Star Wars Day: Krieg spielen im Museum

Uniform, Stahlhelm, „Darth Vader“-Maske

Das Militärhistorische Museum der Bundeswehr in der Dresdener Albertstadt ist in den letzten Jahren grundlegend umgebaut und erneuert worden: das historische Gemäuer auf dem preußischen Kasernengelände wurde radikal umgestaltet, die Ausstellung erhielt ein neues Konzept, eingemottete Ausstellungsstücke kehrten zurück. Hier steht der Urahn der Saturn V, Wernher von Brauns V2-Waffe, ebenso wie der BRANDTAUCHER, hier schweben Bomben von der Decke und füllt das Projektil eines Eisenbahngeschützes einen ganzen Raum. Den Schrecken und den Unsinn des Krieges muß man sich mühsam anlesen, wenngleich einige Exponate versuchen, an der Grenze zu kratzen, doch insgesamt ist eine riesengroße Designschau daraus geworden, ein abgehobenes Stück Architekturporno mit dennoch bemerkenswerten Erfolgen en détail, die einen Besuch lohnen.

Eine Abteilung widmet sich dem Kriegsspielzeug. Läßt man die Zinnsoldaten hinter sich, fällt sofort die lange Vitrine mit der effektvollen Beleuchtung ins Auge, aus der dem Besucher Darth Vaders Maske entgegenstiert. Sinnigerweise direkt daneben postiert: eine graue Uniformjacke samt Stahlhelm. Den Formfaktor kann man schwerlich übersehen, die dunkle Seite der Macht auch nicht.

Um die Ecke dann der große Spielzeugkonvoi, mittendrin eine Abteilung Legomännlein, Figuren aus „Star Wars“ in Reih und Glied. Nicht abwegig, denn spätestens seit wir gesehen haben, wie Yoda ein Heer von Wookies gegen die Klonkrieger befehligt, wissen wir, daß sich blutgetränkter Boden auch da draußen befindet, in den Galaxien unserer Phantasie.

 

Verschämt in einer Ecke: der von der Hitze des Feuersturms zusammengebackene Spielzeugpanzer aus einem Haus in der Dresdener Altstadt, der Spielwelt endgültig entrissen am 13. Februar 1945, ein Mahnmal, das beides fördert: die pazifistisch motivierte Abscheu vor dem Krieg genauso wie den rückwärtsgewandten revanchistischen Dünkel, der heute noch ganz lebendig durch Dresdens Straßen wandert und aus der Straßenbahnhaltestelle „Synagoge“ mal eben „Krematorium“ macht.

Luke findet unter der Haßmaske des Sith-Lords einen winzigen Rest eines liebenden Vaters wieder, der seine Untaten bereut. Solche Wunder sind im richtigen Leben eher selten.

MANFRED MÜLLER

-> Militärhistorisches Museum der Bundeswehr

 

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Über muellermanfred

Manfred schreibt seit 1989 für den Fandom Observer und hat das Heft von 1992 an ein paar Jahre lang als alleiniger Chefredakteur betreut. Kümmert sich heute vor allem um den FO im Internet. Beruf: Grafiker. Fährt gern Rad.
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Eine Antwort auf Star Wars Day: Krieg spielen im Museum

  1. RoM sagt:

    Betrachtet man/frau sich die Kaliber 7,92 mm Munition eines MG 42 kommt einem in etwa die Vorstellung in den Sinn, wie es sein muß diese Projektile um die Ohren zu kriegen. Sterben, verrecken, töten ist nicht die “Leichtigkeit”, die uns die Populärkultur so vorführt

    Die ewige Bräune strickt seit Anbeginn die Realität nach den eigenen Phantasmagorien!

    Als Junge ging ich auch durch meine Spielzimmer-Kriege – trotzdem ist mir nichts fremder geworden, als eben Säbelrasseln.