WOLVERINE – Weg des Kriegers

Überladener Action-Krach in fernöstlicher Stille

wolverineposterfoto3Nachdem X-Men – Der letzte Widerstand (2006) und X-Men Origins: Wolverine (2009) im Fandom auf wenig Gegenliebe gestoßen sind, wagt diesmal James Mangold einen weiteren Versuch, an den Erfolg der ersten X-Men-Filme anzuknüpfen. Mit dem vielleicht populärsten X-Men-Charakter Logan (Hugh Jackman) als Protagonisten kann man dabei nicht allzu viel falsch machen, um zumindest die Produktionskosten einzuspielen.

Die Divergenzen der bisherigen Filmteile und sich widersprechende Aussagen von aktuellen Mitwirkenden machen es schwer, die Reihe als ganzen Kanon zu sehen. Trotzdem lässt sich guten Gewissens feststellen, dass Mangold zumindest versucht, einige fragwürdige Charakterentwicklungen zu glätten und an vorhergehende Zeitlinien anzuknüpfen. Obwohl 20th Century Fox sich einmal mehr klar alle Freiheiten einer Adaption bezüglich der Comic-Hintergründe herausnimmt, fühlt sich Wolverine – Weg des Kriegers im Gesamten nach einem Schritt in die richtige Richtung an.

Ein überraschend großer Teil des Films behandelt Logans Versuch, den Tod der Liebe seines Lebens Jean Grey zu verarbeiten, ohne dass mehr als nötig auf die Ereignisse in Der letzte Widerstand eingegangen wird. Das Traumelement bietet für den Protagonisten ungewöhnliche Mystik in einem ansonsten geerdeten Handlungsbogen.

Die Haupthandlung dreht sich um Logans Reise in das moderne Japan, um sich von seinem alten Freund Yashida (Haruhiko Yamanouchi) zu verabschieden, der im Sterben liegt. Aus seinem vorherigen Exil abgeholt wird er von Yashidas Ziehenkelin Yukio (Rila Fukushima). Diese mausert sich im Laufe des Films in ihrer unkonventionellen, Anime-angehauchten Darstellung zu einer sehr sympathischen Kampfgefährtin, welche dem etwas wettergegerbten Jackman oftmals sogar die Show stiehlt.

Yashidas leibliche Enkelin Mariko (Tao Okamoto) wird nach dem Ableben ihres Großvaters Alleinerbin seines Unternehmensvermögens und damit zur Zielscheibe tödlicher Attentate, sodass Logan sie als Schützling aufnimmt.

Die obligatorische Romantik zwischen den beiden Hauptcharakteren ist an dieser Stelle fast vernachlässigbar. Weder diese Entwicklung ist ausreichend ausgearbeitet, noch Marikos Beziehung zu ihrer Jugendliebe Harada (Will Yun Lee), dessen Film-Adaption als Krieger mit Pfeil und Bogen wie eine erzwungene Version des erfolgreich etablierten Hawkeye im Avengers-Franchise wirkt.

Der Handlungsfokus insgesamt bewegt sich hier deutlich von der Mutantenflut der letzten Filme weg und fokussiert sich mehr auf Logans Versuch, sich in der normalen Welt zurechtzufinden. Dieser Geist der Problematik von fehlender Toleranz geht dem Film eventuell ab. Es baut sich zwar eine durchaus spannende Geschichte um Logans und Marikos Flucht auf, jedoch muss man sich fragen, ob diese wirklich in einem millionenschweren Werk hätte verarbeitet werden müssen.

Einen übernatürlichen Ausgleich, wenn auch leider nicht positiv auf die Charakterfülle einwirkend, schafft die Mutantin Viper (Svetlana Khodchenkova), deren körpereigene Gifte bemerkenswert mächtig erscheinen. So zeichnet sie nicht nur dafür verantwortlich, dass Logan über einen großen Teil des Films seine Heilkräfte abhandenkommen sondern verknüpft diese anscheinend auf mysteriöse Art und Weise mit seinem Adamantium-Skelett. Anders lässt sich die wirre Entwicklung im Endkampf nicht erklären. Auch wenn in einem Fantasy-Film die Grundsätze der Physik schon mal zu vernachlässigen sind, so stellt sich eine Fiktion doch authentischer dar, wenn sie zumindest ihren eigenen Gesetzen folgt. Was mit Logans Körper in The Wolverine geschieht, entzieht sich selbst dem Verständnis der Autorin dieses Artikels als jahrelanger X-Men-Filmfan.

Es ist zugegebenermaßen etwas schwer, zwischen den vielen explosiven Zweikämpfen jedem einzelnen Charakterdetail zu folgen. Die Verpackung der Geschichte lässt sich nicht groß bemängeln, verschleiert aber die Schwächen nicht ganz. Während der Soundtrack nicht auch nur mit einer Note im Gedächtnis bleibt, reiht sich die Optik tadellos in den aktuellen Hollywood-3D-Standard ein. Ob man diese begrüßt oder nicht, zumindest sind die Effekte in The Wolverine nicht ganz so anstrengend wie in anderen Blockbustern in diesem Jahr. Die hektischen Sprünge zwischen den einzelnen Action-Schauplätzen jedoch machen es schwer, die einzelnen Fäden im Kopf zusammenzuführen. Vor allem mit Haradas völliger Inkonsequenz kann man als Zuseher am Ende wenig anfangen.

Wenn man über diese Mankos hinwegsehen kann, schafft es die exotische asiatische Atmosphäre weit weg von der üblichen Superheldenfülle an US-amerikanischen Schauplätzen, eine solide Geschichte zu erzählen. Weniger von Mutationen gezeichnet als von anderen beeindruckenden Fähigkeiten, von Entschlossenheit und mindestens soviel Geistesgestörtheit fügen sich die meisten Figuren gut in ein Universum ein, das immer schon mit seiner tiefgründigen Charakterisierung gepunktet hat.

Mit vielen emotionalen Momenten und optisch beeindruckend geht The Wolverine vielleicht nicht als Meisterwerk der Reihe in die Archive ein, als ordentlicher Blockbuster wird er aber nicht nur Franchise-Fans gefallen.

Bettina Petrik
USA, 2013
Regie: James Mangold
Darsteller/innen: Hugh Jackman, Tao Okamoto, Rila Fukushima
 

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