Filmkritik: Possession

Rüdiger Schäfer über das Dunkle in uns

Possession – Das Dunkle in dir (2012, Horror, Kino, 92 min., FSK 16)

 Im Vorfeld sogar mit dem Klassiker »Der ­Exorzist« verglichen, musste ich bezüglich dieses Streifens im Kino eine herbe Enttäuschung erleben. Im Mittelpunkt der überaus zähen Handlung steht die junge Em, die auf einem Flohmarkt eine geheimnisvolle Box ersteht. Diese lässt sich zunächst nicht öffnen, doch als Em des Nachts ein Flüstern vernimmt, das aus dem Innern des Kästchens zu kommen scheint, schafft sie es doch, und findet einen Zahn, eine tote Motte und einen Ring, den sie sich über den Finger streift. Wie in ungezählten ähnlichen Filmen üblich, entwickelt sich kurz darauf eine Folge ungewöhnlicher und immer beängstigender Ereignisse. Es stellt sich heraus, dass Em von einem sogenannten Dibbuk, einem Totengeist aus der jüdischen Mythologie besessen ist, der in der Box ­eingesperrt war. Ihr Vater ist zunächst der Einzige, der die Zeichen richtig deutet – und er stellt sich dem Kampf gegen den bösen Dämon.

»Possession« (hier engl. für Besessenheit), das sei vorweggenommen, kann es nicht einmal im Ansatz mit dem »Exorzisten« aufnehmen. Letzterer ist auch heute noch, fast 40 Jahre nach seiner Veröffentlichung, ein beeindruckender Film, der kaum etwas von seiner beklemmenden Wirkung verloren hat. Ole Bornedal, der 1994 mit »Nightwatch« immerhin einen grandiosen Low Budget-Gruselstreifen schuf, verliert sich mit »Possession« leider viel zu sehr in langatmigen Erzählsträngen und billigen Klischees. An mehreren Stellen wirkt der Film sogar unfreiwillig komisch, weil er allzu schablonenhaft und vorhersehbar in Szene gesetzt wird.

Wirkliche Schockmomente sind rar. Auch die im Vorfeld gestreuten Meldungen, dass der Streifen auf einer wahren Geschichte beruhe und dass es während der Dreharbeiten angeblich unerklärliche Vorgänge wie eine explodierende (nicht eingeschaltete) Neonröhre und einen Brand im Lagerhaus mit den Filmkulissen gegeben hätte, lassen eher an billiges Effektmarketing, denn an einen ernst gemeinten Exorzismusfilm denken. Außerdem fällt es extrem schwer, eine Beziehung zu den Handlungsträgern aufzubauen, eben weil sie so beliebig und ausdrucksschwach sind.

Fans von Horrorfilmen, die sich um Besessenheit und Dämonen drehen, mögen auf ihre Kosten kommen, sollten aber nicht zu viel erwarten. Ich persönlich fand »Possession« eher alltäglich und den Eintritt nicht wert.

RÜDIGER SCHÄFER

 

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