2012 – die es wissen wollen – der etwas andere Jahresrückblick

 

 Wenn schon jeder Privat- und Krawallsender zum Jahresausklang 2012 einen Jahresrückblick in Bildern erstellt, dann können wir das auch! Jetzt also der Observer-Rückblick in Text und Bild.

 Der Januar:

100 Tage Schonfrist räumte die FO-Redak­tion dem Projekt Perry Rhodan NEO ein. Danach stand eine inhaltliche Bewertung des sogenannten Reboots an. Clemens ­Nissen unterzog das erste halbe Dutzend der bis dahin erschienenen Taschenhefte ­einer genaueren Betrachtung und beschrieb den Einstieg folgendermaßen:
„50 Jahre und 2.600 Romane nach dem Serienstart. Der Kalte Krieg ist vorbei, Deutschland wiedervereint. Die Russen sponsern Schalke 04. China unternimmt Stützungskäufe, um westlichen Währungen beizustehen. Eine neue technische Revolu- tion ist über die Menschheit hereingebrochen: Der Siegeszug des Computers. Virtuelle Spiele und Ersatzwelten schlagen viele Menschen in ihren Bann, mancher wird süchtig und versinkt so in Lethargie, wie Scheer und Ernsting es zur Zeit von Schreibmaschine und Rechenschieber ­Außerirdischen angedichtet haben.“

Insgesamt war sein Fazit vorsichtig optimistisch. Der Rastatter Chefredakteur ­jedenfalls setzte dabei durchaus auf Neu-Autoren, auch in Sachen Exposés. Diese verfasste Frank Borsch. Zum jetzigen Zeitpunkt, Anfang Dezember 2012, sind insgesamt 31 Bände erschienen. Bei 160 Seiten Umfang entsprach das rund 82 klassischen Heftromanen. Da die Handlung in Kompaktzyklen zu jeweils 8 Taschenheften ­gegliedert wurde, kann man davon ausgehen, dass Perry Rhodan NEO noch ein Weilchen erscheint.

Der Februar:

Groß verkündete es der Titel: „Skandal in Fandomien!“ Die Bösewichte sind die Fans, vor allem jene, die als Bookcrosser (oder -crosserinnen) sich erdreisten, Rezensionsexemplare zu ergattern und diese dann anschließend kritisch, statt lobhudelnd zu besprechen. Eine Sauerei fand das ein Autor und Verleger. Ausführlicher kommentierte er das wie folgt:

„Sie schießen wie die Strauchdiebe aus den Büschen, schnorren sich das Buch von der Messe und drohen dann auch noch rotzfrech an, dass sie eine Rezension darüber schreiben möchten – und sobald man sie nicht ordentlich beschenkt, verreißen sie einem das Werk.“ So urteilt John Asht über die Buchblogszene.

Ach ja, Undank ist der Welt Lohn. Und dann gab es da noch jene Rezensentin, die sich zu dieser Replik hinreißen ließ: „Um in ­meinem Blog eine gute Rezension zu bekommen, gibt es eine ganz wichtige Grundvoraussetzung: Man muss ein gutes Buch schreiben“, so Petra Hartmann.

Ja ist es denn wahr? Nun fragte sich der Fandom Observer, in der Person von Manfred Müller, durch die Szene, eruierte, interviewte gar den Autoren, der sich in schrillen und manchmal eher verwunderlichen Statements äußerte. Nach langwieriger Betrachtung, dem Zusammentragen aller Daten, Fakten, Hintergründe war das Thema auf insgesamt neun Observer-Seiten aufgedröselt und Herr Müller kam zu der Erkenntnis:

„Den Buchbloggern, von Asht als „Rezensenten-Mafia“ verleumdet, hat das wundersame Kammerspiel im Januar 2012 nicht geschadet, im Gegenteil: bestehende Ver- bindungen wurden gestärkt und neue geknüpft. Der Traffic mancher Blogs verzehn- und verhundertfachte sich. Der Kommunikation in einer Szene kann ein solches Ereignis nur förderlich sein. Mal ganz davon abgesehen, daß auf den Resten dieses Sturms von Scheiße – um im Bild zu bleiben – neue Projekte gut gedeihen werden. Mit Ausnahme vielleicht jener von John Asht. Ihm sagen wir keine große Zukunft voraus.

