Ray Bradbury – eine Legende

Am Dienstag, den 5. Juni 2012, vermeldete dpa den Tod des Science Fiction ­Autors Ray Bradbury. Der Verlag ­Harper Collins bestätigte, dass Ray Bradbury in Los ­Angeles im Alter von 91 Jahren verstarb. Sein Enkel, Danny Karpetian, teilte der Website io9 dazu mit:

„Wenn ich etwas dazu sagen kann, dann wäre es, wie sehr ich ihn liebe und vermisse. Er beeinflusste so viele Künstler, Schriftsteller, Lehrer und auch Wissenschaftler. Doch sein Vermächtnis lebt in den vielen Büchern, Filmen, Fernseh- und Theateraufführungen fort. Aber viel wich­tiger ist mir, dass er im Gedächtnis und dem Herzen seiner Leser verbleibt.“

Aus dem Heyne SF-Lexikon stammt das Zitat „Ray Bradbury ist der Louis Arm­strong der Science Fiction“. Leute, die mit dem SF-Genre keine Berührung haben, verknüpfen seinen Namen damit und halten ihn für den Science Fiction Autoren schlechthin. Dabei ist höchstens die Hälfte seines Schaffenswerkes der SF oder Fantasy zuzuordnen.

Geboren wurde Ray Bradbury 1920 in Waukegan, Illinois. Er wuchs auf mit den Comics von Tarzan, Buck Rogers, Flash Gordon und Prinz Eisenherz. In seiner Jugend schrieb er bereits Gedichte für die Schülerzeitschrift und versuchte sich an Theaterstücken. Kontakt zum phantastischen Genre fand er über die Science Fiction League, einen Fanclub, den Hugo Gernsback ins Leben rief. Dort lernte er dann auch Forrest Ackermann kennen und veröffentlichte auf dessen Zuspruch hin seine erste Story im Fanzine dieser Gruppe.

Die erste verkaufte SF-Erzählung trug den Titel „The Pendulum“ und entstand in Zusammenarbeit mit Henry Hasse. Sie erschien im Jahr 1940 in „Super Science Stories“ und erbrachte ein Honorar von 13,75 Dollar. Nicht gerade üppig, aber doch Ansporn genug, um im Folgejahr jede Woche eine Story zu verfassen und diese Erzählungen mit Unterstützung seines Agenten ­Julius Schwartz zunehmend zu verkaufen. Seine Versuche Stories in dem Magazin ­Astounding unterzubringenn, scheiterten fast gänzlich. Der Herausgeber John Campbell lehnte fast alles ab. Ray Bradbury passte inhaltlich und stilistisch nicht in die Technik- und Wissenschaft-Verherrlichung der damaligen Epoche.
Da Bradbury dieser Linie treu blieb und inhaltlich menschliche Gefühle in den Mittelpunkt seiner Erzählungen stellte, dabei einfach und ausdrucksstark schrieb, wurde er zunehmend mit Literaturpreisen ausgezeichnet und von Kritikern sowie dem nicht an SF interessierten Publikum beachtet.

Im Jahr 1951 stellte er eine Reihe von Marsgeschichten zu dem Band „The Martian Chronicles“ (auf deutsch: „Die Mars-Chroniken“) zusammen. In diesem Buch schilderte er die Kolonisation des roten Planeten durch die Erde mit einer einhergehenden Plünderung und Ausrottung der Marsianer. Dieser Band wurde 1979 dann teilweise für das Fernsehen verfilmt. Mit dieser Veröffentlichung gelang ihm der Durchbruch.
Ebenfalls verfilmt wurde von François Truffaut 1966 auch seine Erzählung „Fahrenheit 451“, eine düstere Utopie, in der die Feuerwehr nicht mehr das Feuer bekämpft, sondern ausrückt um Bücher zu verbrennen. Das Lesen ist den Menschen verboten. Die letzten Literaturanhänger flüchteten daraufhin in die unberührte ­Natur.

Ein weiteres seiner bekannten Werke ist die SF-Sammlung „The Illustrated Man“ (Der illustrierte Mann), bei der einzelne Erzählungen mit einer knappen Rahmenhandlung versehen wurden. Sie handelt von einem Mann, der am ganzen Körper Tätowierungen aufweist, von denen jede in die jeweils nächste Story einführt. Auch dieser Stoff wurde verfilmt, mit Rod Steiger in der Hauptrolle.
Spätere Veröffentlichungen in den siebziger Jahren, wie „Der Besucher aus dem Dunkel“ oder „Gesänge des Computers“ waren zwar stilistisch überzeugend, fielen aber im Vergleich zu seinen frühen Werken schwächer aus.

Ray Bradbury erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen, so unter anderem acht mal den Locus-Award. Außerdem den O. Henry Memorial Award, den Benjamin Franklin Award und den Grand Master Award von den Science Fiction Writers of America (1988). Des weiteren gewann er zweimal den Emmy und wurde für Fahrenheit 451 im Jahr 1984 in die „Prometheus Hall of Fame“ aufgenommen. Im Jahr 2002 erhielt er dann auch seinen Stern auf dem Hollywood Walk Of Fame. Fünf Jahre später, in 2007, wurde Ray Bradbury, als besondere Ehrung, für sein „Lebenswerk“ im Rahmen der Pulitzer-Preisverleihung ausgezeichnet – jedoch nicht, wie einige Male fälschlicherweise angegeben, mit dem Pulitzer-Preis an sich.

GÜNTHER FREUNEK

 

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