Tagesarchive: 20. Juli 2012

Weise und desillusionierend –
Lars Hitzing, »Drei Monde«

Lars Hitzing - „Drei Monde“Selten war ich bei der Beurteilung eines ­Romans so unsicher wie bei diesem. Soll ich ihn als gelungenen, zivilisations- und zeitkritischen postapokalyptischen Entwicklungsroman kategorisieren? Oder doch eher als widersprüchliches, überpädagogisiertes Erstlingswerk eines ambitionierten Autoren, der sich schwertut, seinen eigenen An­sprüchen gerecht zu werden?
Der Ich-Erzähler, dessen Namen wir nicht erfahren, führt uns mit ziemlich derben und deutlichen Worten in seine Welt ein. Die Welt an der Wende vom 21. zum 22. Jahrhundert, wird beherrscht von einigen wenigen Konzernen wie Google-Gazprom, Toshika-Krupp oder Nestle-All-In-One, die die Welt in drei Industriezonen Panamerika, Eurasien und Groß-Kongo aufgeteilt haben. Der Neoliberalismus herrscht in seiner reinsten Form, in dem „dem Individuum die totale Verantwortung für sich selbst“ übertragen wird. Das ist natürlich eine offensichtliche Anspielung auf den herrschenden Wirtschaftsliberalismus und die seit der Hartz IV Reform geltende Maxime der Sozialpolitik, nach der jeder sich selbst der Nächste ist. Der Protagonist braucht einige Umwege, um am Ende wieder zu dieser Erkenntnis zu gelangen. Lies weiter!

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