Phantastischer Pott: Dort.Con 2013

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Zum mittlerweile siebten Mal findet am 9. und 10. März 2013 die Dortmunder Science Fiction Convention, kurz DORT.con, statt. 

Nach dem Start im Jahr 2002 findet der DORT.Con nun immer in den ungeraden Jahren statt und man wechselt sich mit dem mittlerweile ebenfalls nur noch alle zwei Jahre stattfindenden ColoniaCon in Köln ab.

Dabei gibt es durchaus Unterschiede in der Konzeption: Während die Converanstalter aus Köln sehr stark auf die Leser deutscher ScienceFiction- und Phantastikserien setzen, war es dem Team aus Dortmund von Anfang an wichtig, auch internationale Autoren nach Deutschland einzuladen. In diesem Jahr sind Charles Stross, Michael Marcus Thurner und Stas Rosin Ehrengäste des DORT.Con.

Frühere Ehrengäste waren Norman Spinrad, Andreas Eschbach, Larry Niven, Barbara Slawig, Alastair Reynolds, Thomas R. P. Mielke, Nancy Kress, Kai Meyer, Walter H. Hunt, Markus Heitz, Robert Charles Wilson, Leo Lukas und Alexander Preuss.

Veranstaltungsort des DORT.con ist auch in diesem Jahr wieder das Fritz-Henßler-Haus (FHH), Geschwister-Scholl-Straße 33-37, 44135 Dortmund. Als Haus der Jugend verfügt es über bestens geeignete Räumlichkeiten: Einen Kinosaal mit Bühne und 300 Plätzen, mehrere Seminarräume, eine gemütliche Cafeteria mit günstigen Tarifen und genug Platz für die Börse. Das FHH liegt in der Stadtmitte und ist vom Hauptbahnhof zu Fuß keine zehn Minuten entfernt.

Der Vorcon am Freitagabend findet in diesem Jahr ab 19:00 Uhr in der CU Restaubar (Kampstraße 41, 44137 Dortmund, http://www.cu-bar.de/) statt. Zur Speisekarte gehören Pasta, Baguettes, Burger, Tapas und Nachos.

Wir haben Chairman Arno Behrend wenige Tage vor dem Con und mitten im Vorbereitungsstress noch zum Interview gebeten.

Das Motiv für das Plakat des Dort.Cons 2013 stammt von Stas Rosin

Das Motiv für das Plakat des Dort.Cons 2013 stammt von Stas Rosin

Mal kurz für alle Unentschlossenen: Warum sollte man sich den diesjährigen Dort.Con nicht entgehen lassen?

Arno Behrend: Wir haben einen Vortrag mit dem Titel »Eigentum, Sex und die Cloud« mit im Programm. Darin geht es darum, wie die heutigen Möglichkeiten des Webs den Lebensstil der Menschen auf allen möglichen Gebieten verändern werden.

Unsere neueste Referentin Bettina Wurche wird einen souveränen Auftritt als vulkanische Wissenschaftlerin hinlegen und über untereeische Lebewesen auf dem Jupiter-Mond Europa berichten.

Wir haben diesmal einen starken Steampunk-Schwerpunkt im Programm mit drei Vorträgen von Jürgen Lautner und Axel Jahnke sowie einem optisch sehr ansprechenden Ausstellungsstück in der Börse. Es gibt weitere Vorträge zu Medizin in der Zukunft, Fantasy in der Musik, Musik in Hörspielen, Ray Bradbury, die ISS, kommerzielle Raumfahrt und Fanfilme.

Für Eröffnung, Schluss und Samstagabend-Show haben wir uns auch schon etwas ausgedacht. Und natürlich wird es auch wieder den Science Fiction-Poetry Slam geben. Unsere hochinteressanten Ehrengäste werden uns Einblicke in Ihr Schaffen und Ihre Ideen geben. Das beginnt mit Stas Rosin und seiner Ausstellung mit vielschichtigen Illustrationen.

 

Charles Stross sollte bereits vor zwei Jahren nach Dortmund reisen, damals musste er allerdings kurzfristig absagen und Robert Charles Wilson sprang ein. Nun, diesmal kommt Charles Stross, oder?

Ja, wenn jetzt nicht noch irgendetwas schief geht, wird er da sein. Wir sind sehr froh darüber. In seinen Büchern leben Menschen in einer Zukunft in der sie sich über Beschränkungen wie Raum, Zeit und Tod mit großer Leichtigkeit hinwegsetzen können. Das hat in der SF zur Zeit Seinesgleichen nicht. Wir haben schon in den Gesprächen, die wir bis jetzt mit Charles Stross geführt haben, einen Eindruck davon bekommen, wie vielfältig seine Interessen und seine Gedankenwelt sind. Ich verspreche mir davon ein sehr interessantes Interview.

 

Die Translatoren für Wienerisch stehen auch schon bereit, nehme ich an? 

Ja, Gabi Behrend kriegt das ja ganz gut hin. Und Erfahrungen haben wir ja vor zwei Jahr schon gesammelt, als Leo Lukas bei uns war. Aber im Ernst – auch Michael Marcus Thurner hat unserem Publikum einiges zu bieten. Seinen letzten Roman »Plasmawelt« finde ich außergewöhnlich packend.

 

Das Fritz-Henßler-Haus ist ein kommunales Jugend- und Begegnungszentrum in Dortmund. Hier der Blick auf den Eingangsbereich der Veranstaltungshalle.

