Au weia! – »Battleship«

„Battleship“ - Poster ItalienAu weia! Das dachte ich im Kino wohl zum ersten Mal nach einer knappen Stunde, als mir klar wurde, dass es nicht besser, sondern eher noch schlechter werden würde. Um es vorauszuschicken: Ich habe bis zum bitteren Ende durchgehalten und mir die komplette, gut zweistündige Dröhnung dieses Werbefilms für die US Navy gegeben. Nach »World Invasion: Battle Los Angeles« (siehe FO 264), einem zu lang geratenen Rekrutierungsvideo der US Army, folgt nun also »Battleship«, das Pendant für die amerikanischen Seestreitkräfte.

Die Handlung dieses vor Patriotismus und billigster Soldatenromantik triefenden Streifens – wenn man das Geschehen auf der Leinwand denn mit einem solchen Begriff auszeichnen möchte – ist schnell erzählt. Die ruhmreiche Kriegsmarine der Vereinigten Staaten von Amerika trifft sich zum Manöver vor der Küste Hawaiis und bekommt es prompt mit einer Rotte invasionswilliger Aqua-Aliens zu tun, die unseren rückständigen Planeten als willkommenes Testgelände für ihre überlegene Waffentechnik ausgewählt hat. Eine Gruppe heroischer Flottenangehöriger tritt der ekelhaften Brut nach amerikanischer Gutsherrenmanier in den Allerwertesten und rettet mal wieder die Welt. In Vor- und Abspann des Films werden übrigens tatsächlich Drehbuchautoren erwähnt, auch wenn mir nicht so recht in den Kopf will, wofür man die gebraucht hat.

Ich will gar nicht noch mehr Platz für dieses eindimensionale, unlogische, sinnfreie, aber wenigstens mit haufenweise Explosionen und wirklich bombastischen Spezialeffekten aufgehübschte SF-Machwerk verschwenden. Nur zwei Dinge noch: Was mag einen Ausnahmeschauspieler wie Liam Neeson geritten haben, sich für einen derartigen Mumpitz herzugeben? Und warum bleiben Künstler wie Rihanna nicht bei dem, was sie können (Musik verkaufen), sondern glauben immer wieder, sich schauspielerisch betätigen zu müssen? Immerhin: Die mimische Leistung der R&B-Bardin passt zur Gesamtqualität des Streifens – und wegen der dämlichen Uniform kriegt man nicht mal die sehenswerten Kurven der Dame zu Gesicht (ich weiß, das ist sexistisch, aber im Kino darf ich das ja wohl mal sein).

Fazit: Wer sein Hirn an der Kinokasse abgibt, kriegt immerhin ein tolles Effektgewitter geboten, das durchaus als Argument für einen Kinobesuch taugt. Wer nach Anspruch, guten Schauspielern und einer spannenden Handlung sucht, bleibt zu Hause und schaut sich die Werbeeinblendungen im Privatfernsehen an.

RÜDIGER SCHÄFER

»Battleship«
2012, Science Fiction, Kino, 131 min., FSK 12
 

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Eine Antwort auf Au weia! – »Battleship«

  1. RoM sagt:

    ‘Battle L. A.’ habe ich nicht wirklich als Werbeplattform für das USMC empfunden. Eher umgekehrt, denn das Verrecken wird nicht zügig ausgeblendet. Zudem arbeitet der Film nicht mit filmischem Trief-Pathos a la ‘Backdraft’ oder ‘Armaggedon’. Er zeigt Menschen in einer völligen Ausnahmesituation (auch für hartgekochte Marines).
    Bei ‘Battleship’ reichte mir dann bereits der Trailer im Kino. Eine “Vasques” ist cool – bei Rihanna reichte bereits ihr kurzer “Tough”-Auftritt, um mir die Fußnägel auszuschrauben.

    Hudson:
    “Ey, Vasques! Hat dich schon jemand für’n Mann gehalten?!”
    Vasques:
    “Nein…und dich!?!”
    (‘Aliens’)