STAR TREK: INTO DARKNESS: Reboot oder Remake? Was denn nun?

Star_Trek_Into_Darkness_Poster

USA, 2013
Regie: J.J. Abrams
Darsteller/innen: Benedict Cumberbatch, Chris Pine, Zoe Saldana, Karl Urban, Zachary Quinto

Star Trek ist nicht Kult. Star Trek hat den Begriff ‚Filmkult‘ definiert. Jedes Franchise, das seit dem bombastischen Erfolg von Gene Roddenberrys Zukunftsvision versucht, auf diesen Zug aufzuspringen, tritt ein sehr schweres Erbe an. Das betrifft alle vier Realserien, die der Geschichte der Enterprise NCC 1701 folgen, bis am Ende selbst beim eingefleischten Fan eine gewisse Übersättigung nicht mehr abzustreiten war.

Mit Skepsis wurde so auch J.J. Abrams ehrgeiziger Versuch eines Remakes in Form einer neuen Filmreihe beäugt. Dass dieser erste Star Trek-Film trotz seines verworrenen Drehbuchs zu einem großen Erfolg wurde, ist zweifellos der enthusiastischen Arbeit der richtigen Besetzung zu verdanken… und vor allem der Entscheidung, die Crew in ein alternatives Universum zu entführen, um dem etablierten Canon nicht im Weg zu stehen.

Auch Star Trek: Into Darkness setzt zur Fortsetzung des neu erweckten Hypes auf bekannte Mittel aus der zeitgenössischen Traumfabrik. Gleichzeitig jedoch geht der Film keine Risiken ein und lässt damit leider trotz gutem Willen und Aufgeschlossenheit eines Alt-Trekkies das Herzblut dieses einzigartigen Universums missen.

So beginnt der Film rasant mit einer Actionszene, in welcher Spock (Zachary Quinto) prompt aus der alten Filmreihe zitiert. Angesichts der unspektakulären Rettung aus einer prekären Situation wirkt diese eindrucksvolle Weisheit nicht nur überzogen sondern regelrecht frevelhaft. Die optisch einwandfrei in Szene gesetzte Auflösung eines – für den Rest des Films leider irrelevanten – Anfangsplots zur ersten Direktive ist eine als U-Boot fungierende Enterprise. Genau wie die unterhaltsamen Sprüche von Kirk (Chris Pine) und Scotty (Simon Pegg) ein unterhaltsames Element ohne tiefere Bedeutung.

Kirks Verletzung der Ersten Direktive hat einen nur kurzfristigen Wechsel im Machtgefüge zur Folge, in dem Christopher Pike (Bruce Greenwodod) einen kurzen aber wirkungsvollen Kurzauftritt hat. Erst das Auftauchen eines in seiner selbstverständlichen Boshaftigkeit brillierenden ‚John Harrison‘ (Benedict Cumberbatch) bringt die Geschichtr richtig in Gang. Diese wenn auch sehr emotional gestaltete Einleitung gibt leider den Ton für eins der Hauptprobleme im Film an. Bedeutungsschwangere Ereignisse bekommen keine Chance, sich zu entfalten, und man muss sich wirklich nicht wundern, dass James Kirk nicht lernt, dass sein Tun Konsequenzen hat. Es hat keine.

Der geneigte Trekkie runzelt an dieser Stelle nicht zum ersten Mal die Stirn. So erscheint die Art, wie dem Bösewicht die Flucht von der Erde gelingt, etwas verwegen in einem technologisch vergleichsweise unterentwickelten Jahrhundert. Die angeordnete Art der Verfolgung kommt vielleicht Kirks ungezügelten Temperament entgegen. Die Sternenflotte als für Frieden und Vereinigung stehende Organisation macht diese Entwicklung allerdings extrem unglaubwürdig.

Ausreichend intensiv hingegen wird die Entwicklung zwischen Spock und Kirk beschrieben. Ein Wermutstropfen bleibt auch in diesem Film wieder die Reduzierung des einst so wichtigen Pille (Karl Urban) zum Sprücheklopfer. Wirklich überzeugen kann Amazone Nyota Uhura (Zoe Saldana) als Ersatz hier nicht. Ein weiteres Manko stellt die Vernachlässigung lieb gewonnener Elemente wie etablierter Alien-Rassen zugunsten verzichtbarer 3D-Effekte und aufgezwungener Coolness dar.

