Nazis weglachen – »Iron Sky«

„Iron Sky“ - PosterDass man, was diesen SF-Film betrifft, geteilter Meinung sein kann, ist nicht schwer nachzuvollziehen. Die einen werden ihn als geschmackloses, albernes und aus jeder eventuellen kritischen Stoßrichtung am Ziel vorbeigedrehtes Marketingprodukt verdammen, die anderen als urkomische, originelle und entlarvende Satire preisen. Und da spielt sicher der nach wie vor verkrampfte Umgang der Deutschen mit ihrer Nazi-Vergangenheit eine Rolle, die Reserviertheit der Masse gegenüber patriotischen Tendenzen und der als respektlos empfundenen Veralberung eines der dunkelsten Kapitel der Menschheitsgeschichte.

»Iron Sky« ist im Herzen eine finnische Produktion, und Regisseur Timo Vuorensola war bislang höchstens Eingeweihten ob seiner grottigen »Star Wreck«-Streifen bekannt, einer mehr oder weniger gelungenen „Star Trek“-Parodie. Für mich erstaunlich: Trotz eines Mini-Budgets von gerade einmal 7,5 Mio. US-Dollar sind die Spezialeffekte überaus beeindruckend und haben mich mehr als einmal positiv überrascht.

Zur Handlung: Im Jahr 2018 landet eine US-Raumfähre mit einem farbigen Astronauten an Bord auf dem Mond – Teil einer Wahlkampfkampagne der amerikanischen Präsidentin (»Black on the moon!«) – und entdeckt auf der Rückseite des Erdtrabanten eine Kolonie von Nazis, die 1945 offenbar die Erde verlassen und sich auf dem Mond angesiedelt haben. Diese fühlen sich enttarnt und beginnen ihre ohnehin schon lange geplante Invasion mit dem Ziel, die Weltherrschaft an sich zu reißen (was sonst?) …

Der Film, der bereits im Vorfeld mit einer großen Internetkampagne beworben wurde, in deren Verlauf man unter anderem Ideen für die Handlung einreichen konnte, debütierte im Februar auf der Berlinale und hatte da bereits eine beachtliche Fangemeinde.

Man mag zum Thema an sich stehen wie man will: »Iron Sky« wartet mit vielen guten und ein paar wirklich originellen Gags auf, verliert sich zeitweise aber leider auch in affigem Klamauk und peinlichem Slapstick. Im Gegensatz zu meinem Kollegen Michael Erle, der den Streifen bereits in FO 275 gewürdigt hat, war ich jedoch mit dem Ende zufrieden, transportiert es doch die wenig subtile Botschaft, dass die Menschheit keine Nazis vom Mond braucht, um sich selbst auszulöschen. Die zahllosen Anspielungen und verwendeten Symboliken dokumentieren zudem, dass die Macher mit viel Sorgfalt und Liebe zum Detail bei der Sache waren. Dass man dann in einigen Fällen über das Ziel hinausgeschossen ist, lässt sich verschmerzen.

„Iron Sky“

Götz Otto und Julia Dietze

Wer »Iron Sky« als das begreift, was er ist, nämlich ein gut gemachter Unterhaltungsfilm, der weder System- noch Sozialkritik üben, sondern sein Publikum mit skurrilem Humor und überspannter Komik zum Lachen bringen will, der wird nicht enttäuscht. Ich habe mich auf jeden Fall gut amüsiert – und dass sich SS-Offizierin und Lehrerin Renate Richter (gespielt von einer hinreißenden Julia Dietze) am Ende ausgerechnet durch den Film »Der große Diktator« von Charly Chaplin zur Abkehr vom Nazi-Wahn bewegen lässt, ist eine wundervolle Verneigung vor einem ebenso ergreifenden wie aus der Masse hervorstechenden cineastischen Meisterwerk.

Übrigens ist die Blu-ray in England bereits am 28. Mai erschienen (ohne deutsche Tonspur). Deutsche Fans müssen dagegen noch bis Ende Oktober warten.

RÜDIGER SCHÄFER

»Iron Sky«
2012, Science Fiction, Kino, 92 min., FSK 12
 

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Eine Antwort auf Nazis weglachen – »Iron Sky«

  1. maloney sagt:

    Grenzgeniale Parodie mit noch grenzgenialeren Schauspielern :D