Der März:

Auch in dieser Ausgabe „müllerte“ es ­wieder. Der Redakteur, Essayist, Berichterstatter und Kommentator nutzte die Gelegenheit, sich mit dem virtuellen Leben auseinanderzusetzen. Arbeitstitel: Second Life – die orbitalen Visionen des Kueperpunk Korhonen Oder: wie aus dem Fandom Observer ein rasender Toaster wurde.

Es ging um die virtuelle Welt, die 2003 in San Francisco, Amerika, an den Start ging und jetzt – neun Jahre später – um die 28 Millionen eingetragene Besucher verbuchen kann. Eingetragen heißt wohl registriert. Da stellte der Observer-Reporter sich die Frage. „Was treibt wohl so viele Menschen in diese virtuelle Welt? Ist das reale Leben nicht mehr genug? Und so heftete er sich an die Fersen von Torsten Küper, der sich als ­Kueperpunk Korhonnen in Second Life ­bewegt. Die sprachliche Nähe zu „Harkonnen“, aus dem Dune-Zyklus von Frank Herbert), ist sicherlich rein zufällig (!).

Das Interview mit Torsten Küper brachte es rasch ans Tageslicht: Weder lassen sich in Second Life Reichtümer scheffeln oder Ruhm und Huldigung erwerben. Stattdessen betreibt er dort das Café Krümelkram und beglückt seine Besucher mit – ja was nun? – Inhalten, Kultur, Lesungen. Auf die Reporterfrage: „Im Ernst, was kostet der Spaß?“, gab es von Torsten Küper die launige Antwort: „Reden wir nicht über Geld. Aber es kostet, es geht einiges an Euros jeden Monat durch, um das hier zu halten, um hier arbeiten zu dürfen. Einnahmen haben wir keine, das war aber auch nie die Idee.“ Gegen später legte er nach mit: „Ich glaube, es sind mehr gewisse mediengeschürte Vorurteile über die psychologische Veranlagung von SecondLifern. Die da wären? Jungs ohne Freundin, die in Phantasiewelten leben, mit anderen Worten also der durchschnittliche Science-Fiction-Fan, wie man ihn früher sah.“ Ja, da schau an. Also kämpfen auch die Second Lifer mit den üblichen Vorurteilen der Normalos. Das beruhigt uns jetzt aber ungemein.

Der April:

In der Aprilausgabe verließ der Observer die künstlichen Welten und tauchte stattdessen ein in die reale Welt von Leipzig. Es war Messe in Leipzig, genauer gesagt, die Leipziger Buchmesse. Regelmäßig im Frühjahr präsentiert Leipzig die Konkurrenzveranstaltung – oder soll mal lieber „Alternative“ sagen – zur großen Frankfurter Veranstaltung. Getreu dem Motto „noch ist nicht ganz Gallien, ähem, ganz Deutschland, im Würgegriff des großen Molochs.

Andererseits, wer beruflich Messen besucht, für den ist der Dienst als Standbesatzung, also an der Kundenfront, kein Zuckerschlecken. Klaus N. Frick, seines Zeichens Chefredakteur einer Science Fiction Serie, in einem uns allen nicht unbekannten Verlag zu Rastatt, mühte sich ab, die Vorteile oder Erfolge der Veranstaltung zu benennen. Er führt an „Die Kontakte“: Es ist der direkte Kontakt zum Publikum … Dazu kamen haufenweise Jugendliche – fast immer Jungs … Gelegentlich stellten sie Fragen, auf die ich dann eine vernünftige Antwort zu suchen hatte. Solche direkten Gespräche gibt es in Frankfurt kaum; dafür ist keine Zeit. Der normale Verlagslektor sieht das gewöhnlich anders: Viele Lektoren fuhren 2012 erst gar nicht nach Leipzig, weil sie hier keine Geschäfte abwickeln, sondern sich mit Lesern herumschlagen müssen.“

