Liebestanz der Brustmuckies – »Die Reise zur geheimnisvollen Insel«

„Die Reise zur geheimnisvollen Insel“Ich schicke voraus, dass ich sicher nicht zum Zielpublikum dieses Films gehöre, aber nachdem mir durch Zufall die Anfang Juli auch in Deutschland erhältliche Blu-ray in die Hände fiel, habe ich es einfach mal gewagt.
Erzählt wird die Geschichte des jungen Sean Anderson, der einen verschlüsselten Notruf seines Großvaters (Michael Caine) empfängt und sich gemeinsam mit seinem Stiefvater Hank (Wrestler Dwayne »The Rock« Johnson) auf den Weg macht, um jene geheimnisvolle Insel zu finden, auf der angeblich die Bücher »Die Schatzinsel« (Robert Louis Stevenson), »Gullivers Reisen« (Jonathan Swift) und »Die geheimnisvolle Insel« (Jules Verne) basieren. Im Quartett mit dem skurrilen Hubschrauberpiloten Gabato und seiner hübschen Tochter Kailani verschlägt es die Truppe tatsächlich auf ein mysteriöses Eiland, das allerdings kurz davor steht, im Meer zu versinken. Und so macht man sich auf die Suche nach der dereinst von Kapitän Nemo versteckten NAUTILUS, der einzigen Möglichkeit, der bevorstehenden Katastrophe zu entkommen.

Für Kinder mag die halbgare, aber immerhin professionell in Szene gesetzte Story durchaus Unterhaltungswert besitzen; Erwachsene dürften dagegen eher belustigt bis gelangweilt, ab und an wohl auch peinlich berührt sein. Dwight Johnsons »Liebestanz der Brustmuckies«, bei dem der bullige Amerikaner seine männliche Oberweite in zuckende Bewegung versetzt, weil das angeblich jede Frau beeindruckt, ist für mich dabei der unbestreitbare Höhepunkt eines Films, der in weiten Teilen, dem Genre des vorpubertären Entertainments zugerechnet werden muss.

Der altklug vor sich hin brabbelnde Sean, der Jules Verne nicht als Schriftsteller, sondern als ernsthaften Wissenschaftler verehrt und bei jeder sich bietenden Gelegenheit, aus dessen Büchern zitiert, weist dabei einen nur geringfügig niedrigeren Nervfaktor als sein dauergrinsender Großvater auf, der offenbar kein Problem damit hat, seinen Enkel permanent in Lebensgefahr zu bringen. Im Gegenteil: »Aber ich muss euch warnen«, schwadroniert er etwa in der Mitte des Films. »Das Herz dieser Insel ist voll schroffer Berge, dunkler Urwälder und furchterregender Kreaturen, von denen ihr Alpträume kriegt. Also: Wer hat Lust auf Abenteuer?«

Die anschließende Suche nach der NAUTILUS wird mit Spontanreimen am Lagerfeuer, schüchternen Flirtversuchen vor romantischer Dschungelkulisse, dem Ritt auf Riesenbienen und platten Sprüchen wie »Wenn wir da unten draufgehen, wird Mom uns töten« garniert. Kurzweilig, ja, aber eben immer wieder auch schmerzhaft infantil.

Wie schon erwähnt: Der Streifen ist eindeutig für jüngeres Volk gemacht, als ich es mit meinem beinahe halben Jahrhundert bin. Allerdings gibt es in diesem Bereich durchaus anspruchsvollere und pädagogisch wertvollere Angebote. Wenn Stiefvater Hank dem nerdigen Sean rät, bei Frauen »nicht dem Instinkt zu folgen, sondern stets das Gegenteil von dem zu tun, was man für das Richtige hält«, mag der ein oder andere Erziehungsberechtigte womöglich die Stirn runzeln – vom »Liebestanz der Brustmuckies« gar nicht erst zu reden.

Natürlich hat der Film ein Happy End. Natürlich kommen Saurier, Riesenspinnen und ähnlich garstiges Getier vor. Natürlich kriegt der schüchterne Sean am Ende seine Kailani. Kinobesucher zwischen sechs und zehn Jahren dürften also genau das finden, was sie erwarten. Und falls sie dann immer noch nicht genug haben, geht es in zwei Jahren weiter: Warner Bros. hat nämlich bereits grünes Licht für ein weiteres Sequel mit dem Titel »Journey 3: From the Earth to the Moon« gegeben. Dwayne Johnson und ein im Grab rotierender Jules Verne inklusive.

RÜDIGER SCHÄFER

»Die Reise zur geheimnisvollen Insel«
2012, SF-Abenteuer, Blu-ray, 94 min., FSK 6
 

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