Fantasy im Mondwolf-Verlag – Interview mit Veronika Stix

Veronika Stix

Veronika Stix

Eine Kundin ihrer Werbeagentur inspirierte die selbstständige Grafikerin Veronika Stix im Jahr 2009 dazu, einen eigenen Verlag zu gründen. Eigentlich sollte sie nur aus einem Manuskript eine Druckvorlage machen, doch die notwendigen Recherchen brachten sie dazu, sich näher mit dem Thema Buchveröffentlichung zu befassen. Der Besuch der Leipziger Buchmesse gab schließlich den Anstoß: am 1. April 2010 wurde der Verlag Mondwolf geboren.

„Der Verlag Mondwolf wurde am 1. April 2010 gegründet – und ist alles andere als ein Aprilscherz. Bereits im Herbst 2010 startet der österreichische Kleinverlag in den Markt.
Wir möchten die deutschsprachige Fantasy fördern und stärken. In vielen Schubladen schlummern gute Manuskripte, die wegen starrer Programme, des Überangebotes aus dem amerikanischen und englischsprachigen Raum und Mindestauflagen keine Chance bekommen. Diese Schätze wollen wir finden und den Lesern zugänglich machen.“
Quelle: Homepage Mondwolf-Verlag

Liebe Frau Stix, erst einmal vielen Dank, dass Sie sich bereit erklärt haben, einige Fragen für die Leser des Fandom Observers zu beantworten! Für den Anfang würde ich Sie einfach mal bitten, sich selbst und Ihr Verlagskonzept kurz vorzustellen.

Für Fragen stehe ich immer gerne zur Verfügung – und wenn ich kann, sogar für die Antworten. Wofür steht der Verlag Mondwolf? Die kurze Antwort: für deutschsprachige Fantasy. Etwas weiter ausgeholt: Ich möchte in meinem Verlag interessante Ideen aus allen möglichen Bereichen der Fantasy und gute Umsetzungen derselben herausbringen. Stil ist natürlich immer auch einer subjektiven Beurteilung unterworfen, aber man merkt recht schnell, ob sogar eine einfache Raumbeschreibung zu fesseln vermag.

Phantastikverlag in Österreich – ein seltenes Phänomen. Warum glauben Sie, dass es gerade in dem Bereich so wenige gibt, welche ländertypischen Schwierigkeiten erleben Sie selbst bei Ihrer Arbeit?

Nun, Österreich selbst ist natürlich ein recht kleiner Markt. Aus wirtschaftlichen Gründen wäre dieser allein nicht wirklich interessant. Daher richtet sich auch der Mondwolf natürlich an den gesamten deutschsprachigen Raum. Als ländertypische Schwierigkeiten sehe ich vor allem die Versandkosten, die sowohl innerösterreichisch als auch grenzübergreifend für einen Kleinverlag mit noch wenig regelmäßigem „Paketverkehr“ unverhältnismäßig sind. Ansonsten ist die Skepsis unabhängigen kleinen Verlagen gegenüber ganz subjektiv empfunden in Österreich deutlich größer als in Deutschland. Auch die Unterstützung diverser Vereinigungen und Institutionen wirkt – wiederum subjektiv betrachtet – im Nachbarland besser organisiert und praxisnäher.

Und wie schaut es konkret mit der Arbeit mit den Autoren aus? – Ich selbst als österreichische Autorin kenne es ja so, dass mir österreichische Begriffe meist „weglektoriert“ werden. Machen Sie das auch? Und wenn ja, müssen sich dann deutsche Autoren den österreichischen Gepflogenheiten anpassen oder die österreichischen Autoren trotzdem für den weitaus größeren deutschen Markt verständlich schreiben?

Ich gebe zu, dass dieser Punkt in der Prioritätenliste nicht wirklich weit oben stand. Zur Zeit überlasse ich diese Entscheidung vor allem den Autoren. So wird man in „Hüter des Uhrwerks – Wegstein“ Ausdrücke wie „Kartoffel“ finden, die ich nicht auf den österreichischen Erdäpfel umgeändert habe. Gerade im Fantasybereich finde ich es wichtiger, die Gemeinsamkeiten des deutschsprachigen Bereichs herauszu­streichen als auf den Unterschieden herumzureiten.
Bei besonders spezifischen Begriffen achte ich aber darauf, dass sich die Bedeutung entweder aus dem Zusammenhang erschließt oder beispielsweise im Dialog erklärt wird.

Jetzt hat man Sie ja auf der Leipziger Buchmesse und der Buch Wien antreffen können – angesichts der Standmieten ist das ja eher ungewöhnlich für einen neugegründeten Verlag. Was hat Sie dazu bewogen, den Schritt schon so früh zu gehen?