Ach du liebes bisschen – Leser, die Fragen stellen! Und da Klaus schon beim Aufzählen ist, komplettieren wir die Liste um die weiteren drei Gründe, die einen Verlagsangestellten nach Ostdeutschland reisen lassen. Da wären: Lizenzen, also die Fachgespräche und Verabredungen mit anderen Verlegern, Herausgebern und Kollegen aus der Branche. Als Punkt zwei ergibt sich daraus, fast zwingend, der Kontakt zu Geschäftspartnern, gemeinsame Projekte oder Koopera­tionen. Zu guter letzt sind da auch noch Autoren, die ebenfalls über die Messe schlendern. Sein Fazit: „Man bekommt als Besucher oder auch als Standmitarbeiter genug von der phantastischen Literatur mit, mehr als bei jedem x-beliebigen Con, mehr als durch die Lektüre von Fanzines oder noch so guten Internet-Seiten.“ Das lassen wir jetzt einfach mal so stehen.

Der Mai:

Der Wonnemonat Mai setzte seinen Schwerpunkt auf das Thema Film. Hier speziell auf „Die Tribute von Panem – The Girl in ­Flames“. Robert Musa hatte sich den Blockbuster angesehen und auch einen Seitenblick auf die Kritiker geworfen. Tja, nicht nur die Sesselpupser und Controller der Filmstudios sind dem Filmkolumnisten des Fandom Observer ein Dorn im Auge. Manchmal  liest er auch die Ergüsse des Feuilletons – und stellt diese den Observer-Lesern vor. Kostprobe gefällig? Aber bitte, gerne: „Bei all dieser us-amerikanischen Farbenpracht, kann das hiesige Feuilleton nicht mithalten. Hier rasselte (nahezu) unisono das Fallgitter der„Verherrlichung von Gewalt an Kindern“ herunter. Es sei ein untragbarer Zustand, daß Hollywood inzwischen minderjährige Protagonisten in Gewaltorgien zelebriere. Kinder, die sich gegenseitig abschlachten würden, seien für das Kino unverzeihlich. Ein Konzept, das rundweg abzulehnen sei. In einer Radiosendung zu den Neustarts der Woche, erbrach sich der Kritiker förmlich in sein Mikrophon.“ und weiter: „In einer weiteren Kurzvorstellung – Marke 90 % Bildmaterial und 10 % Text – wird der Mangel an Ironie wie Humor beklagt. Ein irritierendes Ansinnen, denn die ironische Distanzierung hätte dem Anliegen des Film schnurgerade das Genick gebrochen.“

Ja, ja, die Kritiker. Zum Glück sind sie nicht auf dem Alzcon zugegen, denn Herr Musa kann „Axt“! Bevor ich es vergesse, es gab ja auch noch den Film, der seine inhaltliche Würdigung und Bewertung erhielt. Hier kam Robert zu dem Ergebnis: „‚The Hunger Games‘ ist das, wofür Kino sich im Ideal eignet. Mitreißend, anspruchsvoll und sein Publikum ernst nehmend. Ein Fingerzeig für Hollywood, das die Kundschaft ihrer Elaborate für in der Tendenz lieber ein wenig anspruchsarm hält. Die satte Box-Office, allein in den Staaten, geht hier einmal in die richtige Richtung.“

Der Juni:

Jahres-Halbzeit – und Conzeit. Der Titel auf der Juni-Ausgabe des Fandom Observers verriet dem geneigten Leser, worauf er sich einstellen konnte. Auf Cons! Tolle Tage in Zagreb, Warten auf Shatner in Augsburg sowie ein Familientreffen mit Zombies, Bestattern und Einhörnern im beschaulichen Marburg. Drei Frauen besuchten drei Veranstaltungen. Für den Observer berichteten Monika Tresk, Katrin Hemmerling und Petra Hartmann von den entsprechenden Veranstaltungen.

