THOR – THE DARK KINGDOM

Heiteres Charakterdrama auf flacher Basis

Thor_2

Marvels Phase 2, die Fortsetzung des höchst erfolgreichen Marvel Cinematic Universe mit dem letztjährigen Höhepunkt Marvel’s The Avengers, ist in vollem Gange. Nach dem Erfolg von Iron Man 3 Mitte des Jahres 2013 bekommt mit Thor – The Dark Kingdom ein weiterer der Avengers seinen Solo-Auftritt in einer Fortsetzung. Genau wie die dritte Einzelgeschichte rund um Tony Stark hat auch die Fortsetzung von Thor (2011) wenig Bezug zu einem Gesamtbild, das letztendlich in The Avengers: Age Of Ultron im Jahr 2015 münden soll. Als Einzelteil im Blockbuster-Puzzle unterhält Thor – The Dark Kingdom jedoch vorzüglich. Alan Taylor setzt in schönster Fantasy-Manier – kleine Stolpersteine inbegriffen – das außergewöhnliche Projekt einer zusammenhängenden Superhelden-Reihe fort, die mehr auf Charakterisierung, Emotion und Humor als auf Effekte setzt.

Thor – The Dark Kingdom beginnt ähnlich wie Thor mit einer Erzählung des Götter-Allvaters Odin (Anthony Hopkins), die uns tausende von Jahre in die Vergangenheit führt. Sie beschreibt die Bemühungen des Dunkel-Elfen-Anführers Malekith (Christopher Eccleston), mit Hilfe des so genannten Aethers die neun Welten (u. a. Odins Welt Asgard und die Erde), in Dunkelheit zu stürzen. Die Vorstellung vermag nicht allzu viel Interesse zu wecken, zu gewöhnlich, zu wenig bedrohlich stellen sich die Dunkel-Elfen in ihren gescheiterten Bemühungen dar. Auch der angeblich so übermächtige Aether ist höchstens optisch beeindruckend.

In der Gegenwart knüpft die Geschichte dort an, wo Marvel’s The Avengers aufgehört hat und legt damit den Fokus auf interessantere offene Fragen. Odins Sohn Thor (Chris Hemsworth) bringt seinen Stiefbruder Loki (Tom Hiddleston) nach dessen fehlgeschlagener Machtübernahme auf der Erde nach Asgard, damit er sich Odins Urteil stellen kann. Dieses fällt trotz des Beistands durch Thors und Lokis Mutter Frigga (Rene Russo), die ihrem verdorbenen Stiefsohn als einzige noch beisteht, sehr hart aus: Loki wird für seine Taten zu lebenslanger Haft verurteilt.

Schon bei diesem ersten Wiedersehen wird bewusst, wie sehr die Ereignisse der Phase 1 die Protagonisten verändert haben. Odin handelt von verletztem Stolz und Zorn getrieben anstatt von den Motiven eines jahrtausendealten Führers. Thors einst sonniges, arrogantes Gemüt leidet unter den blutigen Kämpfen, die Lokis Taten auf den anderen neun Welten provoziert haben. Geläutert und erschöpft kehrt er von den Kriegen schließlich zurück auf seine Heimatwelt, findet dort jedoch keine Ruhe. Die Last des Throns, den er in absehbarer Zeit übernehmen soll, liegt auf seinen Schultern, und Thors Gedanken drehen sich sehr zum Leidwesen seines Vaters um seine große Liebe auf der Erde Jane Foster (Natalie Portman).

Dieser gemäßigte Abschnitt bekommt nicht die Aufmerksamkeit, die er verdient. Thors konfuse Gefühlswelt vor allem in Bezug auf Jane bleibt oberflächlich. Wirklich glaubwürdig verhält er sich im Laufe der Geschichte nur in seinem gespaltenen Verhältnis zu Loki. Dieser nimmt bald schon eine wichtige Rolle ein, als der Aether zum Leben erwacht und durch einen Unfall auf der Erde ausgerechnet von Jane Besitz ergreift. Jetzt müssen Thor und Loki sich zusammentun, um die Gefahr abzuwehren, die über Asgard und den anderen neun Welten schwebt.

Thors, Janes und Lokis Aufstand gegen Malekith und Odins Unwillen überstrahlt dabei völlig eine ganze Armee von Elfen, deren Gesichtslosigkeit leider nicht nur ihren Masken zuzuschreiben ist. Im Chaos aus verschiedenen Planeten, zwischen denen sich durch eine mysteriöse Sternenkonstellation unsichtbare Tore auftun, kommt man bald schon nicht mehr zum Atmen.

Tom Hiddlestons Charakterisierung ist und bleibt hier das wahre Glanzstück der Thor-Reihe. Nie kann man voraussagen, ob Loki nun in der Tat zustimmt, Thor zu helfen oder ob er im Hinterkopf bereits den nächsten perfiden Plan schmiedet. Das außergewöhnliche Talent Hiddlestons täuscht über die anderen teilweise seichten Charakterdarstellungen hinweg und sorgt vor allem in den Szenen gemeinsam mit Frigga und Thor für mitreißende Gänsehaut-Momente.

Thor – The Dark Kingdom entwickelt sich nach der ersten stillen halben Stunde, mit durchschnittlicher Musik aber überragenden Effekten unterlegt, zu einem emotionalen Spektakel in welchem eine Überraschung die andere jagt. Leider jedoch nicht in Bezug auf die Gegner. Das tiefe Mitgefühl mit den im Marvel-Universum fest verankerten Charakteren wird durch harmlosen Humor und sogar den Auftritt von einem anderen der Avengers aufgelockert.

Schwer ist es jedoch, über fast schon lächerlich bedeutungslose Bösewichte hinwegzusehen. Diese sind, wie man aus unzähligen Trailern mit weit interessanterem Material schließen kann, Marvels berüchtigter unglücklicher Schnitt-Schere zum Opfer gefallen.

Nichts desto trotz unterhält die zweistündige Geschichte des Kampfs der ungleichen Brüder nonstop, und sie endet in einem unerwarteten Paukenschlag, wie man ihn im Marvel Cinematic Universe noch nicht gesehen hat.

In alter Marvel-Manier wartet Thor – The Dark Kingdom dann noch mit gleich zwei Post Credit-Szenen auf, die sowohl für den Rest der Phase 2 als auch für die Thor-Reihe selbst essentiell sind. So gestaltet sich der Streifen bis zur letzten, von hellem Humor durchdrungenen Sekunde als ein Werk, das sich nicht nur für eingefleischte Marvel-Fans lohnt, meint die Autorin dieses Artikels.

Bettina Petrik

USA, 2013

Regie: Alan Taylor

Darsteller/innen: Chris Hemsworth, Natalie Portman, Tom Hiddleston

 

Das könnte Dich auch interessieren:

Abgelegt unter Filme und getaggt mit , , , , , , , . Setz ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hier hast Du nichts zu melden …