Super Pulp 2 – das Fachblatt für Pulp-Thriller, Horror & Science Fiction

Super Pulp 2Pulp – ein Genre, dass mich seit meiner Jugend anspricht. Was zum einen recht lange her ist und zum anderen mir damals gar nicht bewusst war, da ich damals den Begriff Pulp noch nicht kannte. Aber gefallen hat es mir doch.
Später erfuhr ich dann von all den Dingen, die mir entgangen waren. „Weird Tales“ und wie sie alle hießen. Und nun gibt es einen Nachfolger. Der Verlags-Slogan lautet „Wir fordern: Schmutz und Schund für alle und beleben das gute alte Schundheft wieder“ – und er machte Lust, es mir einmal anzusehen.

Super Pulp 2 ist ein recht dünnes Heft, mit 38 Seiten unter dem Kaliber der normalen Heftromane. Aber der Inhalt gefiel mir durchaus. Das Heft enthält 3 kurze Geschichten, die nichts miteinander zu tun haben, sowie einer redaktionellen Beilage, die in der Mitte eingeheftet wurde.

Das farbige Titelbild ist ansprechend, informiert über die enthaltenen Geschichten und muss scheinbar ein Inhaltsverzeichnis ersetzen. Der Band ist zwar übersichtlich genug, um eigentlich kein Inhaltsverzeichnis zu brauchen, aber ich habe es trotzdem vermisst, irgendwie bin ich es gewöhnt, dass es vorhanden ist. Aber kein Beinbruch, es wäre halt noch das Tüpfelchen auf dem I gewesen.

Nach einem kurzen Editorial geht es direkt los mit der ersten Geschichte. „Cooking Kangoo“ von Alex De wird als liebevolle Hommage im „Retro-Cyberpunk“-Stil bezeichnet – und diese Bezeichnung passt. Man fühlte sich wieder zurückversetzt in die gute alte Zeit, als deutsche Übersetzungen noch etwas schwerfällig waren und man immer das englische Original vor Augen hatte. Wer ein Beispiel haben möchte … „Alkkopf“ sagt eigentlich niemand, „Boozehead“ ist aber ein in Amerika durchaus üblicher Begriff.

Trotzdem – oder gerade deswegen? – war ich begeistert, die Story hat durchaus Charme und einige überraschende Wendungen. Der Titelheld Cooking Kangoo – ausgestattet mit interessanten Fähigkeiten – streift durch die Nebenstraßen einer Großstadt, während er über Invasoren nachdenkt und uns so den Hintergrund nahebringt. Der Autor lässt offen, ob sich die Geschichte in der Matrix (oder wie auch immer sich das in dieser Welt nennt) oder in der Realität abspielt. Dafür werden spannende Ideen wie die untergegangene „Priesterschaft der Ladyboys von Oz“ erwähnt, freilaufende Tarballs, die Virusprogramme beherbergen und einiges mehr eingeflochten, was mich zu der Frage veranlasst hat, warum mir so etwas damals am Spieltisch nicht eingefallen ist. Dazu nehme man noch die Invasoren aus dem Metaversum namens „Roter Mond & Bergblick“ und die Widerstandsgruppe „Creative Community“. Zum Abschluss noch eine Prise Andeutungen auf verschiedene Filme bzw. Bücher aus der guten alten Zeit und man erhält eine wirklich spannende und gut erzählte Geschichte.

Als Nächstes wird uns das „Gigaman-Syndrom“ von George T. Basier angeboten. Laut Einleitung handelt es sich um eine Art „Origin Story“ aus der Welt der Superhelden und -schurken.
Gefiel mir nicht so ganz, lag aber wohl etwas am Thema, Amokläufe finde ich persönlich nicht unbedingt passend als Thema von Unterhaltungsliteratur. Trotzdem ist auch diese Geschichte gut geschrieben, wenn auch etwas verwirrender als die Erste. Die Hauptperson ist – wie der Titel schon erahnen lässt – ein Fan des Comichelden Gigaman. Dann entdeckt er, dass auch er besondere Fähigkeiten besitzt, doch im Gegensatz zu seinem Heldenvorbild schließt er sich der dunklen Seite an. Verständlich, denn wie jeder weiß, haben die Kekse. Eine interessante Story mit einem etwas offenen Ende, wo mich wie gesagt das Thema etwas stört.

Geschichte Nummer Drei ist „Suicide New“ von Helmut Santler. Das Genre … ich passe, ehrlich gesagt. SF ist es nicht unbedingt, Horror könnte stimmen, trifft es aber nicht ganz. Ist aber auch nicht wichtig, gefallen hat es auf jeden Fall.
Thema der Geschichte ist das Fernsehen … beziehungsweise die Tendenz des Fernsehens, immer krassere Spielarten finden zu müssen, um das Publikum zu halten. Spitzenreiter bei diesen Absurditäten sind die Asiaten, wo die Demütigung der Kandidaten schon viele Jahre vor DSDS und dergleichen Usus war. Die Hauptfigur nun ist ein Produzent, der den ultimativen Kick gefunden zu haben glaubte – eine Fernsehshow um Selbstmorde. Doch die Quoten brechen ein und er muss das Konzept der Sendung umbauen. Mit spitzer Feder und einem feinen schwarzen Humor wird hier der Gesellschaft ein Spiegel vorgehalten, denn ehrlich gesagt bin ich durchaus davon überzeugt, dass derartige Shows irgendwann wirklich produziert und konsumiert werden könnten. Großartig geschrieben, mitreißend und doch überzeichnet genug, um einen zum Nachdenken zu bringen, mit einem durchaus überraschenden Ende. Gerne mehr davon.

Last but not least haben wir dann noch den informativen Mittelteil. „Super Science“ genannt, läuft er unter dem Titel „From Pullach with Love“. Martin Compart informiert über das deutsche Gegenstück zu James Bond, Robert „Bob“ Urban, besser bekannt als „Mister Dynamit“. Von 1965 bis 1992 erschienen diese Reihe und hatte durchaus Erfolg. Sehr informativ und lesenswert, auf die Fortsetzung in Super Pulp 3 bin ich schon gespannt.

Im Ganzen ein schöner Lesespaß, zwar mit einzelnen Schwächen, aber nichts ist vollkommen. Ich zumindest werde in Zukunft öfter zugreifen und in der Erinnerung an die lange vergangene Jugend schwelgen. Durchaus zu empfehlen!

BERND MEYER

SUPER PULP Nr. 2
 – Das Fachmagazin für Pulp-Thriller, Horror & Science Fiction

38 Seiten, € 2,80, 
ISBN: 978-3-9502558-5-0
Verlagshomepage: evolver-books.at
 

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