Zum Eurocon (KONTAKT) in Zagreb äußerte sich der amerikanische Ehrengast Tim Powers folgendermaßen: „KONTAKT was a wonderful convention, very smoothly run, with lots of fascinating panels and guests, and Zagreb is an endlessly enchanting city. We hope to come back again soon!“ Tim Powers, GoH, USA.

Bei der Star-Trek-Convention merkte Katrin Hemmerling an: „Wie erwartet standen die restlichen beiden Tage dann ganz im Zeichen von William Shatner. Der Besucherandrag war so immens, dass sich die Warteschlangen für ein Foto und/oder ein Autogramm teilweise bis zum Taxistand am Flughafenterminal ausweiteten.“

Petra Hartmann konstatierte zur Marburger Veranstaltung: Etwas wenig „Laufkundschaft“ kam zwar ins Bürgerhaus, man war unter sich, aber: „Ich bin superzufrieden“, so das Fazit von Organisator Thomas Vaterrodt. „Der glücklichste Moment war, als ich festgestellt habe, dass ich nicht zu viele Getränke gekauft habe.“

Na, dann drücken wir die Daumen, dass der als Familientreffen bezeichnete Con in Sachen Besucher noch zulegen kann.

Der Juli:

Der Comic-Salon in Erlangen trat zum fünfzehnten Mal an und lockte die stolze Anzahl von rund 25.000 Besuchern in die Stadt. So war es auch kein Wunder, dass der Hauptbestandteil dieser Veranstaltung die Heinrich-Lades-Halle belegte. Die 140 Aussteller präsentierten an die 400 Künstler dieses Genres, die sich an den weit über 1.000 Signierstunden abarbeiteten. Pascal Philp berichtete ausführlich darüber:

„Die Messe zeigte dieses Jahr vor allem eines: Deutschland hat eine blühende ­Comicszene, die anfängt alles und jedes Thema abzudecken: Humor, Superhelden, Action, Fantasy, Anspruchsvolles, Drama, Erotik, Vampire, Politisches, Science Fiction – alles schön gemischt!“

Neben Programm-Panels und Podiumsveranstaltungen gab es logischerweise auch eine Comicbörse, mehrere Preisverleihungen, einen Cosplay-Wettbewerb sowie ein Comic-Filmfestival und Lesungen.

Wie es scheint, ist auch das Medium Comic zwischenzeitlich im Mainstream angekommen. So wurde der wichtigste deutschsprachige Comicpreis, der Max-und-Moritz-Preis, von der Stadt Erlangen und einer ausgewählten Jury verliehen. Die Modera­tion dazu bestritt Hella von Sinnen.

Subjektiv und mit dem launigem Titel „Gib Gummi, Gucky!“, kommentierte Olaf Brill anschließend die Veranstaltung aus seiner Sicht. Er schloss seinen Beitrag mit: „Wir trinken, flirten, schmieden Pläne, bewundern Artwork und weibliche Formen. Während der ganzen vier Tage treffen sich Zeichner, Autoren, Verleger und Redakteure und quatschen über neue Projekte. Mal sehen, was draus wird. Ich werd’ jetzt jedenfalls erstmal ein paar Comics lesen. Und schreiben.“

Traurig: Zwei Tage, bevor der Comic-Salon seine Porten öffnete, verstarb der bekannte Autor Rad Bradbury im Alter von 91 Jahren in Los Angeles, USA. Der Fandom Observer würdigte das Lebenswerk des bekannten Schriftstellers und seine beeindruckenden Werke wie Mars-Chroniken, ­Fahrenheit 451 und Der illustrierte Mann.