Die Schauspieler geben ihr Bestes, ihre trotz der Charakterfülle gut ausgearbeiteten Rollen zu interpretieren, vor allem Cumberbatchs Leistung ist hier hervorzuheben. Doch das Gesamtbild krankt daran, dass es sich im Handlungsstrang am Original bedient. Hier driftet das so genannte Remake in ein halbherziges Reboot ab, das ans Lächerliche grenzt. Cumberbatch und Pine versuchen eine Geschichte zu erzählen, die dem damaligen Franchise nur gelungen ist, weil man Charaktere und Geschichte schon längere Zeit über ins Herz geschlossen hatte. Cumberbatchs Charakter kann hier nur an Effekt verlieren, in diesem überladenen Zusammenspiel aus bunter Optik, einem schwer verdaulichen, auf Krieg gepolten Starfleet-Admiral, und vor allem dem Versuch, etwas wieder zu beleben, das in diesem neuen AU-Canon keinen richtigen Platz finden will.

Rettend nicht nur in die Story sondern auch in die gemischten Fan-Gefühle greift Scotty ein, der wohl am authentischsten von allen Charakteren wirkt. Bei der Rettung der schwer angeschlagenen Enterprise lässt sich erneut der Eindruck nicht abschütteln, Abrams versucht, auf den Zug der alten Star Trek-Filme aufzuspringen anstatt sein eigenes Universum weiterzuführen.

Als Kirk zur Rettung seiner Leute aufbricht und in einer ansonsten völlig gleich aufgebauten Szene die Rolle einnimmt wie einst Spock, bleibt die Befremdung nicht aus. Das eigentlich sehr überzeugende Drama trägt erneut in fehlender Konsequenz einen Fließband-Stempel, sodass eine der berührendsten Szenen der Filmgeschichte zu einer schlechten Kopie verkommt. Dem Filmende muss man gleich viel Originalität zugestehen wie dem Filmtitel, welcher mit der Handlung etwa soviel zu tun hat wie ein zufälliges Blättern in einem Wörterbuch.

Und so betrachtet trotz einiger sehr guter Ansätze die Autorin dieses Artikels Star Trek: Into Darkness mit einem weinenden Trekkie-Auge.

 

Bettina Petrik
 

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2 Antworten auf STAR TREK: INTO DARKNESS: Reboot oder Remake? Was denn nun?

  1. Hallo Bettina,

    bin über den Wortvogel-Blog auf deine Kritik gestoßen, und teile deine Ansicht und deine Enttäuschung, Kam vor zwei Stunden aus dem Kino, und mir ging es ganz ähnlich wie dir. Vor allem auch das “Der Weltraum, unendliche Weiten” am Ende verkommt schon förmlich zum Hohn – diesem Mantra widmete man sich im Kino zuletzt bei “Star Trek V”, und der kann ja leider kaum als Highlight der Reihe gezählt werden (wenn ich ihn auch nicht als ganz so katastrophal sehe wie viele andere). JJ Abrams zitiert den Leitspruch zwar am Ende seiner Filme immer brav, verpasst es aber, ihn auch UMZUSETZEN. Volle Zustimmung auch, was das kopieren bekannter Filmszenen betrifft, jedoch ohne auch nur ansatzweise deren Wirkung zu erreichen. Und vor allem die “Shatner-Imitation” fand ich an dieser Stelle völlig deplaziert; das war im besten Falle unfreiwillig komisch, und im schlechtesten Fall absichtlich komisch – und das am vermeintlichen emotionalen Höhepunkt des Films (der jedoch ob des klaren Ausgangs des Geschehens bei mir ohnehin wirkungslos verpuffte). Ich stimme mit dir auch überein, dass die emotionalen Szenen teils nicht genug Zeit zum atmen hatten, udn würde als weitere Kritikpunkte noch den Effekte-Overkill (vor allem im letzten Drittel wurde mir das einfach zu viel) sowie die ständigen Gags anführen; bei letzteren fühlte ich mich teilweise wie bei der ZDF-Gaudi-Synchro von “Raumschiff Enterprise”.

    Eine kleine Anmerkung aber noch: Kann es sein, dass du im Text Reboot und Remake vertauscht hast? Zumindest ich hätte nämlich gedacht, das war genau anders herum gemeint ;-) .

  2. Bettina sagt:

    Sevas!

    Sorry, ich hatte irgendwie verpeilt, den Kommentar hier zu sehen *shame on me*. Die Effekte waren jetzt net _so_ der Störfaktor für mich, was aber ganz subjektiv daran liegt, dass ich nicht auf Optik fixiert bin. Das fällt mir meistens gar net so als Kritik oder Punkt zum Loben auf. Nur beim Hobbit hat mich zB die Technik extrem gestört…

    Ich hatte zwecks Reboot und Remake eigentlich extra noch mal gegooglt *grübel*. Und soweit ich das weiß, hat Abrams selbst mal groß getönt, er würd ja kein Remake machen wollen, weil das Frevel wär (find jetzt natürlich den Link auf die Schnell net, weil ich im Büro bin)… Und da hat er sich am Ende dieses Films eben leider n bissl sehr vergaloppiert…