Überbelichtete Trägheit: »Hell«

„Hell“ - PosterZugegeben: Für eine deutsche Produktion ist der düstere Endzeit-Streifen des Schweizer Regisseurs Tim Fehlbaum erstaunlich gut, sprich: muss sich hinter internationalen Produktionen gleichen Kalibers keineswegs verstecken. Insofern fällt es mir auch nicht leicht, den subjektiv als doch arg dröge und langatmig empfundenen Erzählstil des Streifens hervorzuheben, aber so habe ich den Film nun einmal erlebt. Die weder besonders originelle, noch über die Maßen dramatische Story plätschert lange Zeit dahin, untermalt mit dünnen Dialogen und emotionaler Gleichförmigkeit. Erst gegen Ende der eineinhalb Stunden, als sich der düstere Plot des Films offenbart, kommt so etwas wie Spannung auf, die jedoch durch das zu kurze und oberflächlich inszenierte Finale schnell wieder verfliegt.

Die Handlung spielt im Jahr 2016. Durch Veränderungen auf der Sonne haben sich große Teile der Erde in vegetationsarme Hitzewüsten verwandelt. Wasser, Nahrung und Benzin sind zu Luxusgütern geworden. Marie (gespielt von Hannah Herzsprung), ihre jüngere Schwester Leonie und ihr Freund Philipp sind per Auto auf der Suche nach einem Ort, an dem sie überleben können. Als Wegelagerer das Fahrzeug stehlen und Leonie entführen, machen sich Marie und Philipp auf, das Mädchen zu befreien.

»Hell« ist beileibe kein schlechter (deutscher) Film, leidet jedoch an einer auf Dauer immer unerträglicher werdenden Trägheit, die so vielen einheimischen Produktionen anhaftet, und für die ich bis heute keine schlüssige Erklärung gefunden habe. Zudem sind die einzelnen Elemente der Geschichte aus diversen ähnlichen Endzeit-Szenarien bekannt, und werden auch nicht variiert. Das ist schade, denn Potential ist durchaus vorhanden; es wird lediglich nicht ausgeschöpft.

Das gute Bild der Blu-ray leidet ab und an unter den (absichtlich) stark überbelichteten Szenen, die dem Zuschauer einen Eindruck der mörderischen Kraft der Sonne vermitteln sollen. Dafür sind die Indoor-Szenen dann jedoch teilweise zu düster geraten und nerven mit verwaschenen Konturen. Insgesamt ist »Hell« akzeptabler Durchschnitt, und wer auf Dystopien ohne Happy End steht, der mag hier fündig werden. Für alle anderen gibt es lohnendere (und weniger deprimierende) SF-Streifen, mit denen sich das sommerliche Heimkinovergnügen gestalten lässt.

RÜDIGER SCHÄFER

»Hell«
2011, Science Fiction, Blu-ray, 90 min., FSK 16
 

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