 Der August:

Wenn auf der Titelseite des Fandom Observers die Überschrift „Nur echt mit Lager­feuer“ prangt, dann hat mit Sicherheit ­wieder ein Alzcon stattgefunden. Ein Conbericht dazu gibt es so gut wie nie. Böse Zungen behaupten, die zunehmend alternden Besucher seien geistig nicht mehr in der Lage, die zweitägige Veranstaltung angemessen zu schildern. Aber holla, das läßt sich widerlegen! Martin Kempf fasste die Veranstaltung so zusammen:

„Der Alzcon steht vor der Tür und da trifft sich die geistige Elite des Fandoms rund um einen rauchenden und stinkenden Asche­haufen. Und je später die Stunde, um so vergeistigter werden die Gespräche (so denn überhaupt noch Gespräche erforderlich sind – meistens ist man dann schon so fortgeschritten vergeistigt, daß alle nur noch wortlos in die Flammen starren, aber trotzdem jeder weiß, was gemeint ist. Und insgeheim denkt sich jeder: Nach diesem Wochenende muß man eine Stunde im warmen Seifenwasser einweichen, bis der Dreck und Gestank wieder raus geht …Alle Jahre ­wieder.“

Aber diese Ausgabe hatte auch noch etwas für die anspruchsvolleren Leser zu bieten. Olaf Brill interviewte den Ritter des Neoversums. Gemeint ist Hermann Ritter, der seinen ersten Taschenheft-Roman für die Serie Perry Rhodan Neo verfasste. Herrjeh, das Rastatt-Virus grassiert!

Olaf Funke warf einen Blick in das Comic-Universum des amerikanischen Verlages DC und setzte sich mit dem stattgefundenen Relaunch der Superhelden-Comics auseinander. Davon betroffen sind so bekannte Reihen wie Superman und Batman. Manch einer von uns hat diese Comics im zarten jugendlichen Alter tatsächlich gelesen. Wir wollen jetzt aber niemanden strafend anschauen. Zu ekstatischen Jubelstürmen jedenfalls wurde Olaf nicht hingerissen. Zum Supergirl-Comic brummelte er: „Die zweite Geschichte um Supergirl ist dagegen mehr eine nette Dreingabe. Man sieht, wie ihr Raumschiff auf der Erde landet und sie sich dann mit einigen Männern in Rüstungen rumprügelt. Das ist ganz guter Durchschnitt, gegen die ausgezeichnete Hauptgeschichte jedoch nichts Besonderes. Aber wenigstens bekommt man hier am Ende noch Superman in seinem offiziellen Kostüm zu Gesicht und ich muss zugeben, die modernisierte Variante des ollen Strampelanzugs mit Unterhose sieht ziemlich gut aus.“ Das lassen wir jetzt einfach mal so stehen.

Der September:

Olaf Funke stellte fest, dass weitere Altmeister der Science Fiction und Raumfahrt von der Bühne abtraten. Im August erwischte es den Autor Harry Harrison und die Apollo-Legende Neil Armstrong. Ersterer bekannt durch seinen Roman „Make Room! Make Room!“, der als Vorlage für den Filmklassiker „Soylent Green“ diente. Und der Zweitgenannte durfte 1969 als erster Mann den Mond betreten. Damals verfolgte ich als 6jähriger fasziniert die Rückkehr der Apollo-Kapsel im Schwarz-weiß-Fernsehen und wuselte immer ans Fenster, um zu schauen, wann das Ding am Himmel sichtbar sein würde. Und wehe, jetzt lacht einer von euch Banausen! Natürlich war ich völlig geknickt, als man mir erklärte, dass die Apollo-Kapsel von unserem Wohnzimmerfenster aus nicht zu sehen sein würde.

