IRON MAN 3: Marvels Phase 2 entführt zurück zum Beginn

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USA/China, 2013
Regie: Shane Black
Darsteller/innen: Robert Downey Jr, Gwyneth Paltrow, Guy Pearce

(Vorsicht! Der Beitrag enthält Spoiler!)

Seit dem bombastischen Erfolg des MTV Movie-Award Gewinners für den besten Film, The Avengers, im Jahr 2012 warten die Fans des Marvel Cinematic Universe gespannt auf die sogenannte Phase 2, jene Filmreihe, welche zum Sequel des größten Superhelden-Epos der letzten Jahre hinführen wird. Iron Man 3 gibt für dieses nächste Projekt aus ineinander überfließenden Blockbustern den ersten Ton an, ohne jedoch eine großartige Zukunftsvision zu kreieren.

Der Film und der Kinosommer 2013 starten mit einem Ausflug in die Vergangenheit. In typischer Tony Stark-Manier geht es schon mit unerwarteten Wendungen los- so erwartet man, während das berühmte Marvel-Logo über den Bildschirm flimmert, wohl kaum die Klänge von Eiffel 65s ‚Blue‘, einem Hit aus dem Jahr 1999. Zu diesem Zeitpunkt wird Tony Stark (Robert Downey Jr) daueralkoholisiert auf einer Silvesterparty seinem Ruf als Frauenheld und überheblicher Narzisst voll und ganz gerecht. Die Kurzauftritte von Maya Hansen (Rebecca Hall) als schon nach einer Nacht verschmähten Liebhaberin (Rebecca Hall) und Aldrich Killan (Guy Pearce) als verwirrtem Wissenschaftler rechtfertigen die Rückblende, wenn sie auch etwas plump gestaltet ist. Das auf das Filmende verweisende Voice-over durch Tony wirkt im Vergleich mit Marvels sonstigen experimentellen Elementen nur ein wenig zu klassisch.

