RUSH – ALLES FÜR DEN SIEG

Von echter und geputschter Rennstall-Dramatik

 

rush

Mit Rush – Alles für den Sieg verfilmt Ron Howard die vermutlich schlimmste und ereignisreichste Zeit im Leben von Formel-1-Legende Niki Lauda. Was auf den ersten Blick wie eine trockene Biographie für Sportfans klingen mag, entpuppt sich als mitreißender Spielfilm, der trotz einiger übertrieben dargestellter Ereignisse auf genug wahren Fakten basiert, um ohne Längen zu unterhalten.
Schon zu Filmbeginn erfahren wir in Form einer Einleitung von Niki Lauda persönlich, dass die thematisierte Rivalität zwischen seinem schärfsten Konkurrenten der damaligen Zeit, James Hunt (Chris Hemsworth) und ihm, in den Medien übertrieben dargestellt wurde. Und doch ist es das Verhältnis dieser beiden Formel-1-Legenden zusammen mit Laudas schlimmstem Unfall, für welche der österreichische Spitzenathlet bis heute bekannt ist. Genügend Stoff für einen großen Hollywood-Film also.


Hunt und Lauda (Daniel Brühl) starten beide in der Formel 3, als sie sich zum ersten Mal begegnen. Schon in den einleitenden Szenen sind die Unterschiede zwischen den beiden deutlich spürbar. Hunt ist als Playboy berüchtigt, der seinem Ruf auch voll und ganz gerecht wird. Sein Leben abseits der Rennbahn verbringt er am liebsten mit Frauen, Alkohol und Drogen. Lauda hingegen als Perfektionist und brillanter Mechaniker ist alles andere als beliebt bei seinen Arbeitskollegen, fällt aber durch sein Talent schon als Anfänger auf.
Beide Männer müssen ohne die Unterstützung ihrer Familie ihre Träume verwirklichen. Als sie sich schließlich in die Formel-1 einkaufen und sich zu bewähren beginnen, entbrennt ein bitterer Konkurrenzkampf. Die damals gerade bei Regenwetter sehr risikoreichen Rennen gehen mehr als einmal über die Grenzen von Vernunft und Sicherheit hinaus, was schließlich unter anderem zu dem grausamen Unfall Laudas am Nürburgring führt. Ein Unglück, bei dem er so schwer verletzt wird, dass er bereits die letzte Salbung erhält, bevor er sich zurück ins Leben kämpft- und mit bewundernswerter Verbissenheit in seinen Sport.
Genau mit der richtigen Balance beleuchtet Rush – Alles für den Sieg sowohl den – im technischen Detail oft nicht ganz akkuraten aber optisch überzeugenden – hoch gefährlichen Motorsport als auch den Versuch der Piloten, dieses Leben zu meistern. Howard verzichtet auf schonende Filter zugunsten der Farbigkeit des 70er-Jahre-Wahnsinns, was das Auge an die Handlung fesselt. Die Nacktheit in Hemsworth‘ Liebesszenen ist genauso wenig ein Tabu wie die schockierenden, überaus schmerzhaften Behandlungen von Laudas schweren Verwundungen.
Maske und Kostüm verdienen hier genauso ein besonderes Lob wie die unverkennbare Untermalung durch Filmmusik-Größe Hans Zimmer.
Im Geschwindigkeitsrausch einer historischen Saison gehen ein wenig die Charaktere am Rand der Strecke unter. So hätte man sich gewünscht, dass ein wenig mehr auf Hunts oberflächliche Ehe mit Suzy Miller (Olivia Wilde) eingegangen wird. Auch Lauda als charakterlich schwierige Figur glänzt in seinem Verhältnis zu Marlene Knaus (Alexandra Maria Lara). In diesen privaten Momenten können Brühl und Hemsworth ihre ganze Klasse auch als Charakterdarsteller zeigen, und ein wenig mehr davon hätte der Tiefe des Films nicht geschadet.
Trotzdem wird Rush als ein Genre-Film im Gedächtnis bleiben, der sowohl die ältere Generation an viele nervenaufreibende Nachmittage vor dem Fernseher erinnert als auch die jüngere für die Faszination Motor begeistern kann. Alles richtig gemacht, meint die Autorin dieses Artikels.

USA/Germany/Vereinigtes Königreich, 2013
Regie: Ron Howard
Darsteller/innen: Daniel Brühl, Chris Hemsworth, Olivia Wilde, Alexandra Maria Lara

Bettina Petrik

 

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