Was gab es sonst noch? Markus Widmer berichtete von der Cthulhu-Convention und fasste sie unter dem Motto „Kultisten unter sich“ zusammen. Etwas ausführlicher beschrieb Simone Edelberg ihre Reise vom beschaulichen Münchner Stadtteil Feldmoching in die norddeutsche Con-Niederung nach Kiel. „Urlaubs-Con und Meer“ versprach das Conplakat. Leicht verwundert stellte sie fest, dass es auch in Norddeutschland Erhebungen gibt: „Grenzenlos verblüfft war ich, dass ein Teil des Weges bergan führte, ja, sich geradezu als hügelig entpuppte. Und da sage mal einer, Norddeutschland sei flach!“ Immerhin durfte sie eine „harmonische“ SFCD-Mitgliederversammlung erleben und war auch sonst mit dem Con zufrieden.

 Der Oktober:

Orgie für die Augen – titelte die Oktober-Ausgabe und meinte damit den SF-Film „Prometheus“. Angekündigt als das Werk des Meisters – Ridley Scott – kalauerte Martin Kempf: „Gehäckselte Bruchstücke aus dem galaktischen Rüttelwürger.“ Damit ließ er schon in der Headline keine Zweifel aufkommen, was er von diesem Machwerk hielt. Und um die FO-Leser gleich passend einzustimmen, ergänzte er die Aussage mit: „Am Ende bleibt der schale Nachgeschmack, dass hier ein Altmeister wohl schlicht zu viele Ideen einbringen wollte, aufgrund der begrenzten Filmlänge diese leider häckseln musste und aus dem Schreddergut dann blind 7 aus 49 herauszog, um dieses Potpourri mit ganz viel tollen Bildern zu einem Film zusammenzumixen.“ Au weia!

Wenn die Kritiker sich im Fandom Observer versammeln, dann aber gleich richtig. Hermann Ritter begutachtete ­„Inklings – das Jahrbuch für Literatur und Ästhetik“. Sein Fazit könnte man wahrscheinlich unter dem Begriff „vernichtend“ zusammenfassen. Er gab noch ganze fünf Wörter hinzu und beschrieb es mit dem Satz „Vom Elfenbeinturm hinab in die Ackerfurche“. Aha, uns schwant etwas. Damit wir gar nicht erst rätseln müssen, überreichte er uns seine Einschätzung: „Aber egal, wie man selbst dazu steht: Dieses „Inklings-Jahrbuch“ ist eine Schande für die deutsche Phantastik, ein pseudo-anglistisches Sammelsurium von zum Teil interessanten Beiträgen, die unattraktiv verpackt, zum Teil lausig recherchiert und vom Fandom so weit entfernt sind (und sein wollen) wie die Andromeda-Galaxis.“

Als Ausgleich dazu hielt der FO noch ein paar Schmankerln bereit. Merlin Thomas setzte sich mit dem Roman „Aethergarn: Die Steampunk-Chroniken 1“ auseinander, Peter Herfurth-Jesse hatte „Vortex“ von Robert Charles Wilson gelesen und Karl Aulbach hatte in „Wo nie ein Kind zuvor gewesen ist…“ gestöbert. Er empfiehlt uns den Paperback-Band vom Kid-Verlag auch und gerade wegen der 900 (!) Fußnoten. Die Begründung: Eine Quelle des Entzückens für erfahrene Altleser.

Der November:

Was kommt nach dem Oktober? Der November! Ja, schon, aber auch „Der Bücherherbst“. Denn die Buchmesse in Frankfurt fand statt und Redakteur Florian Breitsameter betätigt sich als Statistiker.

