Wenn ich auch nur im Ansatz geahnt hätte, was für eine gehaltlos-peinliche Slapstick-Brühe Cohen hier anrührt, hätte ich meine acht Eintrittseuro an Amnesty International gespendet und mir ein Freundschaftsspiel zwischen TuS Koblenz und der kenianischen Jugendnationalmannschaft auf Kabel 1 angeschaut. Da hätte ich mehr gelacht.

Merkt man diesem Text an, dass mir »Der Diktator« nicht gefallen hat? Kann man zwischen den Zeilen lesen, dass mir solche tranigen Komödien-Blindgänger die Lust am Kino auf Tage hinaus verleiden? Was Sacha Baron Cohen angeht, bin ich auf Lebenszeit bedient!

Übrigens: In Tadschikistan, Turkmenistan und in Weißrussland wurde der Film verboten. Man kann die Menschen dort – zumindest in dieser Hinsicht – nur beneiden.

RÜDIGER SCHÄFER

»Der Diktator«, 2012, Komödie, Kino, 80 min., FSK 12
 

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Eine Antwort auf Platt und einfallslos – »Der Diktator«

  1. RoM sagt:

    Ja – die Filme, die ihre versammelten “besten Szenen” bereits im Trailer auffahren, sind Legion. Persönlich hatte ich bei Sacha Baron Cohen jeweils eher das Gefühl es mit dem “Michael Moore” der Satiriker zu run zu haben. Nicht Fisch, nicht Fleisch. Vielleicht nicht einmal Gemüse oder ein Obst.