Die Welt der Phantastik – bequem auf der Couch

Screenshot phantastik-couch.deAch, ein Portal zum Thema Phantastik. Noch eines? Wozu das denn? Wer braucht das überhaupt? Gute Frage. ­Vielleicht gelingt hier ja eine Antwort. ­Unterziehen wir die Webseite einer genaueren Betrachtung, so finden wir von den Machern folgende Begründung:

Über die Phantastik-Couch
Sie kennen schon die Krimi-Couch, die ­Histo-Couch und die Kinderbuch-Couch? Dann sollten Sie es sich auch hier bei uns, auf der Phantastik-Couch, schnell gemütlich machen können. Nur geht’s statt um Krimis bzw. um Kinderbücher eben um in jeder Hinsicht phantastische Literatur: Fantasy, Science-Fiction, Horror und Mystery.
Sie kennen weder die eine noch die anderen Couchen? Dann stellen wir uns besser mal schnell vor: Ebenso wie Krimi-Couch und Kinderbuch-Couch ist auch die Phantastik-Couch ein Online-Magazin, das es sich zum Ziel gesetzt hat, kompetent, umfangreich, aktuell und unabhängig über Literatur zu berichten. Dabei liegt hier auf der Phantastik-Couch der Focus auf den faszinierenden „anderen“ Welten, die nicht immer real, dadurch aber oft auch umso interessanter sind.
Aus den Genres Fantasy, Science-Fiction und Horror möchten wir Ihnen auf diesen Seiten in Zukunft empfehlenswerte Romane ans Herz legen – und von weniger gut gelungenen abraten.“

Das ist eine Ansage. Und – kann die Couch diesen Anspruch einlösen? Übersichtlich und navigationsfreundlich ist sie schon mal. Hilfreich ist dabei die Gliederung in die Bereiche Fantasy, Science Fiction, Horror und Mystery. Hier findet sich zu jedem Themengebiet auch eine Genre-Erläuterung, die auf Entstehung, Entwicklung und gebräuchliche Untergruppierungen eingeht. Für die Genre-Insider, SF-Fans und Phantastik-Kenner sicherlich überflüssig – für Quer-Einsteiger und Neulinge mag das hilfreich sein. Ganz praktisch sind die linker Hand alphabetisch gelisteten Genre-Autoren, so dass man schnell eine entsprechende Vorauswahl treffen kann. Neben den Klassikern, wie zum Beispiel Edgar Rice Burroughs, Lin Carter, Philip José Farmer oder Henry Rider Haggard, findet man auch deutschsprachige Autoren wie Christoph Hardebusch oder Bernhard Hennen, die mit ihren Zwergen- und Elfen-Erzählungen hierzulande gut abräumten. Ob man allerdings einen Walter Moers tatsächlich bei Fantasy einordnen kann, darf bezweifelt werden.

Insgesamt sind die biografischen und bibliografischen Angaben zu den Autoren jedoch recht umfangreich. Ein kurzer Blick auf die Vita von Uschi Zietsch offenbarte zwar das Fehlen der ­Serientitel wie zum Beispiel SunQuest oder Elfenzeit – zumindest die zuletzt genannte Reihe ist eine klassische Fantasy-Serie. Doch da ein Link zu den Homepages der Autoren gelegt wird, ist das nicht allzu tragisch. Im Zweifelsfall entschied man sich bei der Zuordnung lieber dafür, den oder die Autorin in eines der Genres einzusortieren und in der Biografie auf Bereichs-Überlappungen hinzuweisen, wie beispielsweise im Fall der amerikanischen Autorin C. J. Cherryh, die im Bereich der Space Opera ebenso unterwegs ist wie in der Fantasy.