„Vom 10. bis 14. Oktober 2012 fand in Frankfurt wieder einmal die größte Buchmesse der Welt statt. Insgesamt 281.753 Besucher besuchten über 7.300 Aussteller aus rund 100 Ländern und informierten sich dort über Neuerscheinungen und Verlagsprogramme. Fünf Tage lang war Frankfurt die Hauptstadt der Literatur.“ Passenderweise ist so auch die erste Hälfte des FO mit Buchvorstellungen und -besprechungen gefüllt. Nebenbei erfuhren wir noch, dass die Magazine NOVA und phantastisch! an einzelnen Bahnhofsbuchhandlungen käuflich erworben werden können. Hm, ich verrate jetzt mal lieber nicht, wieviel Hefte von SAGITTARIUS die Herren Frick und Freunek seinerzeit (in den 80ern!) über die Kioske absetzten. Vielleicht mache ich eine Ausnahme, wenn man mir ausreichend Weizenbier auf den Tisch stellt…

Katrin Hemmerling war auf der Ring*Con 2012 und nutzte dort die Gelegenheit, mit Tommy Krappweis ein Interview zu führen. Es ging um seinen Roman „Mara und der Feuerbringer“ sowie dessen angekündigte Verfilmung. Dabei äußerte er sich zu dem generellen Problem, welches bei einer Roman-Umsetzung in das Medium Film entsteht: „Das, was ich in dem Roman geschrieben habe, hätte 40 Millionen gekostet und wir haben wahrscheinlich ein Budget von irgendwas unter 10 Millionen. Ich muss also wirklich auswählen, was ich die 90 Minuten packe…“

Für all jene, die überlegen, wo sie den Namen Krappweis eventuell schon mal gehört haben: „2004 erhielt Tommy Krappweis für die Idee und Realisation der Figur „Bernd, das Brot“ den Adolf-Grimme-Preis in der Kategorie „Spezial“. 2009 erschien sein erster Roman „Mara und der Feuerbringer“. Anmerkung: Bernd das Brot ist eine ­Figur des Kinderfernsehkanals KiKA, ein sprechendes und meist deprimiertes Kastenweißbrot mit kurzen Armen.

Der Dezember:

Der Endspurt zum Jahresende. Die Weihnachtsmärkte stehen vor der Tür und ein Beitrag, der eigentlich schon früher erscheinen sollte, wegen Platzmangels aber verschoben wurde, durfte ins Heft. „50 Jahre SETI“. Das sind fünfzig Jahre Horch und Guck. Zuerst nur Horch, als damals, in den 60er Jahren, die Idee entstand nach außerirdischen Zivilisationen Ausschau zu halten. Der Grundgedanke: Irgendwo in der Milchstraße könnte E.T. sitzen und fleißig senden, um andere Intelligenzen (also uns) mitzuteilen, Hallo – wir sind da! Später erweiterte man das Lauschen um das Gucken. Immerhin fanden sich so einige Exoplaneten und wir wissen jetzt, ja, auch andere Sterne haben Planeten, die sie umkreisen. Ansonsten aber war es nichts mit anderen intelligenten Lebewesen. Weder knuddelige E.T.s noch räuberische Invasionshorden wurden gefunden.

Daneben gab es noch den Kinostart des Blockbusters „Skyfall“ und die Osnabrück-Redaktion des Fandom Observers wurde vom Autohaus Rahenbrock als „wichtige Person“ entdeckt und für würdig befunden, den Kundenevent mit gemeinsamem James-Bond-Gucken zu zelebrieren. Der Sitznachbar im Kinosaal 5 formulierte es wesentlich unfeiner: „Aha, auch Beta-Kunde!“ Gut, dass es mal gesagt wurde. Rüdiger Schäfer unterbrach seine Autorentätigkeit für die Atlan-Reihe lang genug, um sich durch die Filmankündigungen zu pflügen und entsprechend knackig die gesehene ­Filme vorzustellen.

In München war „MucCon 2012 – die Phantasten laden 2.0“. Ja, es war die zweite Veranstaltung mit diesem Namen und ­Michael Höppner steuerte just in time seinen Bericht zur Veranstaltung bei, während Udo Klotz die Bebilderung mittels Fotos ­besorgte.

Fertig! Es ist vollbracht. Ein komplettes Kalenderjahr im Schnelldurchlauf ist im Kasten. Erstaunlich war für mich, dass ich einen großen Teil der Themen selbst nicht mehr auf dem Schirm hatte.
 Günther Freunek

 

 


 

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