Mir ist der direkte Kontakt zu Lesern und Autoren von Beginn an wichtig. Nirgendwo sonst hat man die Möglichkeit, beide Gruppen so geballt anzutreffen. Gleichzeitig kann man sich als Verlag einem breiten Publikum präsentieren. Gerade die besonderen Cover des Mondwolfs haben auch viele Besucher angesprochen, die „eigentlich ja gar keine Fantasy lesen“. Ein paar Worte und auch diese Menschen merkten, dass Fantasy an sich für jeden Geschmack etwas bereit hält. Und ganz ehrlich: Mit Sagen und Märchen ist fast jeder aufgewachsen, die meisten müssen bei der Erinnerung daran einfach ­lächeln.

Und wie schaut es aus mit reinen Fanveranstaltungen wie Conventions? Möchten Sie da in Hinkunft ebenfalls aktiv werden oder sich eher raushalten und auf die großen Literaturevents konzentrieren?

Tatsächlich sind auch hier einige Ter­mine in Planung. Der Mondwolf und die Autoren Ingrid Pointecker, Barbara Schinko und Mortimer M. Müller werden etwa im Juli auf der MACOnvention in Linz vertreten sein. Bei weiteren Terminen warte ich aktuell noch auf Entscheidung bzw. Bestätigung von Veranstalterseite. Am liebsten wäre ich ja überall dabei, das Klonen ist aber leider noch nicht alltagstauglich.

Einige Ihrer Bücher, wie beispielsweise „Berggeister“, greifen Sagen und Mythen auf. Was macht für Sie die Faszination an diesen Stoffen aus und hat die Begeisterung dafür schon in früher Kindheit – vielleicht verknüpft mit einer bestimmten Geschichte oder einem konkreten Erlebnis – ange­fangen oder erst später?

Schon von frühester Kindheit an gab es keinen Abend ohne Geschichten oder Bücher. Zu Beginn lasen meine Eltern mir vor. Das tägliche „und wie es weitergeht, lesen wir morgen“ war mir aber schnell zu wenig und ich begann selbst weiterzutüfteln und bald auch zu lesen. Die ersten Sagen, an die ich mich erinnere, waren Wiener Sagen wie „Der Spiegel im Brunnen“, die wir in der Volksschule lasen. Sehr lange Zeit hatten mich die griechischen Sagen des Altertums fest in ihren Bann gezogen. Erst mit 12/13 entdeckte ich dann auch die deutschen Götter- und Heldensagen.
Sagen und Mythen sind ja nichts anderes als eine Form der Fantasy aus früheren Zeiten. Die Menschen beobachten ihre Umwelt und interpretieren in einen Schatten, eine vielleicht vorhandene Wissenslücke oder noch nicht erklärbare Ereignisse etwas hinein, was zum einen erklärt und zum anderen belehrt und unterhält – und natürlich auch eigene Ansichten und Wertesysteme weiterträgt.

Immerhin haben Sie ja jetzt vier Bücher herausgebracht. Wie geht es nun weiter?

Nun, da ich jedes Jahr einen Kurzgeschichtenwettbewerb machen werde, wird die Reihe der Anthologien schön regelmäßig jeweils mit dem 31. Oktober weitergeführt. Die nächsten Teile der „Hüter des Uhrwerks“ sind ebenfalls unter Dach und Fach. Und für nächstes Frühjahr, pünktlich zur Leipziger Buchmesse, habe ich einen wundervollen Roman ins Programm genommen, zu dem es ab Sommer nähere Informationen geben wird. Ich werde auch den E-Book-Bereich weiter ausbauen. Manus­kripte hierfür sind aktuell einige in „Begutachtung“. Die nächsten werden im Sommer Julia Staubers Sirenengeschichte „The Voice“ und die E-Book-Umsetzung der bisher erschienenen Bücher sein.
Parallel dazu wird der Mondwolf an zunehmend mehr Veranstaltungen teilnehmen, die Leipziger Buchmesse etwa ist für die nächsten Jahre bereits fix, und auch selbst Lesungen organisieren. Ein interessanter Termin ist sicher die Nacht der keltischen Feuer am 29. September im niederösterreichischen Asparn an der Zaya. Dieses Fest wird vom Museum für Ur- und Frühgeschichte (www.urgeschichte.at) veranstaltet und Mondwolf ist ganz exklusiv mit den ersten Geschichten aus der heurigen Anthologie „Funken, Flammen, Feuerzungen“ im Feuerkreis mit dabei. Vielleicht klappt das Klonen ja doch bald. (lacht)

DAS INTERVIEW FÜHRTE NINA HORVATH

 

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