Und neben den Rubriken …

… wie Fantasy, Science Fiction, Horror und Mystery erwartet den gemeinen Surfer noch ein Autorenverzeichnis und die Rubriken Englische Bücher, Neuerscheinungen, Themen. Die ersten beiden sind selbsterklärend, hinter Themen verstecken sich die Bereiche Interviews, Hintergründe und Essays sowie Reportagen. So sinniert Nicola Bartola zum Beispiel über die Frage „Was kommt nach dem Fantasy-Boom?“. Der Beitrag scheint allerdings doch schon recht alt zu sein, denn Redakteur und Lektor Bartola prognostiziert für das Kalenderjahr 2007/2008 (!) das wahrschein­liche Ende des Fantasy-Booms. Rück­blickend können wir die von ihm aufgeworfene Frage wie folgt beantworten: „Vampire und Werwölfe sind noch ein dankbares Thema, um durchgenudelt zu werden.“

Verena Wolf und Eva Bergschneider

Die Chefredakteurinnen Eva Bergschneider (links) und Verena Wolf (rechts) mit dem Deutschen Phantastik-Preis 2011 für die beste Webseite

Insgesamt bietet die Phantastik-Couch einen bequemen Überblick samt Vorauswahl aus dem Phantastik-Genre und wer die Titelabbildungen anklickt, wird über einen Link auch zum Web-Shop, zum Beispiel von amazon.de geleitet. Das mag der eine oder andere Couch-Potato praktisch finden, ob allerdings jeder gleich bei einem Kauf-mich-Button landen möchte, ist mindestens fraglich. Die Betreiber der Web-Shops oder Verlage wird es freuen. Ein Mehrwert der Phantastik-Couch ist die Tatsache, dass Couch-Gründer Lars Schafft nicht nur eine Couch im Angebot hat. Wer sich auch für andere Genres interessiert, der hat die Möglichkeit auf die Belletristik-, Kinderbuch-, ­Jugendbuch-, Kochbuch-, Krimi- oder ­Histo-Couch zu wechseln. Wie im bekannten Märchen gilt hier das Motto „Sieben auf einen Streich“.

GÜNTHER FREUNEK

7 Fragen an Verena Wolf und Eva Bergschneider

Was war der Grund, die Phantastik-Couch ins Leben zu rufen? Interesse am Genre? Spaß an der Freud’?

Die Phantastik-Couch ist als „Ableger“ der Krimi-Couch entstanden. Die Krimi-Couch hatte im Jahr 2006 bereits ein sachkundiges und engagiertes Team an Rezensenten und einen ansehn­lichen Leserkreis etabliert. Da lag es nah, auch Bücher anderer Genres auf einer Couch-Plattform vorzustellen. Der Geschäftsführer der Literatur-Couch (so heißt die Gesellschaft, die hinter allen Couch-Seiten steht) Lars Schafft, hat Rezensenten aus dem ­Krimi-Couch-Team, die eben auch der Phantastik zugetan waren, gezielt ange­sprochen und für das Projekt Phantastik-Couch begeistert. Und so wurde eine Chefredak­tion gegründet, ein eigenstän­diges Rezensenten-Team gebildet, ein Phantastik-Couch Seitenlayout erstellt und schließlich ging im April die erste Ausgabe online.

Jetzt gibt es ja nicht nur die Phantastik-Couch, sondern auch noch Belletristik-, ­Kinderbuch-, ­Jugendbuch-, Kochbuch-, ­Krimi- und ­Histo-Couch. Welches war denn die ­erste? Oder wurden alle auf einen Schlag ins Leben gerufen?

Wie schon erwähnt, war die Krimi-Couch das erste Couch-­Portal. Sie ist übrigens im Mai zehn Jahre alt geworden, wurde also 2002 gegründet. Die Kinderbuch-Couch dürfte das zweite Portal gewesen sein und die Histo-Couch wurde in etwa zur gleichen Zeit wie die Phantastik-Couch ins Leben gerufen. Die erste Histo-Couch Ausgabe erschien ein oder zwei ­Monate nach unserer Premiere. Danach ­kamen Kochbuch-Couch und Jugendbuch-Couch dazu und schließlich im September letzten Jahres die Belletristik-Couch.

