Berechtigte Lobeshymnen – »Chronicle«

„Chronicle“Für vergleichsweise mickrige 15 Mio. US-Dollar gedreht, zeigt dieser Film wieder einmal, dass es weder aufgeblasene Hollywood-Budgets, noch überbezahlte Superstars braucht, um einen grandiosen Science Fiction-Film zu produzieren. Der zu Recht mit Lobeshymnen überschüttete Streifen, der von Regisseur Josh Trank und Drehbuchautor Max Landis realisiert wurde, erzählt die Geschichte der drei Teenager Andrew, Matt und Steve, die im amerikanischen Seattle dieselbe High School besuchen. Nach einer nächtlichen Party findet das Trio zufällig ein mysteriöses Loch im Boden und stößt in einer Höhle auf ein leuchtendes, kristallines Objekt. Am nächsten Tag entdecken die drei jungen Männer, dass sie plötzlich telekinetische Fähigkeiten besitzen.

»Chronicle« ist keine Superhelden-Verfilmung, auch wenn die stetig wachsenden Kräfte der Protagonisten an eine solche erinnern. Aus großer Macht folgt diesmal nicht – wie in der Welt von Marvel und DC üblich – große Verantwortung, sondern nur die Verwirrung und Orientierungslosigkeit dreier Jugendlicher, die ihren Platz im Leben noch nicht gefunden haben und mit ihren neuen Begabungen nicht umzugehen wissen. Besonders Andrew, der in der Schule gemobbt wird und sich zu Hause mit einer todkranken Mutter und einem prügelnden Vater konfrontiert sieht, verliert angesichts seiner ungewohnten Gabe den Halt und setzt diese schließlich auch gegen andere Menschen ein, was zum Bruch in der Gruppe führt.

Neben den superb gespielten Beziehungen zwischen den drei ungleichen Freunden und der langsamen Eskalation der Ereignisse, überzeugt auch das furiose Finale und das nachdenklich stimmende Ende. Kurz: Dieser Film hat alles, was ein guter SF-Streifen haben muss! Den teilweise tollen Spezialeffekten sieht man das kleine Budget nicht an. Im Gegenteil. Ich habe schon Blockbuster gesehen, die das Zehnfache gekostet haben, auf dem Gebiet der Computertricks jedoch weit weniger überzeugen konnten.

Mehr will und muss ich eigentlich gar nicht mehr schreiben: »Chronicle« ist für mich schon jetzt einer der besten SF-Filme des Jahres, und wer ihn im Kino verpasst hat, der sollte sich im Dezember unbedingt die DVD/Blu-ray holen. Ich freue mich schon jetzt darauf, mir den Streifen noch einmal im Original ansehen zu können.

RÜDIGER SCHÄFER

»Chronicle«
2012, Science Fiction, Kino, 83 min., FSK 12
 

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Eine Antwort auf Berechtigte Lobeshymnen – »Chronicle«

  1. RoM sagt:

    Die notwendigen FX für eine überzeugende Illusion sollten in heutigen Zeiten auch für keine Kostenblase mehr verantwortlich zeichnen.
    Jemand vom Fach meinte einmal, daß die besten Tricks die seien, die keinem als solche auffallen.