Etwas grauer als in früheren Jahren*

* Zitat: Dieter Schmidt: Nach eigener Aussage bezog Dieter das Zitat zum Con auf das Wetter, um dann grinsend festzustellen, dass sich die Aussage auch gut auf die überwiegende Haarfarbe der Con-Besucher anwenden ließ.

Wie schon bei der Vorgänger-Veranstaltung in 2011 erfolgte der Besuch beim diesjährigen DortCon als Tagesbesuch am Samstag. Die Detailschilderung bezüglich Anfahrt und Parkplatzsuche bei Dortmunder Sudelwetter, erspare ich dem geneigten Leser. Immerhin kam an diesem Tag gnädigerweise nur Wasser von oben – am darauffolgenden Sonntag war es dann Schnee.

Also trafen wir, Armin Möhle, Clemens Nissen und meine Wenigkeit, als umweltschonende Fahrgemeinschaft ziemlich genau zur Wunschzeit, kurz nach 11 Uhr, am Fritz-Henßler-Haus ein. Dort erhielt ich tatsächlich ein vorgedrucktes Badge (als Tagesbesucher!). Clemens orientierte sich in Richtung Nebenraum, um den Programmpunkt „Eigentum, Sex und die Cloud“ aufzusuchen. Seine Con-Eindrücke findet ihr im Anschluss.

11.00 Uhr, Kinosaal, Interview Stas Rosin

Gabriele Behrend beim Interview mit Stas Rosin im Kinosaal.

Gabriele Behrend beim Interview mit Stas Rosin im Kinosaal.

Währenddessen steuerten Armin und ich den Kinosaal an. Dort interviewte Gabriele Behrend den Maler und Künstler Stas Rosin, der gebürtiger Ukrainer und im Brotberuf Psychologe ist. „Aha, so ist das“, schoss es mir als naheliegender Gedanke durch den Kopf, als ich Bilder von Stas Rosin in einer SlideShow im Hintergrund eingeblendet sah. Sein Stil ist eigenwillig, ein Mix aus Technik, fremdartigen, teils surrealistischen Figuren vor diffusen Hintergründen. Ein Bildmotiv erkannte ich als umlaufendes Titelbild von Andromeda Nachrichten wieder. Seine Maxime lautet: „Kunst ist ein Teil meines Lebens – aber ich will mich nicht auf den Altar der Kunst opfern.“ Deswegen hat er das Malen nicht zum Hauptberuf gemacht, sondern betreibt es gewissermaßen zur Entspannung, als Ausgleich während im Hintergrund Musik oder ein Hörspiel läuft. Und um Stress gar nicht erst aufkommen zu lassen, übernimmt die Benennung seiner Gemälde seine Freundin. Das ist natürlich auch eine Methode. Die recht kurze Fragerunde zum Interview-Ende ergab, dass er seine Bilder vorskizziert und die komplette Colorierung am Computer vornimmt.

Da Steampunk nicht mein Ding ist und auch die kommerzielle Raumfahrt von Matthias Pätzold mein Interesse nicht so sehr weckte, war erst einmal ein zweiter Kaffee in der Cafeteria angesagt und ein kurzer Plausch mit Armin. Will heißen, blättern im Programmheft und austüfteln der weiteren Strategie. Armin legte sich auf „Charles Stross“ fest, ich steuerte hingegen den Vortrag zum neuesten Projekt des Wurdack-Verlages an. „D9E“ – in ausgeschrieben: Die neunte Expansion. Es ist eine SF-Reihe deutscher Autoren, an dem auch mein Lieblings-Converkäufer Dirk van den Boom die Finger im Spiel hat. Kugelschreiber, Feuerzeug und Bierdeckel konnte ich von ihm schon erwerben. Im Huckepack mit so eigenwilligen Produkten wie „Rettungskreuzer Ikarus“ oder „Die Kaiserkrieger“. Von letzterem erwarb ich noch rasch Band 2, wobei es dieses Mal kein Give-away gab.

13.00 Uhr, Nebenraum

Die Autoren der neunten Expansion (von links nach rechts): Holger M. Pohl, Nadine Boos und Niklas Peinecke. Dahinter ein gut gelaunter Ernst Wurdack.

Die Autoren der neunten Expansion (von links nach rechts): Holger M. Pohl, Nadine Boos und Niklas Peinecke. Dahinter ein gut gelaunter Ernst Wurdack.

