Patriotisches Wortgeklingel –
»The Dark Knight Rises«

Fast drei Stunden lang saß ich in Kino 6 des Cineplex Leverkusen und fragte mich immer wieder, wann das angeblich so furiose Finale der Batman-Trilogie von Christopher Nolan denn nun endlich losgehen würde. Statt dessen bekam ich einen bis zum halbgaren Ende zwar nicht unbedingt langweiligen, aber in Teilen doch deutlich zu langen Film präsentiert, der mit Pathos überladen war und seinem Anspruch permanent hinterher hechelte.

»The Dark Knight«, also Teil 2 der Nolanschen Batman-Saga, war filmisch wie handlungstechnisch ein Meisterwerk und ein Beweis dafür, dass Comicverwurstungen im Kino durchaus Tiefe und Stil vermitteln können, dass sie eben nicht nur computertechnisch zu Effektgewittern aufgepeppte Blockbuster mit Einspielgarantie in dreistelliger Millionenhöhe sein müssen. »The Dark Knight Rises« ist dagegen ein durchschnittlicher, mit unzähligen Nebenhandlungen künstlich in die Länge gezogener DC-Film, wie es auch viel zu viele der anderen Superhelden-Streifen waren.

Was die Spezialeffekte angeht frage ich mich zudem, wo die 250 Millionen US-Dollar Budget geblieben sind. Allenfalls die Verfolgungsjagden mit Bat-Mobil und Bat-Motorrad genügen höchsten Ansprüchen. Der Rest ist gut, aber nicht überragend. CGI-Massenware, wie man sie heutzutage in jedem Blockbuster im Überfluss zu sehen bekommt. Vor allem bei der monumentalen Terrorattacke im Football-Stadion ist der Eindruck einer Computeranimation geradezu erdrückend. Hübsch anzuschauen, aber eben doch unübersehbar steril und künstlich.

Viel zu oft hatte ich zudem – vor allem bei den Kampfszenen – das Gefühl, dass sich Nolan zugunsten der gewünschten FSK 12-Freigabe zurückgehalten hat. Blut sieht man praktisch gar nicht und die erste Konfrontation zwischen Oberbösewicht Bane und Batman in den Abwasserkanälen von Gotham City kommt über die Dramatik einer besseren Kneipenschlägerei nicht hinaus. Das Finale gerät gar zur Farce, denn ein wirkliches Duell zwischen den beiden Kontrahenten findet gar nicht statt. Man prügelt erneut ein paar Minuten sinnlos aufeinander ein, den Rest erledigt Catwoman mit dem Schießgewehr. Danach ist Bane (immerhin eine Hauptfigur) nicht einmal mehr zu sehen.

»The Dark Knight Rises« versucht Stimmung nicht mit Bildern zu erzeugen, sondern sie dem Zuschauer zu erklären. Dabei geraten die Dialoge viel zu oft zu einer Aneinanderreihung von patriotischen Phrasen und idealistischem Wortgeklingel. Jede auch nur halbwegs dramatische Entwicklung wird mit ein paar Worthülsen aus dem Klischeebuch der Superheldenfilme angekündigt. Als fast schon ironisches Beispiel sei hier die Szene erwähnt, in der Batman die Neutronenbombe per Batmobil aus der Stadt schaffen soll. Der Countdown rutscht unter die Zwei-Minuten-Marke, doch der maskierte Held hat nicht nur Zeit, die zurückbleibende Catwoman zu küssen, sondern findet auch noch die Ruhe für einen ergreifenden Abschieds-Chat mit Polizeichef Gordon.

Damit hier kein falscher Eindruck entsteht: Der Film ist nicht schlecht, aber nicht einmal ansatzweise so gut, wie er hätte sein können, wenn Nolan den Stoff konsequent umgesetzt hätte. Bane wirkt viel zu häufig lächerlich, weil er seine angebliche Skrupellosigkeit nicht zeigen darf. Auch Batman selbst verliert seine Identität irgendwo zwischen strahlendem Held und dunklem Rächer, tänzelt unsicher zwischen den Extremen und bleibt deshalb farblos und unbestimmt. Am Ende siegt der Kommerz. Der erwachsene Zuschauer ist zwangsläufig enttäuscht, weil der Film viel zu sehr auf ein jugendliches Publikum zugeschnitten ist und nicht mehr viel von der Atmosphäre der ersten beiden Teilen mitnimmt. Batman ist eben nicht der weichgespülte Schwiegersohn-Typus wie ihn unter anderem ein Captain America verkörpert. Batman war stets düster, brutal, ein Rächer alter Schule, der nach erledigter Arbeit auch mal ein paar Flecken auf der moralischen Weste zurückbehielt. Nolan macht ihn ohne ersichtlichen Grund zum Softie.

Immerhin gibt es auch ein paar Lichtblicke. Gary Oldman als Polizeichef Gordon und Michael Caine als Alfred Pennyworth (Bruce Waynes Butler) spielen mit ihren Nebenrollen so manchen Protagonisten an die Wand. Anne Hathaway sieht als Catwoman (ebenso wie ohne Kostüm) verboten gut aus und Morgan Freeman bereichert die episodenhafte Geschichte als Lucius Fox um das ein oder andere Highlight.

»The Dark Knight Rises« hätte Kino- oder doch zumindest Comicfilm-Geschichte schreiben können. Statt dessen opfert Christopher Nolan die Intensität seiner Bilder der durch die niedrige Altersfreigabe erweiterten Zuschauerbasis und verwässert sein Werk bis an den Rand der Unkenntlichkeit.

Sofern die Blu-ray-Fassung des Films (erscheint am 30. September) ebenfalls eine FSK 12-Freigabe erhält – und danach sieht es aus – wird die Batman-Trilogie in meinem Regal unvollständig bleiben, denn diesen Film muss ich nicht ein zweites Mal sehen.

RÜDIGER SCHÄFER

»The Dark Knight Rises« (2012, Comicverfilmung, Kino, 164 min., FSK 12)
 

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2 Antworten auf Patriotisches Wortgeklingel –
»The Dark Knight Rises«

  1. Pingback: The Dark Knight Rises: Batman scheidet die Geister » nerdlicht.net

  2. RoM sagt:

    Im Gegensatz zu seinem (zurecht) in einem Zug gepriesenen Vorgänger hat das Ende einen sichtbaren Riss durch das Publikum gezogen. Abstrafung wie Jubel kämpfen um die Position “Luftüberlegenheit”. Nicht selten mit bösartigen Auswüchsen – nein, Rüdigers gesitteter Verriß gehört ganz sicher nicht dazu!
    Die weiters Interessierten werden sich also selbst ein Bild machen müßen. Der Rest geht eh anderen Beschäftigungen nach.