Leichte Muse, bedenkenlos: »Dark Shadows«

„Dark Shadows“In den USA besitzt die Horror-Soap Opera »Dark Shadows, die von 1966-71 mit mehr als 1200 Episoden im Fernsehen lief, längst Kult-Status. Der aktuelle Film mit Johnny Depp in der Hauptrolle, ist nicht das erste Revival der Story um die Familiengeschichte der Collins, die von reichlich Vampiren, Werwölfen, Geistern und Hexen dominiert wird. Das von Tim Burton (»Alice im Wunderland«, »Sweeney Todd«) inszenierte Werk konzentriert sich (wie später auch die Serie) auf den rund 200 Jahre alten Vampir Barnabas Collins (Depp), der Ende des 18. Jahrhunderts von der Hexe Angelique Bouchard lebendig begraben wird. Als ihn Bauarbeiter im Jahr 1972 aus seinem Gefängnis befreien, kehrt er zu seiner inzwischen verarmten Familie zurück und nimmt den Kampf gegen seine Erzfeindin auf.

Beginnen wir mit dem Positiven: Gelangweilt habe ich mich nicht. Der Humor des Films bewegt sich auf einem angenehm hohen Niveau und gleitet nur selten in den Slapstick ab. Johnny Depps Vampir erinnert des Öfteren an seine Paraderolle als Jack Sparrow in den »Fluch der Karibik«-Filmen, passt aber zu seinem Charakter als leicht geckenhaftes Unikum aus der Vergangenheit. Seine Begegnungen mit den modernen Errungenschaften des 20. Jahrhunderts (geteerte Straßen, McDonalds, Fernsehen, Autos etc.) sind unaufdringlich in die Handlung eingewoben und nur selten Selbstzweck.

Leider ist die Geschichte an sich nicht gerade fesselnd. Der Film lebt von seinen Figuren, nicht von origineller Handlung oder gar Spannung. Eva Green ist als skrupellose Hexe grandios (und unglaublich sexy), Chloe Moretz gibt die gelangweilte Teenager-Göre mit unvergleichlichem Charme und Helena Bonham Carter spielt die vom Leben enttäuschte Ärztin Dr. Julia Hoffman mit großer Hingabe. Lediglich Michelle Pfeiffer als welkende Schlossherrin Elizabeth Collins Stoddard und Bella Heathcote als Kindermädchen Victoria Winters bleiben seltsam blass und wirken bis zum Schluss wie Fremdkörper.

»Dark Shadows« hat angeblich 150 Mio. US-Dollar gekostet, eine Summe, die ich persönlich nicht wirklich im Kino gesehen habe. Die überschaubaren Spezialeffekte sind gut, aber nicht spektakulär oder gar außergewöhnlich. Und die Stars – von Johnny Depp einmal abgesehen – gehören auch nicht unbedingt dem Olymp der Hollywood-Großverdiener an.

Dennoch: Wer die leichte Muse mag und gut eineinhalb Stunden humorvolle Unterhaltung sucht, kann »Dark Shadows« bedenkenlos buchen. Die Mischung aus »The Addams Family« und »Sleepy Hollow« mit einem wie immer tollen Johnny Depp taugt allemal für einen gelungenen Filmabend.

RÜDIGER SCHÄFER

»Dark Shadows«
2012, Horror-Komödie, Kino, 113 min., FSK 12
 

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Eine Antwort auf Leichte Muse, bedenkenlos: »Dark Shadows«

  1. RoM sagt:

    Anmerkenswert – mir erschien ‘Dark Shadows’ mehr als Drama mit gelegentlich humorigen Elementen. Die Krux ist allerdings, daß Burton seinen Film nicht in eine Form gepaßt hat. So schlingert die Handlung ein wenig uferlos herum.
    Barnabas und Sparrow sind für mich zwei unterschiedliche Universen. Vom Chargieren des Freibeuters hatte ich nach rund 20 Minuten genug gesehen. Der tragische Vampir hält das Interesse über die komplette Filmlänge.
    Gut möglich der wirklich erste Burton in meiner Sammlung!