Gibt es viele Rückmeldungen von seiten der Leser?

Die gibt es und das ist uns auch sehr wichtig. Die Interaktion mit unseren Lesern geschieht auf mehreren Ebenen. Zum einen gibt es zu jedem Buch, das wir als Webseite anlegen und vorstellen, ein Kommentarfeld für die Leser. Hier kann jeder seine eigene Rezension zu dem Buch schreiben. Außerdem betreiben wir ein Forum, in dem munter rund um das Thema Phantastik diskutiert wird. Hier gibt es ­eigens Threads für Nachrichten an das ­PC-Team, in denen Leser Verbesserungsvorschläge machen, uns Bücher vorschlagen und vieles mehr. Natürlich sind wir auch über persönliche Nachrichten im Forums-Profil oder per E-Mail erreichbar. Und ­mittlerweile auch bei Facebook mit einer ­eigenen Seite vertreten. Die Kommunikation mit unseren Lesern ist unverzichtbar, ein ­wesentlicher Bestandteil, der zur Qualität der Phantastik-Couch beiträgt. Ich bekomme manchmal Klappentexte zugeschickt, die bei uns fehlen, werde auf Fehler aufmerksam gemacht, die sich eingeschlichen haben und erhalte viele gute Anregungen. Wir sind für jeden Vorschlag, für jede Kritik dankbar und offen, auch wenn leider nicht alle Ideen umgesetzt werden können.

Melden sich bei Ihnen auch Interessenten, die mitarbeiten möchten, um z.B. Rezensionen ­zu verfassen?

Wenn ich eine der­artige Anfrage bekomme, versorge ich den Interessenten zunächst einmal mit einigen Informationen, damit derjenige weiß, was bei einer Mitarbeit auf ihn zukommt. Danach einigen wir uns auf eine Testrezension zu einem Buch, das wir noch nicht besprochen haben. Entweder schicke ich demjenigen das Buch zu oder er bespricht eines aus seinem privatem Fundus, je nachdem. Anhand dieser Testrezension schauen wir, wie gut wir zusammen passen. Wir sind, was die Qualität unserer Rezensionen angeht, ziemlich anspruchsvoll. Die- oder Derjenige sollte sich ausdrücken können und etwas vom Metier der phantastischen Literatur verstehen. Es geht zudem schlichtweg schon zeitlich nicht, dass ich Sätze ausformulieren oder den Text komplett überarbeiten muss, bevor man ihn veröffentlichen kann. Manchmal passt es einfach nicht. Aber oft bin ich auch erstaunt, wie stilvoll das potentielle neue Teammitglied schreibt und wie viel Meinungsfreude und gesundes Urteilsvermögen schon in der ersten Rezension steckt. Dann freuen wir uns immer über den Zuwachs und hoffen, dass der/die „Neue“ eine Weile mit Spaß und Engagement an der Phantastik-Couch mitwirkt.

Arbeiten Sie mit Verlagen aus dem Phantastik-Bereich zusammen? Und wenn ja, wie klappt die Zusammenarbeit?

Die Verlage sind für uns wichtige Partner, denn wir brauchen im Monat um die 20 Phantastik-Bücher, die wir besprechen. Die Zusammenarbeit mit den Verlagen funktioniert in der Regel reibungslos, egal ob es sich um große Häuser handelt oder um kleine spezialisierte Phantastik-Verlage. Inzwischen hat sich ein freundschaftliches Verhältnis zu Verlegern und Verlagsmitarbeitern entwickelt. Der persön­liche Kontakt auf Buchmessen oder Conventions trägt dazu bei und macht schlichtweg Spaß. Die Verlage beliefern uns nicht nur mit Rezensionsexemplaren, sondern vermitteln uns darüber hinaus Autoreninterviews oder versorgen uns mit Tipps und Informationen. Es ist wichtig, dass es hier eine Vertrauensbasis gibt, denn wir wollen ja auch offen Kritik an Büchern üben, wenn es nötig ist. Die Verlage müssen darauf vertrauen, dass unsere Kritik sachlich begründet und berechtigt ist und wir müssen darauf vertrauen, dass wir eben auch einmal ein Buch verreißen können, ohne dass dadurch die Zusammenarbeit beeinträchtigt wird. Letzteres ist ganz vereinzelt schon vorgekommen. Aber normalerweise arbeiten wir zu beiderseitigem Nutzen professionell und freundschaftlich miteinander.

