Der Fandom Observer

Die Idee ein Infozine herausgeben, hatte Martin Kempf Ende der Achtziger Jahre. Der fannische Markt lag damals recht brach: In den letzten Zuckungen lag das Infozine FANDOM MIRROR von Dieter Schmidt. FM hatte es auf 60 Ausgaben gebracht, das Heft war am Ende aufwendig hergestellt, sauber auf A3 gedruckt, Mittelheftung, tiptop. Erschien aber Ende der Achtziger nicht mehr regelmässig oder gar nicht mehr, war de facto also tot, mit 60 erreichten Ausgaben aber schon ein beachtlicher Erfolg. Ansonsten versuchte sich Matthias Hofmann mit dem FANDOM NEWSLETTER im Infozinebereich, kam aber recht bald mit dem Erscheinungsrythmus ins Straucheln und hatte im weiteren Verlauf auch mehr Ambitionen in Richtung semiprofessionelles Magazin. FANDOM NEWSLETTER erreichte dann auch die vierzigste Ausgabe nicht mehr und wurde um 1992 eingestellt. Der Rest waren clubinterne Blättchen und Schweigen im Blätterwald.

Markus Sämisch und Martin Kempf

Markus Sämisch (links) und Martin Kempf beim ColoniaCon 1989, während der abendlichen Grillparty

Und so taten sich Martin Kempf und Markus Sämisch zusammen, um ein monatliches Infozine aus der Taufe zu heben. Anfang 1989, auf dem von Klaus N. Frick veranstalteten FreuCon im Jugendzentrum Freudenstadt, wurde das Projekt durch über die Pinkelbecken geklebte Flyer publik gemacht. Diese Art der Werbung erregte durchaus Aufmerksamkeit, was sich nicht nur durch zahlreiche Bestellungen äußerte, sondern auch in der Tatsache, daß kurz vor Erscheinen der ersten Observer-Ausgabe die Konkurrenz aus Baden-Württemberg einen gelungenen Hoax plazierte, auf den wohl auch durchaus der eine oder andere hereingefallen ist.

Der erste FANDOM OBSERVER erschien dann im April 1989 und seit dieser Zeit wird das fannisch interessierte Volk allmonatlich mit Infos versorgt. Nachdem der Observer nie ein Blatt vor den Mund nahm, durchaus parteiisch, subjektiv und lästerlich daherkam und man die Aufmachung des Observers als „quick & dirty“ einstufen kann, hatte der FO bald den Beinamen „Bildzeitung des Fandoms“ weg. Was den Machern aber gar nicht ungelegen kam – man wollte ohnehin keine hohen literarischen Ansprüche erfüllen und hatte fortan Narrenfreiheit.

In all den Jahren gab es sicher viele Ausgaben, die inhaltlich eher schwachbrüstig waren. Eines aber war der Observer nie: unpünktlich. Mit Argusaugen wacht der Herausgeber auch heute noch darüber, daß jeden Monat ein Observer erscheint. Auch wenn’s wenig Material gibt und die Ausgabe dünner ausfällt: die alleroberste Priorität hat der Erscheinungsrhythmus. Denn es gibt nichts schlimmeres für ein monatliches Infozine, als wenn es nicht mehr monatlich erscheint. Auf diesem Grundsatz aufbauend gibt es den Observer auch noch nach über zwanzig Jahren und über 250 Ausgaben. Monatlich. Parteiisch. Arrogant.

Martin Kempf

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