Abschied von Ray Bradbury

Viele von uns kennen die Werke von Ray Bradbury wahrscheinlich aus ihrer Schulzeit, und obwohl ich selbst „Fahrenheit 451“ im Unterricht lesen „musste“, war es für mich eine Einstiegsdroge in ein ganz spezielles Subgenre der Science Fiction-Literatur. Mit Ray Bradbury verliert die Welt der Leser und Autoren auch einen sehr produktiven Schriftsteller. Neben seinen bereits genannten, bekanntesten Werken, stammen über 500 Kurzgeschichten, Gedichte, ­Romane, Theaterstücke und Drehbücher seiner Feder. Seine Idealvorstellung schriftstellerischer Produktivität setzte er bei 1.000 geschriebenen Worten pro Tag an. Nicht zuletzt dieser Disziplin und der Qualität seiner Werke wegen hat Ray Bradbury bis heute den Ruf zu verdanken, einer der ersten Schriftsteller gewesen zu sein, die den oft belächelten Genres Science-Fiction und Phantastik ernsthafte Anerkennung in der Literaturszene verschaffen konnten.

Neben dem Verfassen oftmals gesellschaftskritischer Literatur engagierte sich Ray Bradbury zeit seines Lebens für die Förderung von Bibliotheken, jungen Lesern und des klassischen Mediums „gedrucktes Buch“ an sich. An dieser Stelle ein recht bekanntes und inspirierendes Zitat von ihm: „Es gibt schlimmere Verbrechen, als Bücher zu verbrennen. Eines davon ist sie nicht zu lesen.“

Bradburys Karriere begann so, wie sich viele Menschen klischeehaft das Autorenleben vorstellen. Mit nur wenig zur Verfügung stehendem Geld tippte er das Manuskript zu „Fahrenheit 451“ auf einer für 10 Cent pro halber Stunde gemieteten Schreib­maschine in der Bücherei. Und selbst nach Jahren der aufeinanderfolgen Auszeichnungen und sehr erfolgreichen Veröffentlichungen, betonte er bei Lesungen immer wieder, wie wichtig es sei, Dinge gerne zu tun anstatt des Geldes wegen.
In der Verteidigung seines kreativen Schaffens konnte Ray Bradbury allerdings auch wesentlich direkter und impulsiver reagieren. Zu dem Zeitpunkt, als Michael Moore seine Dokumentation „Fahrenheit 9/11“ der Weltöffentlichkeit präsentierte, reagierte Bradbury recht ungehalten auf die Wahl des Titels:

„Michael Moore ist ein dämlicher Drecksack. So denke ich über ihn. Er hat meinen Titel geklaut und die Zahlen ausgewechselt, ohne mich jemals um Erlaubnis zu fragen.“

Auch mit seiner ausgeprägten Abneigung gegen E-Books machte der Schriftsteller vor wenigen Jahren Schlagzeilen, bis er sich 2011 doch dafür entschied, seine Werke auch elektronisch veröffentlichen zu lassen.

Wofür ihn seine auf jeden Fall in Erinnerung behalten werden, ist der Ideenreichtum, den Ray Bradburys Schaffen widerspiegelt. So finden sich von der (prophetisch) sprechenden Tätowierung („Der illustrierte Mann“), über Coming-Age-Geschichten rund um ein Karussell („Das Böse kommt auf leisen Sohlen“), bis hin zu Kurzgeschichtensammlungen zwischen Science-Fiction und ­Horror („Der Katzenpyjama“) zahlreiche interessante und unverbrauchte Motive der Literatur.

Seit 2007 kursieren im Internet Gerüchte über eine Neuverfilmung von „Fahrenheit 451“ unter der Regie von Frank Darabont und mit Tom Hanks in der Hauptrolle. 2009 gab es eine Kurzmeldung auf fictionbox.de, derzufolge sich die Planung des Remakes in der entscheidenden Phase befände. Der Film hat es bis dato scheinbar nicht über die Planungsphase hinausgeschafft, man darf also gespannt sein, ob der Tod des Autos nun der ausschlaggebende Grund für ein breites Interesse daran ist. Ich vermute, dass es leider so sein wird, was angesichts der Meinung Bradburys, nichts ausschließ­lich des Geldes wegen zu tun, leider einen bitteren Beigeschmack bekommt. Andererseits wäre es natürlich schön, den Film in einer Neuumsetzung zu sehen. Abschließend gibt es noch ein Zitat des Regisseurs Frank Darabont, das uns leider vor Augen führt, dass manchmal auch 91 lange Lebensjahre viel zu kurz sind: „Ich habe mir selbst versprochen, dass es (das Projekt) zumindest in Produktion gehen wird, so­lange Ray Bradbury noch unter uns weilt. Es ist nicht so, dass ich denke, dass er uns morgen verlassen wird, aber er wird nicht jünger. Daher habe ich die emotionale Ver­pflichtung, die Räder ganz und gar in Bewegung zu bringen, während er noch hier ist, um dies zu genießen.“

INGRID POINTECKER

 

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