Zurück in der Gegenwart sehen wir den exzentrischen Billionär zurückgezogen an seinen Anzügen basteln. Mit Hilfe von Technologie, die er sich eigenhändig unter die Haut implantiert, schafft er es, dass seine Anzüge nunmehr seinen Handbewegungen gehorchen und ihm so noch schneller dabei dienen, in seine zweite Identität als Iron Man zu schlüpfen.
Schnell wird jedoch klar, dass Stark im Moment für die Weltrettung gar nicht viel übrig hat. Der mysteriöse Terrorist, der sich der Mandarin (Ben Kingsley) nennt, ruft seinen Geltungsdrang und seinen Wunsch, sich für das Gute einzusetzen, nicht so wie früher auf den Plan. Gefangen im posttraumatischen Stress nach den Ereignissen in The Avengers bleibt ihm Schlaf genauso verwehrt wie die rechte Motivation, sich um seine Partnerin Pepper Potts (Gwyneth Paltrow) zu kümmern.
Der perfekte Zeitpunkt für Killian, sich seiner Jugendfreundin Pepper mit einem effekttechnisch durchaus überzeugenden Forschungsprojekt zu nähern, dies sehr zum Missfallen von Peppers Bodyguard Happy Hogan (Jon Favreau). Der rüstige, übereifrige Leibwächter bringt einen Hauch der humorvoll-geerdeten Atmosphäre der ersten beiden Filme ins Spiel. Pflichtgemäß vermeldet er seinem ehemaligen Boss Tony Killians Demonstration seines „wirklich sehr großen Gehirns“.
Dies führt zu einem vermurksten romantischen Abend, zu dem Tonys eigenwilliges Weihnachtsgeschenk eines gigantischen Stoffhasen nicht unbedingt beiträgt. Pepper jedoch beweist die Hartnäckigkeit, mit welcher sie seit Jahren an Tonys Seite steht und bringt ihn dazu, zu offenbaren, wie sehr ihm New York wirklich in den Knochen steckt. Eine verletzliche, bis dato unbekannte Seite offenbart sich, die Downey Jr in seinem gewohnten, fast schon trotzigen Festhalten an seinen letzten Sicherheiten in Gestik und Mimik emotionaler denn je ausdrückt.
Die Vorstellung der dubiosen Genexperimente Killians lösen sich in der Enthüllung einer Armee für den Mandarin auf. Nachdem bei einem von deren Anschlägen Happy schwer verletzt wird, wacht Tony aus seiner Schockstarre auf und fordert den Mandarin in einem öffentlichen Statement zum Kampf heraus. Dieser wenig kluge Impuls resultiert in der hinlänglich aus den Trailern bekannten Zerstörung seiner Villa in Malibu, bei welchem der Pepper nur mit Hilfe von einer von Tonys Rüstungen knapp mit dem Leben davonkommt. Während sie zusammen mit der wie aus dem Nichts aufgetauchten Maya verschwindet, bringt Tonys ausgeklügelten KI Jarvis ihn zu einem der letzten Angriffsorte des Mandarins, mitten ins verschneite Tennessee.
Dort trifft unser gefallener Held auf den kleinen Jungen Harley, dem vielleicht überzeugendsten neuen Charakter der Reihe, was bedauerlicherweise einiges über den Aufbau und die Schauspielkünste der sonstigen Mitwirkenden aussagt. Harley hingegen mausert sich rasch zum liebenswerten Helfer, mit seiner Rotzfrechheit, seiner Begeisterung für Tonys Arbeit und seiner gewitzten Bauernschläue, die Tonys Motivation fördert. Stark macht sich an die Arbeit, sich wieder instandzusetzen und dem Mandarin erneut gegenüber zu treten- diesmal besser vorbereitet.
Wirkt diese ganze Einleitung zum Hauptplot etwas langatmig, so lässt sie doch nicht die größten Stärken des Films vermissen. Abwechslungsreiche Musik, die bemerkenswerte Leistung der Hauptdarsteller und die Chemie zwischen ihnen, geschmälert leider von Perace, der den ganzen Film über kaum Farbe bekommt und der Vorhersehbarkeit von Halls Charakter. Umso mitreißender die explosiven Effekte, kritisieren darf die Autorin dieses Artikels hier aber nicht zum ersten Mal Hollywoods völlig überbewertetes Steckenpferd des 3D, das in diesem Film einmal mehr kaum etwas zum optischen Genuss beizutragen vermag.
Iron Man 3 ruht auf anderen Stärken, darunter ein anspruchsvoll verstrickter Plot, jedoch kommt dieser in seiner Auflösung etwas stockend. Die Verwirrung um die beiden Haupt-Bösewichte leidet sehr unter der flachen Darstellung von Killian. Umso amüsantere Momente hingegen liefert Ben Kingsley. Dessen völlig durchgeknallte Figur (sehr treffend im Film als „Bühnenschauspieler“ betitelt) wäre Tonys altem Ich unter anderen Umständen vermutlich sympathisch gewesen, nachdem er dessen Rätsel gelüftet hat- umgeben von Frauen, Alkohol, Drogen und latenter Verwirrung.
Inzwischen mussten wir erfahren, dass auch Hansen in Wirklichkeit gar nicht vorhatte, ihren Arbeitgeber Killian zu verraten sondern dabei geholfen hat, Pepper gefangen zu nehmen. Als Tony im Quartier des Mandarins überwältigt wird, schockiert die Eröffnung durch Killian, dass er Pepper das Serum injiziert hat, dass seine Soldaten zu übernatürlichen Wesen mit feuerähnlichen Fähigkeiten und unbegrenzten Heilkräften macht. Peppers Leid bei diesem schmerzhaften Vorgang zeigt uns Tony in seinem vielleicht schwächsten Moment in allen Filmen, mitgenommen von seinen falschen Entscheidungen und der Sorge um seine Partnerin.
Dank seines mit Hilfe von Harley reparierten Anzugs jedoch, der ihm selbst über tausende Kilometer gehorcht, kann er sich schließlich befreien, und damit gleich auch seinen alten Freund James Rhodes (Don Cheadle), dessen ‚Iron Patriot‘-Anzug Killian gestohlen hat, um in seinem finalen Schlag den Präsidenten der Vereinigten Staaten zu töten.
Sehr überzeugend kristallisiert sich an dieser Stelle die Problematik mit Tonys Erfindung heraus, die schon in den vorhergehenden Teilen Beachtung fand. An dieser Stelle wäre mehr Ausarbeitung wünschenswert gewesen. Tony versteht im Laufe des Films die Risiken seines Genies, und er versteht auch, dass er mehr kann als Rüstungen zu schaffen. Wir sehen ihn überraschend fähig im Nahkampf, wir sehen seinen überragenden Forschergeist und seine rhetorische Brillanz als seine ganz großen Waffen. Trotzdem kommt am Ende, als die Bösewichte besiegt sind und Pepper gerettet, die Entscheidung, fast alle seine Anzüge zu zerstören, etwas überraschend. Ein, zwei Sätze zu diesem zweischneidigen Schwert großer Macht hätten gerade im Licht der anderen Marvel-Filme, die dies bereits thematisiert haben, gut getan. So wirkt es ein wenig, als ob Tonys Entscheidung nur darauf beruht, Pepper glücklich zu machen, was seinem Charakter nicht entspricht.
Dass ihn diese ganze Geschichte verändert hat, hätten wir wiederum nicht im finalen Voice-over zu hören brauchen, auch wenn sich dieses nunmehr passender einfügt. Der ganz große Plot-Twist, was Tonys Entstellung durch seinen Ark-Reaktor angeht, war bis zum Schluss ein gut gehütetes Marvel-Geheimnis, wenn man die Comics nicht kannte, auch nicht vorauszusehen und es eröffnet ungeahnte, sehr verlockende Möglichkeiten für die weitere Charakterisierung. Wie genau es mit dem Mann aus Stahl weitergeht, bleibt offen, jedoch sagt Tony klar, dass er nicht alle Anzüge zerstören wird und dass er immer noch Iron Man ist. Zudem enthüllt die Post Credit-Szene einen alten Bekannten aus seinem neuen Heldenteam, womit klar ist, dass Tony vor seiner Verantwortung der Weltrettung gegenüber weiterhin nicht davonlaufen wird. Aber er ist mehr als seine Anzüge. Soviel mehr als das. Diese Geschichte erzählt der Film.
Und das tut er trotz den zeitweiligen Schwächen einwandfrei, sagt die Autorin dieses Artikels mit leuchtenden Fan-Augen eines waschechten Marvel-Girls.

Bettina Petrik
 

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