Filmkritik: Skyfall

Rüdiger Schäfer zum neuen James Bond

Skyfall (2012, Action-Thriller, Kino, 143 min., FSK 12)

Daniel Craig zum Dritten. Vier Jahre nach »Ein Quantum Trost« begibt sich der durch seine Rolle als Superagent James Bond weltweit bekannt gewordene britische Schauspieler zum dritten Mal in den Einsatz. Diesmal zieht er gegen Raoul Silva (gespielt von Javier Bardem) zu Felde, einen ehe­maligen MI6-Agenten, der sich an seiner früheren Chefin rächen will. Dabei geht es in Istanbul, Shanghai, Macao, London und den schottischen Highlands wie immer actionreich zur Sache.

Die Stunts und Spezialeffekte sind diesmal nicht so zahlreich und spektakulär wie in den beiden Vorgängern, passen jedoch zum insgesamt eher ruhigeren und nostalgischeren Stil des Streifens. Craig legt seinen Bond von jeher nicht als den überlegenen Playboy, sondern vielmehr als Charakter mit Ecken, Kanten und menschlichen Fehlern an. Für mich ist Craig nach Sean Connery ohnehin der beste Bond, weil er der Serie die unfreiwillige Komik ausgetrieben hat, die den Brosnan-Bonds noch anhaftete und einfach nicht mehr in die moderne Zeit passte.

Die Story ist zweifellos nicht besonders originell und ziemlich einfach gestrickt. Dafür ist sie perfekt auf jene Figur zugeschnitten, die neben James Bond seit 1995 (»Goldeneye«) wie keine andere brilliert und auch in »Skyfall« wieder Meilensteine setzt: Die große alte Dame Judie Dench als »M«! Neben der mächtigen Präsenz der obersten MI6-Beamtin verblassen selbst die üppigen Reize der so beliebten Bond-Girls. Leider ist es der letzte Auftritt der inzwischen 78-jährigen Amerikanerin als Vorgesetzte des Superagenten. Die Drehbuchschreiber haben ihr zwar einen dramatischen Abgang spendiert, doch traurig stimmt der Abschied dennoch.

»Skyfall« schafft es, den Bombast eines Blockbusters mit schauspielerischer Tiefe, feinem Humor und klassischen Thriller-Elementen zu kombinieren. Die diversen Anspielungen auf den Bond-Mythos und seine behutsamen Verfeinerungen, runden einen Film ab, der auch mit seinen über zwei Stunden zu keinem Zeitpunkt langweilt.

Der Titel des Streifens hat übrigens nichts mit einem streng geheimen Regierungsprojekt oder dem Kodenamen einer Superwaffe zu tun, sondern ist der Name von James Bonds Geburtshaus, in das er mit »M« vor dem bösen Silva flieht, und das er am Ende in die Luft jagt.

Für mich ist der 23. Bond einer der mit Abstand besten. Die nächsten beiden ­Streiche soll es bereits 2014 und 2016 geben – erneut mit Daniel Craig in der Hauptrolle. Beide Filme werden von John Logan geschrieben, der auch das Drehbuch von »Skyfall« mitverfasste. Das sind doch ­wunderbare Aussichten.

Rüdiger Schäfer

 

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