Rund 8 Minuten zu früh betrat ich den mäßig durchlüfteten Raum, bekam noch die letzten Anmerkungen von Matthias Pätzold mit und steuerte nach Vortragsschluss zielsicher die erste Stuhlreihe an und platzierte mich erwartungsvoll. Dirk gab den van-den-Boomschen Einpeitscher und verprach Unterhaltung und Glückseligkeit. Nebenbei stellte er noch seine vier Co-Autoren vor sowie Verleger Ernst Wurdack. In Ausgabe 285 des Fandom Observers lieferte Florian Breitsameter ja bereits einen Vorbericht zu dieser neuen Wurdack-Reihe und Dirk präzisierte. Eine Unterhaltungsreihe soll es werden – keine Serie. „Shared universe“, nennen das die Macher, denn der Hintergrund, vor dem die Bände spielen, ist identisch, doch jeder Autor schreibt seinen eigenen Band, kann eigene Figuren, Charaktere oder Schauplätze einbringen. So wurde der einzigen Autorin im Team, Nadine Boos, zugestanden, auch Ponys als eigene Duftmarke zu setzen. Cheftechniker Niklas Peinecke hat hingegen die ehrenvolle Aufgabe, allen erdachten Technik-Babbel so zu erklären, dass die Leser ihn glauben. Zumindest im Fall von Ernst Wurdack ist ihm das gelungen. Dieser schwärmte noch am eigenen Verkaufsstand darüber, dass „der Niklas“, so erklärt, „dass sogar ich das begreife…“ Zur Handlung: Der Aufhänger ist, die ganze Galaxis wird von den ominösen „Hondh“ beherrscht. Die ganze? Nein, es gibt kein kleines, tapferes Sonnensystem, das nicht aufhört Widerstand zu leisten! Stattdessen beginnt die Handlung mit dem Raumschiff Interceptor, das im Dilatationsflug 500 Jahre unterwegs war. Es stammt noch aus der Zeit des Krieges gegen die Hondh und die Besatzungsmitglieder erwachen nun und treffen auf die völlig veränderte Situation, nämlich der Krieg ist vorbei – die Hondh haben gewonnen.
Allzusehr ins Detail gehende Fragen, oder gar ein Prolog, eine Handlungszusammenfassung, wie man sie beispielsweise aus Perry Rhodan kennt, lehnte der Projektsprecher stimmgewaltig ab. Zum Zeitpunkt der Projektvorstellung sind bereits die ersten vier Bände der Reihe geschrieben. An den Start geht das Ganze im Oktober 2013. Geplant sind vier Bände per Kalenderjahr, also jeweils ein Band alle drei Monate. Der Vorbestellerpreis liegt bei 10+00 per Ausgabe, danach sind es 12+95. Ein Nachhaken bei Ernst Wurdack am Stand ergab: Dafür gibt es 256 Seiten Unterhaltung. Der Herr Verleger zumindest machte die ganze Zeit einen recht entspannten Eindruck und drohte diese Mal auch nicht damit, „sich den Kopfschuss zu geben“, was er bei der Mark-Brandis-Reihe vor zwei Jahren noch in Aussicht stellte.
Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist, findet weitere Informationen zur Reihe hier: http://wurdackverlag.de/verlag/index.php?cPath=1_4

Danach frönte ich dem Pausenzustand. Also wieder Cafeteria mit dem üblichen koffeinhaltigen Wirkungsgetränk. Aber holla. Da ich Sandra Vockenberg noch antraf, am selben Tisch Platz nahm, ergab sich ein Gespräch mit Frank Hermanns. Nett war es. Wir begannen mit dem Aufhänger Fandom-Observer-Einstellung, unterhielten uns über dies und das, von Hotels, Sterne-Restaurants und Ausflugszielen bis hin zu englischsprachigen Magazinen (hier legte er mir SFX ans Herz). Damit nicht genug – heute, zwei Tage nach dem DortCon, traf seine avisierte Postsendung mit einer Ausgabe dieses Magazins bei mir ein. Ein Hoch auf den sympathischen Zeitgenossen aus der Friedensstadt Münster. Und wie zuvor schon Michael Schneiberg, legte er mir noch den World-Con in London nächstes Jahr ans Herz. Wie sagt die Lichtgestalt des Fußballs so treffend? „Schaun mer mal.“

So, das war’s! Wie, Ende des Cons?

Nein, liebe Leute, das nicht. Aber Ende von meinen Programmpunkten. Jawoll, ich hatte so dermaßen die Zeit aus den Augen verloren, dass es deutlich nach 16 Uhr war, als ich die Cafeteria wieder verließ und nach Lesungen und Samstag-Abend-Show stand mir nicht mehr der Kopf. Also unterstützte ich noch die darbende Händlerschaft mit Spontan-Käufen. Zum Glück gab Peter Herfurth die passende Leseempfehlung – so brauchte ich nur noch Reinhard Rauscher das Geld in die Hand zählen. Da Armin auch aufschlug und Clemens gegen 17 Uhr ebenfalls sein Tagesprogramm bewältigt hatte, sprach nichts mehr gegen ein stärkendes Abendessen als Con-Abschluss. Dieses Jahr keine Pizza, ich hatte genölt, drei Mal hintereinander Italiener sei zu viel des Guten. Wir suchten eine griechische Taverne auf, kein Poseidon, kein Syrtaki, kein Korfu – nein, es hieß Epsilon. Im Ergebnis bezeichne ich es mal als durchschnittlich. Kann man machen, ins Schwärmen geriet ich jedoch nicht. Zumindest gab es kein Mecker von den beiden Mitreisenden.