Sie legen ja auch Links zu Online-­Anbietern, bei denen Titel, die in der Phantastik-Couch ­vorgestellt werden, bestellt werden können. Geht die Initiative dazu von ihnen aus – oder kommen diese ­Anbieter auf Sie zu?

Diese Links haben wir von der Krimi-Couch übernommen. Die Literatur-Couch GmbH hat entsprechende Vereinbarungen mit dem Online Anbieter ­getroffen und wir haben das auf den anderen Couchen einfach angepasst. Wie es ursprünglich dazu gekommen ist, weiß ich ehrlich gesagt nicht.

In der Website sind auch noch Podcast, Blog, Forum und Gästebuch integriert. Wie groß ist der Zuspruch in diesen Bereichen? Gerade beim Gästebuch fiel mir auf, dass dort Verlags-Neuerscheinungen und Veran­staltungsvorankündigungen eingestellt werden. Ist die Rubrik dafür gedacht?

Der Podcast oder auch Phantastik-Couch TV sind attraktive und moderne Features, die gut angenommen werden. Leider ist der Produktions­aufwand für die Ton-und Filmaufnahmen ­immer recht hoch, so dass wir Podcast oder TV nicht so häufig anbieten können, wie wir das gerne täten.
Foren sind ja im Zeitalter der Social Networks ein fast schon veraltetes Internet-Tool, aber unseres ist immer noch erstaunlich gut besucht. Hier hat sich schon manche kontrovers geführte Fachdiskussion entwickelt, es werden Leserunden veranstaltet und es hat auch schon Usertreffen gegeben. Ein hübsches und beliebtes ­Feature der Phantastik-Couch ist das personalisierte Profil, das jeder angemeldete Nutzer erstellen kann. Dort kann man z. B. ein virtuelles Bücherregal über die private Sammlung anlegen, mit allen relevanten Daten füttern, das Buch kommentieren und bewerten und das System als eine Datenbank nutzen. Und jeder andere angemeldete Nutzer kann einen Blick hinein werfen, sich Anregungen holen und auf dem Gästebuch des Userprofils Grüße und Kommentare hinterlassen.
Dadurch, dass wir nun zusätzlich eine Phantastik-Couch-Facebook-Seite anbieten, liegt die redaktionelle Betreuung von Gästebuch und Blog leider etwas brach. In das Gästebuch kann ja jeder Besucher etwas schreiben und offensichtlich wird es zu­nehmend von Autoren und Verlagen genutzt, um auf Veröffentlichungen aufmerk­sam zu machen, gedacht ist es dafür ­eigentlich nicht. Veranstaltungshinweise schreiben wir überwiegend in den Blog, oder eben auch auf unsere Facebook-Seite. Das was Bloggen eigentlich ausmacht, also das Posten von News, Fundstücken zum Thema Phantastik und ein paar persönlicheren Gedanken und Stellungnahmen, ­findet tatsächlich überwiegend auf unserer Facebook-Seite statt. Da wir dort fast 1000 Fans haben, erreichen wir auf einfache Weise ein breites an Phantastik-Themen ­interessiertes Publikum.

DAS INTERVIEW FÜHRTE GÜNTHER FREUNEK PER E-MAIL

 

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