Kultisten unter sich – Cthulhu-Con 2012

Auf dem Weg zur Gartenparty des Julian Gatsby

Von 9. bis 12. August fand auf Burg Rieneck im Spessart erneut die Deutsche Cthulhu Convention statt. Einen objektiven Bericht über die Cthulhu-Con 2012 zu verfassen, wäre ebenso unmöglich wie sinnlos. Oder hat schon einmal jemand einen solchen über ein Klassentreffen geschrieben? Und nichts anderes ist diese Convention: Es geht darum, all jenen Leuten zu begegnen, die man nur aus dem Cthulhu-Forum, aus dem Impressum von Pegasus-Publikationen oder eben von der letzten Cthulhu-Convention kennt. Und dann gibt es noch jene, die mitgeschleppt wurden oder spontan reingeschneit sind, und sich wundern, wie freundlich sie von diesem scheinbar so verschworenen Grüppchen cthuloider Alpha-Nerds willkommen geheißen werden.

Bei diesem Publikum ist die Convention fast ein Selbstläufer und der neu formierten Orga wurden ihre kleinen Schnitzer schnell verziehen. Klar, die Anmeldung für die Rollenspielrunden glich einer Mischung aus shakespeareschem Königsdrama und schierem Faustrecht. Aber auch hier gilt: Du bist an der CthulhuCon, das heißt, es wird sich immer noch wer finden, der spontan ein Abenteuer leitet. Schließlich sind locker die Hälfte aller Teilnehmer Cthulhu-Supporter, Redaktionsmitarbeiter, Autoren, Übersetzer, Blogger oder Fans, die den Schadensbonus eines Schoggothen auswendig wissen.

Höhepunkte gab es dennoch, wenn auch nur persönliche. So präsentierte der neue Cthulhu-Chefredakteur Heiko Gill den Publikationsplan für die nächsten Jahre: Es wird einerseits ein Grundbuch zum Gaslicht-Setting herauskommen, andererseits eine große, dreibändige Kampagne unter dem Titel »Die Bestie«, basierend auf dem englischen Band »Day of the Beast« und wie einst beim Orient-Express ergänzt durch neue Abenteuer und wesentlich mehr Hintergrundmaterial. Erweitert wurde das bekannterweise reduzierte Redaktionsprogramm von einer fulimanten Ansage der Fanpublikation »Cthulhus Ruf«, die neben zwei prall gefüllten Magazinen pro Jahr ein sehr ambitioniertes Zusatzprogramm präsentierte. So wird in Zukunft zu jedem Magazin ein »Archiv« mit zusätzlichem Material erscheinen. Anlässlich des Gaslicht-Bandes wird wie schon zur Kampagne »Berge des Wahnsinns« eine limitierte Mappe mit sorgsam produzierten Handouts und Requisiten erscheinen. Als wäre das noch nicht genug, hat das Team von »Cthulhus Ruf« eines der innovativsten Abenteuer des an Innovationen nicht armen Rollenspiels übersetzt und wird es als edlen limitierten Leinenband herausbringen. Die Rede ist von »Gatsby and the Great Race«.

Womit wir beim letzten Höhepunkt wären. Obwohl das Abenteuer schon an der letzten Cthulhu-Convention gespielt wurde, war das Gerangel um einen der 24 Spielerplätzen so groß, das letztlich gelost wurde. Im feinsten 20er-Jahre-Zwirn fanden sich Spieler und Spielleiter ein, um sich nach dem samstäglichen Grillabend auf dieses rollenspielerische Experiment für drei Spielerunden und sechs Spielleiter einzulassen. Allzu viel soll nicht verraten werden, nur so viel: Was als noble Gartenparty des reichen Erben Julian Gatsy beginnt, wird nicht nur die Nerven der Charaktere, sondern auch jene der Spielerinnen und Spieler auf die Probe stellen. Selbst bei alten Hasen wie dem ehemaligen Cthulhu-Chefredakteur Frank Heller und seinem Nachfolger Heiko Gill gingen die Emotionen hoch, als der Showdown nahte. Ein großartiges, einmaliges Rollenspielerlebnis. Und doch nur eines von vielen an diesem verlängerten Wochenende auf der Pfadfinderburg Rieneck. Denn wo gute Leute sind, da gibt es gutes Rollenspiel. Deswegen: ein Selbstläufer. Bis nächstes Jahr!

MARKUS WIDMER

 

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Eine Antwort auf Kultisten unter sich – Cthulhu-Con 2012

  1. RoM sagt:

    Wie schon Thor donnerte, “Gutes Gebräu. Mehr davon!”.