Ab hier findet ihr die Informationen zu Programmpunkten, die Clemens Nissen als nachträglich verpflichteter FO-Berichterstatter besuchte. Damit hat er zweieinhalbmal soviel Programmpunkte wahrgenommen, wie der FO-Redakteur. Der schüttet sich eine ordentliche Ladung Asche aufs Haupt und verspricht leichtfertig Besserung für das nächste Mal.

11.00 Uhr, Nebenraum

Bernhard Kempen entführte seine Zuhörer in die Sphären der Techno-Musik. Tonbeispiele demonstrierten die Bandbreite. Im Vortrag stellte er die inneren Zusammenhänge zur SF heraus, nicht nur thematisch, sondern auch im Lebensgefühl, und lud alle SF-Fans dazu ein, sich in die Welt des Techno zu begeben – sie würden sich dort sofort heimisch fühlen.

12.00 Uhr, Nebenraum, Kommerzielle Raumfahrt

Matthias Pätzold, Redakteur des Space Science Journals, gab einen Einblick in kommerzielle Raumfahrt. Die Vielzahl von Projekten, die in den USA, Russland und Europa auf privater Initiative entstehen sollen – private Raumstationen, Mondumrundungen bis hin zu Visionen von Stationen auf dem Mond und Flügen zum Mars –, lassen einem das Wasser im Munde zusammenlaufen. Einige wenige Gäste hat es auf Flügen ins All bereits gegeben, äußerst zahlungskräftige Kundschaft für künftige Unternehmungen ist vorhanden, die Wartelisten sind lang. Ein pionierhafter Weltraumtourismus soll aller Voraussicht nach schon in wenigen Jahre Resultate erbringen, die die Raumfahrt ernsthaft voranbringen und damit die Motivationsschwäche staatlicher Programme auffangen können.

14.00 Uhr, Kinosaal, Internationale SF

Michael K. Iwoleit und Christian Hoffmann gaben, interviewt zu internationaler SF, ihr Wissen preis und machten besonders auf eine höchst ideenreiche, expandierende Szene in Asien aufmerksam.

15.00 Uhr, Nebenraum, 50 Bände Rettungskreuzer Ikarus

Dirk van den Boom schwärmte allen Interessenten von der Serie „Rettungskreuzer Ikarus“ vor, zeigte sich hocherfreut über ihren hohen wirtschaftlichen Erfolg und lud nicht nur zum Kaufen, sondern auch zum Mitmachen ein. Angesichts des Katzenjammers über ein schrumpfendes SF-Fandom war dieses glänzende Beispiel fannisher Initiative wie Balsam für eine geschundene Seele.

16.00 Uhr, Nebenraum

„Medizinischer Fortschritt“ wurde unterhaltsam und konkret vorgeführt von Ralf Boldt, der die EDV-Abteilung des Universitäts-Klinikums Oldenburg leitet. Dass – schon heute im Wesentlichen einsatzbereite – maschinelle Exo-Skelette Patienten mobilisieren und Krankenschwestern beim Wuchten von Bettlägerigen helfen können, war frappierend, ebenso, wie 3D-Technik bei der Vorbereitung von Operationen genutzt wird.

Ein Fazit:

Der Inhalt der Con-Tüte mit manueller Ergänzung durch die Flyer von „D9E“ und „Verlag Torsten Low“.

Der Inhalt der Con-Tüte mit manueller Ergänzung durch die Flyer von „D9E“ und „Verlag Torsten Low“.

Ja, welches können wir wohl ziehen? Unerfreulich war, aus Sicht des gemeinen Con-Bummlers, dass es dieses Jahr zwei deutlich konkurrierende Programmschienen gab. Wählte ich in den Vorjahren aus zwei Programmpunkten immer den interessanteren aus, so fiel mir dieses Jahr die Wahl schwer, weil ich gern beide parallelen Programmpunkte in Anspruch genommen hätte. Okay, das spricht jetzt für die Veranstalter und ist eigentlich ein Lob. Eine Rückfrage bei Arno Behrend ergab, das man mit rund 200 Besuchern die selbst gesteckten Ziele erreichte. Als Bonus oben drauf gab es noch ein Plus bei den Tagesbesuchern. Mir selbst erschienen Foyer und Verkaufsbörse weniger frequentiert, als in den Vorjahren. Der Veranstalter-Blick ist dessen ungeachtet in die Zukunft gerichtet. Neben dem 2015er DortCon liebäugelt Arno Behrend mit dem EuroCon in 2017. Dann warten wir mal ab, was sich in Dortmund noch so tut. Die Borussia-Fans jedenfalls hatten am 1:2 gegen Schalke zu knabbern und der VFL Osnabrück erzielte zu Hause ein müdes 2:2.

Günther Freunek
 

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