Das Fritz-Henßler-Haus ist ein kommunales Jugend- und Begegnungszentrum in Dortmund. Hier der Blick auf den Eingangsbereich der Veranstaltungshalle.

Was wird neu sein in diesem Jahr?

Ich finde, dass wir mit den Steampunk-Programmpunkten erstmals einen ungewöhnlich starken Schwerpunkt im Programm haben. Ich bin gespannt, wie das Publikum das findet. Über Literatur, Kunst und Lebensstil aus diesem Bereich gibt es so viel zu erzählen, dass wir das gerechtfertigt finden. Insbesondere Leute, die mit Steampunk bisher nichts am Hut hatten, können bei uns mal antesten, ob ihnen an dieser Richtung nicht doch etwas gefällt. Und dann wird bei uns erstmals mit Schwertern gekämpft! Unser Komitee-Mitglied Lars Adler kennt sich damit aus und wird bei seinem Programmpunkt Bezüge zur SF herstellen.

 

Und zuletzt noch die kulinarische Frage zum Con – wird es auch in diesem Jahr wieder frisch gegrillte Bratwürste für die hungrigen Conbesucher geben?

Wir arbeiten mit ganzer Kraft daran.

 

Charles Stross

Der 1964 im britischen Leeds geborene Autor hat eine Vision. Die atemberaubende und letztlich bedrohliche Beschleunigung der technischen Entwicklung, die unter anderem von Vernor Vinge unter dem Begriff »Singularität« vorhergesehen wurde, wird in seinen Büchern zur Bühne für verstörende Ereignisse. Dabei versteht er es, den Leser mit auf die Reise zu nehmen, in eine Welt, in der scheinbar unveränderliche Grundfesten unserer Gesellschaften längst variable Verfügungsmasse geworden sind. Menschen können sich verdoppeln und vervielfachen, sie können sterben und beliebig oft wieder auferstehen, sie können sich in Tiere oder Maschinen verwandeln, weibliche oder männliche Körper annehmen, ihr Gedächtnis verlieren oder mit einer neuen Identität programmiert werden.

Charles Stross - fotografiert von Cory Doctorow

Charles Stross – fotografiert von Cory Doctorow

In dieser Welt wäre ein Mensch der heutigen Zeit hilflos. Genauso würde es dem Leser ergehen, wenn es Charles Stross nicht gelingen würde, in Romanen wie Accelerando und Glashaus für den Leser passende Brücken zu bauen. Ständig bleibt er den zukünftigen technologischen Umwälzungen auf der Spur, die die Menschheit vielleicht nicht vernichten aber möglicherweise in eine völlig andere Lebensform umwandeln werden.

Stross überzeugt, egal ob er sich mit der nahen oder mit der allerfernsten Zukunft beschäftigt. Nach dem Urteil zahlreicher Rezensenten schreibt er die modernste Science Fiction unserer Zeit.

 

Michael Marcus Thurner 

… schreibt seit 2002 für die Serien Atlan und Perry Rhodan. Seit 2003 gibt es aus seiner Feder außerdem regelmäßig Beiträge zur Heftserie Maddrax. Mit »Turils Reise« ist 2009 sein erster eigenständiger Roman außerhalb der Heftreihen erschienen. Der Autor folgt darin den Abenteuern eines menschenähnlichen Thanatologen – anders ausgedrückt, eines Bestattungsunternehmers mit erweiterten Befugnissen. Wenn es sein muss, leistet der Held Turil auch schon mal aktive Sterbehilfe. In der wenig ansprechenden Raumregion »Kahlsack« wird er mit der exotischen Spezies der Kitar konfrontiert – der Anfang einer langen und abenteuerlichen Reise. Dem Romandebut werden Schwung, Spannung, Exotik und ein erfrischender Humor bescheinigt. Von den ersten Seiten, so die Kritiker, wird der Leser regelrecht überrumpelt. Ein zweiter Roman, der im selben Universum spielt, ist inzwischen unter dem Titel »Plasmawelt« erschienen.

 

Stas Rosin

… wurde in Odessa in der Ukraine geboren, siedelte aber 1996 in den Ruhrpott über, wo er das Heinrich-Kleist-Gymnasium in Bochum besuchte. Später studierte er an der Ruhr-Universität Sozialpsychologie und Pädagogik. Schon während der Schulzeit fand seine erste Ausstellung statt, der weitere in Düsseldorf und Bochum folgen sollten. In den letzten Jahren sind die Herausgeber der prominentesten Science Fiction-Magazine Deutschlands auf Stas Rosin aufmerksam geworden. Er hat Titelbilder und Innenillustrationen für das NOVA-Magazin und für mehrere Publikationen des SFCD angefertigt, so etwa für ANDROMEDA und ANDROXine.

Seine einzigartige Fähigkeit, technische Motive mit absurden Formen und Figuren zu verbinden, war Garant für den Erfolg. Er selbst sieht in seiner Kunst auch eine Form der Auseinandersetzung mit den politischen Zuständen in Russland, dem Land, das so großen Einfluss auf seine Heimat hatte. 2010 wurde er für seine Grafiken sowohl für den European SF Award wie auch für den Kurd-Laßwitz-Preis nominiert. Sein Stil ist einzigartig. Stas Rosins Bilder sind Grenzgänger der Phantasie, leichtfüßig, bisweilen amorph, organisch, lebendig.

 Florian Breitsameter
 

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